Corona-Pandemie

Senat will mehr lokal produzierte Masken

Die Gesundheitssenatorin spricht sich bei Besuch eines Maschinenbauers für verstärkte Fertigung von Schutzausrüstung in Berlin aus.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag im Werk der Maschinenbaufirma Jonas & Redmann in Moabit.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag im Werk der Maschinenbaufirma Jonas & Redmann in Moabit.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Berlin. In der größten Not frisst der Teufel Fliegen, lautet ein deutsches Sprichwort. So ähnlich erging es auch Bund und Ländern, die versuchten, in den ersten Wochen der Coronavirus-Pandemie Schutzausrüstungen wie Masken oder Kittel zu beschaffen. Nicht nur horrende Preise seien verlangt worden, auch die Qualität habe mitunter den Ansprüchen nicht genügt. Darüber hinaus sei zum Teil auch mit gefälschten Zertifizierungen gearbeitet worden, so ein Insider. Dennoch gelang es dem Land Berlin, bislang unter anderem rund 40 Millionen Mund-Nasen-Schutzmasken und neun Millionen sogenannter FFP2-Masken zu beschaffen. Vor allem Personal in Kliniken, Altenheimen und anderen medizinischen Einrichtungen wurde damit ausgestattet.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sprach sich am Dienstag bei einem Besuch des Maschinenbauunternehmens Jonas & Redmann in Moabit dafür aus, die Produktion von Schutzausrüstung künftig verstärkt lokal zu organisieren. Die Nachfrage werde weiter steigen. „Wir haben großes Interesse daran, mehr Masken und andere Dinge in Berlin zu produzieren und auch zu verbrauchen“, sagte Kalayci im Gespräch mit Firmenchef Lutz Redmann. Die Senatorin plädierte zudem auch für eine gesetzliche Verpflichtung von Arbeitgebern, etwaige Schutzausrüstung für die eigenen Mitarbeiter vorzuhalten.

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Jonas & Redmann baut seit April Maschinen zur Masken-Produktion

Der traditionsreiche Maschinenbaubetrieb war im April – auch als Reaktion auf Nachfragerückgänge anderer Abnehmer – in die Planung und Konstruktion von Maschinen eingestiegen, mit denen Mund-Nasen-Schutz- und FFP2-Masken gefertigt werden können. Auch Redmann berichtete der Gesundheitssenatorin von einem zeitweise völlig überhitzten Markt. „Herausfordernd ist, dass man in der Regel mit Banditen zu tun hat und man sich unter diesen Leuten diejenigen aussucht, mit denen man Geschäfte machen kann“, sagte Redmann. Seinem Unternehmen sei es jedoch innerhalb kürzester Zeit gelungen, sich als Fachadresse in dem Bereich zu positionieren.

Mittlerweile plant und baut Jonas & Redmann nicht nur die Maschinen, sondern ist auch Ansprechpartner in Sachen Produktionsoptimierung und Software. Darüber hinaus ist der Mittelständler gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Tungsten Consulting selbst unter die Masken-Fertiger gegangen. Derzeit wird ein Auftrag für die nationale Reserve des Bundes abgearbeitet. Auch Dilek Kalayci konnte sich bei einem Rundgang durch die Werkhallen davon überzeugen.

Vor der Tür der Produktionshalle musste sich die Gesundheitssenatorin allerdings zunächst entsprechend einkleiden: Kalayci erhielt einen Kittel, ein Haarnetz und Überzieher für die Schuhe. Die Politikerin konnte sich dann auch gleich davon überzeugen, was es bedeutet, wenn Verunreinigungen die Herstellung der Masken stören. Als schlagartig das Röhren der Maschine stoppte, mussten Jonas-&-Redmann-Mitarbeiter einen schmutzigen Stoff per Hand entfernen. Erst danach konnte die Maschine weiterproduzieren. 400.000 FFP2-Masken pro Woche seien mit der derzeitigen Technik zu schaffen, sagte Geschäftsführer Lutz Redmann. Man arbeite daran, die Leistung auf 600.000 Stück zu erhöhen, so Redmann weiter.

Maschinenbauer arbeitet an effektiveren Produktionslösungen

Der Maschinenbauer verspricht sich von den Effektivitätssteigerungen auch Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Anbietern. „In China kennt man aus solch einer Maschinen 20 Prozent Ausschuss. Wir möchten in die Dimension, die wir auch aus der Fertigung von Medizinprodukten kennen“, sagte Redmann. Dabei liege der Anteil der Produkte mit Fehlern bei unter einem Prozent. Jonas & Redmann setzt dabei auch auf Technik. So arbeitet der Maschinenbauer etwa an einem intelligenten Kamerasystem, das die Produktion der Masken überwacht und gegebenenfalls prompt eingreift, sollten erkennbare Fehler passieren.

Mit Blick auf eine lokale Produktion und den Verkauf der Masken sehe er aber noch Probleme, sagte Lutz Redmann. Als Beispiel nannte er etwa die Vergaberichtlinien der öffentlichen Hand. „Ich verstehe gar nicht, wie Berlin aktuell beschafft. Da müssen wir lernen“, erklärte er.

Internetportal vernetzt Berliner Unternehmen

Die Gesundheitsverwaltung und die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner haben in Zusammenarbeit mit dem Land Brandenburg unterdessen bereits ein Internetportal auf den Weg gebracht. Mithilfe der Plattform solle die regionale Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette gefördert und Nachfragenden von Schutzausrüstung, Medizinprodukten und Desinfektionsmitteln der Zugang zu Anbietenden erleichtert werden, hieß es.

Berlin-Partner-Chef Stefan Franzke zeigte sich beeindruckt, wie innovativ und mutig Unternehmen wie Jonas & Redmann, auf die neuen Anforderungen reagiert hätten. „Auch das ist Berliner Wirtschaft: aus Berlin, für Berlinerinnen und Berliner“, erklärte er.