Berufsstart

Was Auszubildende in der Corona-Krise wissen müssen

Viele der 400.000 Betriebe mit Lehrstellen stecken wegen der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten. Was Auszubildende jetzt wissen müssen.

Coronavirus-Krise: Was bedeutet eigentlich Kurzarbeit?

Unternehmen ächzen unter der Krise, verursacht durchs Coronavirus. Damit Arbeitnehmer ihren Job nicht verlieren, hat der Staat einen Kündigungs-Stopper: Kurzarbeitergeld. Was ist das eigentlich?

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Berlin. Für eine halbe Million Schulabgänger beginnt im August die Berufsausbildung. Doch in der Corona-Krise stellen viele der rund 400.000 Ausbildungsbetriebe wegen der extrem schwierigen wirtschaftlichen Situation alle Ausgaben infrage. Das bedroht auch Lehrstellen. Was Auszubildende jetzt wissen müssen.

Wie ernst ist die Lage in den Betrieben?

Nach einer Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) erwarten fast 80 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr Umsatzeinbußen. Selbst wenn Einzelhandel, Gastronomie und Hotels bald wieder öffnen dürfen, bedeuten die Auflagen zum Gesundheitsschutz für die Betriebe höhere Kosten und weniger Umsatz.

„In dieser Situation setzen sich die Indus­trie- und Handelskammern (IHKs) gemeinsam mit den Betrieben intensiv dafür ein, dass Azubis wo immer möglich ihre Ausbildung fortführen und ihre Prüfung ablegen können“, sagt der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks unserer Redaktion. DIHK-Präsident Eric Schweitzer hatte jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion zu weiteren Zugeständnissen bei der Lockerung, insbesondere im Bereich der Gastronomie, aufgerufen.

Wie können Ausbildungsplätze besser geschützt werden?

Kurzfristig helfen würde den Ausbildungsbetrieben nach Ansicht des DIHK, wenn sie Kurzarbeitergeld für Azubis wie für Beschäftigte ohne Einschränkungen beantragen könnten – bislang müssen sie den Lohn für sechs Wochen ohne Abstriche weiterzahlen. „Weiterhin sollte der Bund die Firmen, die Auszubildende aus Insolvenzbetrieben übernehmen, zusätzlich mit einer Übernahmeprämie unterstützen“, fordert Dercks.

Diesen Bonus fordert auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Zudem müsse die Bundesregierung ein Sonderprogramm für außerbetriebliche Ausbildungsplätze auflegen. „Nötig ist auch ein Zukunftsfonds zur Fachkräftesicherung, der sich aus Beiträgen der Arbeitgeber und des Bundes speist“, sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack unserer Redaktion.

Die Corona-Krise dürfe nicht zu einer Ausbildungskrise werden. „Deshalb brauchen Auszubildende und Betriebe jetzt ein starkes Si­gnal von Arbeitgebern, Staat und Gewerkschaften“, erklärt Hannack. Um jeden Ausbildungsplatz müsse gekämpft werden. „Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen umgehend einen Schutzschirm für Ausbildung aufspannen, um Ausbildungsbetriebe und Jugendliche in der Krise vor dem Absturz zu schützen.“

Auch DGB-Chef Reiner Hoffmann hatte im Interview mit unserer Redaktion an die Arbeitgeber appelliert, ihre Auszubildenden zu halten.

Mein Vertrag für eine Ausbildung ab August wurde wegen Corona gekündigt. Wie verhalte ich mich am besten?

Rechtlich ist die Kündigung in Ordnung, doch sollten Schulabgänger nicht gleich aufgeben. „Hier sollte man noch einmal das persönliche Gespräch mit dem Ausbildungsbetrieb suchen“, rät DGB-Ausbildungsexperte Daniel Gimpel.

Zugleich sollten sich Bewerber bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) melden, die viele Hilfen anbietet. Die Berater sprechen noch einmal mit dem Arbeitgeber und helfen bei der Suche nach Alternativen und Fördermöglichkeiten.

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Komme ich jetzt noch an einen anderen Ausbildungsplatz?

Die Chancen stehen nicht schlecht. Im Handwerk sind bundesweit 33.000 Lehrstellen noch nicht besetzt. Die Angebote finden sich in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern. Die BA bietet Hilfsangebote wie Online-Berufsberatungen. Alle wichtigen Infos finden sich unter arbeitsagentur.de/bildung. Auch die Industrie- und Handelskammern informieren über freie Stellen unter ihk-lehrstellenboerse.de.

Die BA rät zu Geduld, es gebe trotz der Corona-Krise noch immer mehr Stellenangebote als Bewerber. Unter auswaerts-zuhause.de informiert die Agentur über Hilfen, wenn eine Lehrstelle in einer anderen Stadt ist. Sollte es in diesem Jahr tatsächlich nicht mehr klappen, gibt es Möglichkeiten, die Zeit sinnvoll zu überbrücken – etwa mit berufsvorbereitenden Maßnahmen oder überbetrieblichen Berufsbildungsstätten.

Mein Betrieb ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Darf mich der Chef während der Ausbildung rauswerfen?

Eine Kündigung ist nur während der Probezeit leicht möglich. Danach darf der Arbeitgeber nur in besonderen Fällen den Ausbildungsvertrag auflösen. Die Corona-Krise rechtfertigt zunächst keine Kündigung, selbst wenn das Geschäft ruht.

Bloßer Arbeitsmangel oder wirtschaftliche Probleme seien keine betriebsbedingten Kündigungsgründe, betont das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB). Muss die Ausbildung ausgesetzt werden, ist der Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet. Erlaubt ist eine Kündigung in Ausnahmen, etwa wenn der Betrieb dauerhaft geschlossen wird.

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