Trump-Dekret

Bericht: Twitter prüft Zusammenschluss mit Video-App Tiktok

Twitter soll einen Zusammenschluss mit Chinas Video-App Tiktok prüfen, berichtet das „Wall Street Journal“. Was steckt hinter dem Deal?

Trump droht erneut mit Tiktok-Verbot

US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf den chinesischen Inhaberkonzern von Tiktok zum Verkauf der populären Videoplattform an ein US-Unternehmen massiv erhöht. Trump unterzeichnete ein Dekret, das auf ein Verbot von Tiktok in anderthalb Monaten hinausläuft, sollte die Plattform bis dahin nicht verkauft werden.

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Berlin. Twitter statt Microsoft? Einem Bericht zufolge erwägt der US-Kurznachrichtendienst Twitter einen Zusammenschluss mit der chinesischen Videoplattform Tiktok. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, hätten auch schon erste Gespräche zwischen den beiden Unternehmen stattgefunden. Noch sei aber offen, ob Twitter die Pläne für einen Zusammenschluss weiter vorantreiben werde, schrieb das Blatt.

Bestätigen wollten die Meldung Twitter und Tiktok auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP jedoch nicht. Das soziale Netzwerk Tiktok ist in den USA kürzlich unter großen Druck geraten. Kritiker sowie die Trump-Regierung werfen dem Konzern hinter der Video-App vor, Nutzerdaten an Chinas Regierung weiterzugeben. Zuvor war der Softwarekonzern Microsoft bereits in Gespräche über einen Kauf der App eingestiegen.

TikTok in den USA: Streit um Video-App aus China

Beim Gerangel um Tiktok geht es um viel Geld. Die weltweit beliebte Video-App dürfte Beobachtern zufolge mehrere Dutzend Milliarden Dollar kosten. Twitter soll vor diesem Hintergrund schlechter aufgestellt sein als Microsoft. Dessen Reserven sollen mehr als 130 Milliarden Dollar betragen.

Ein anderer Punkt spricht dagegen für Twitter: Der Kurznachrichtendienst zählt nicht zu den ganz Großen der Software-Branche. Das könnte ausschlaggebend werden. Denn zurzeit nehmen Politik und Wettbewerbshüter die Marktmacht der führenden Technologie-Konzerne weltweit ins Visier.

Mögliche Twitter-Fusion mit Tiktok: Das steckt dahinter

US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag ein Dekret unterzeichnet, das auf ein Verbot von Tiktok in anderthalb Monaten zur Folge hätte, sollte der chinesische Inhaberkonzern Bytedance die Videoplattform bis dahin nicht verkauft haben. Durch den Trump-Erlass werden alle Geschäfte von US-Bürgern mit Tiktok und Bytedance nach Ablauf einer Frist von 45 Tagen verboten.

Trump beschuldigt Bytedance, über die Videoplattform Spionage Chinas kommunistische Regierung zu betreiben. Der US-Präsident sieht in Tiktok laut eigener Aussage eine „Bedrohung“ der nationalen Sicherheit. Bytedance bestreitet, Nutzerdaten an die chinesische Regierung weiterzugeben.

Tiktok-Bann: Chinas Regierung spricht von „Mobbing“

Chinas Regierung und Tiktok protestierten am Freitag gegen das Vorgehen der USA. Die Aktionen der USA seien „Mobbing“, sagte der Pekinger Außenamtssprecher Wang Wenbin am Freitag. Washington schiebe Bedenken wegen der nationalen Sicherheit als Grund vor, um Nicht-US-Unternehmen zu unterdrücken. Dies werde langfristig mit Sicherheit Konsequenzen nach sich ziehen. Lesen Sie hier: USA und China: Zwei Giganten ringen um die Weltspitze

Am Donnerstag hatte die Video-App Tiktok im Zuge der Datenschutz-Debatte den Bau eines Rechenzentrums in Europa angekündigt. In der Anlage in Irland sollen mit dem für Anfang 2022 geplanten Betriebsbeginn die Daten europäischer Nutzer gespeichert werden. Aktuell speichert und verarbeitet Tiktok die Daten seiner Nutzer in den USA und Singapur.

Tiktok-Übernahme: Microsoft ebenfalls ein Kandidat

Der US-Softwareriese Microsoft befindet sich derzeit bereits in Verhandlungen mit Bytedance über einen Aufkauf der US-Geschäfte von Tiktok. Ziel sei es, bis zum 15. September einen Deal zu vereinbaren. Die Video-App ist vor allem bei jungen Nutzern sehr beliebt.

Nicht nur Tiktok ist vom harten Kurs der US-Regierung betroffen: Der US-Präsident geht ebenfalls gegen die chinesische App WeChat. Das derzeitige Vorgehen stellt Beobachtern zufolge eine neue Eskalationsstufe in den angespannten Beziehungen mit China.

Microsoft will US-Geschäft von Tiktok übernehmen
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Tiktok – Mehr zum Thema

Hinter dem Tik-Tok-Streit steckt das Duell zwischen zwei ökonomischen Supermächten, kommentiert unser Redakteur Michael Backfisch: Den USA droht langfristig das Nachsehen gegen China. Falls es mit Twitter nicht klappt: Die Übernahme von Tiktok durch Microsoft könnte die Wende beim drohenden US-Verbot bedeuten. Kritiker fordern Nutzer schon länger zum Löschen von Tiktok auf: So gefährlich ist die Video-App wirklich. (afp/dpa/mahe)