Zahlungsschwierigkeiten

Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Berlin steigt

Im ersten Quartal 2020 wurden in Berlin 364 Insolvenzverfahren gemeldet – 4,9 Prozent mehr als 2019.

Besonders betroffen vom Unternehmenssterben sind Autohäuser und Kfz-Werkstätten - hier gab es im letzten Quartal in Berlin 70 Unternehmensinsolvenzen.

Besonders betroffen vom Unternehmenssterben sind Autohäuser und Kfz-Werkstätten - hier gab es im letzten Quartal in Berlin 70 Unternehmensinsolvenzen.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Berlin.  Das erste Quartal dieses Jahres war auch ohne die Corona-Krise für viele Unternehmen in der Hauptstadt ein schwieriges: Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres 364 Insolvenzverfahren gegen Unternehmen registriert. Das waren 4,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Mit der Covid-19-Pandemie stehen die gestiegenen Zahlen laut den Statistikern jedoch noch nicht im Zusammenhang.

„Effekte auf das Insolvenzgeschehen, die mit der Änderung von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusammenhängen, sind in der Statistik nur mit einem erheblichen Zeitverzug zu beobachten“, teilte das Amt weiter mit. Dies liege allein schon an der regulären Bearbeitungszeit von der Beantragung bis zur Eröffnung eines Verfahrens beim Insolvenzgericht.

Unternehmen, die durch Corona in Schwierigkeiten geraten sind, kriegen eine Atempause

Darüber hinaus wirkten die Soforthilfemaßnahmen des Bundes und der Länder. Und die im März 2020 in Kraft getretene und vorerst bis 30. September 2020 ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, wenn deren Schwierigkeiten auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen sind. Auch die teils eingeschränkte Arbeitsfähigkeit der Insolvenzgericht spiele eine Rolle.

Enorm sind auch die Summen, die die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmen ihren Gläubigern schulden: Deren Forderungen beliefen sich voraussichtlich auf 186,3 Millionen Euro, das entspricht einer Steigerung um 28,8 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2019 mit 144,6 Millionen Euro. Gegen 241 der betroffenen Unternehmen konnte demnach beim Amtsgericht Charlottenburg ein Insolvenzverfahren eröffnet werden. In 123 Fällen kam es laut Statistikamt zur Abweisung mangels Masse, da das Vermögen der Schuldner nicht ausreichte, um die Verfahrenskosten zu decken.

Auch Bau- und Gastgewerbe hat es hart getroffen

Die meisten Unternehmensinsolvenzen wurden im Berichtszeitraum für den Wirtschaftsbereich „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ mit 70 Verfahren und offenen Rechnungen in Höhe von 16,2 Millionen Euro gemeldet. Es folgten mit jeweils 46 Verfahren das Baugewerbe und das Gastgewerbe. Hier konnten Rechnungen in Höhe von 6,6 beziehungsweise 6,8 Millionen Euro nicht beglichen werden.

Deutlich erhöht hat sich auch die Anzahl der sogenannten Start-Ups, die schon wenige Jahre nach der Betriebsaufnahme in finanzielle Schieflage geraten sind. Die Zahl der insolventen Jungunternehmen, die weniger als acht Jahre am Markt waren, stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 11,9 Prozent auf 245. Darunter befanden sich 88 Unternehmen, deren Gründung nicht länger als drei Jahre her war.