Finanzen

Thomas-Cook-Pleite: So kommen Betroffene an ihr Geld

Betroffene der Thomas-Cook-Pleite können ab sofort online Ausgleichszahlungen des Bundes beantragen. Diese Regeln müssen sie beachten.

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Berlin.  Nach der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook im vergangenen Jahr können Reisende seit dem 6. Mai online eine Ausgleichszahlung vom Bund beantragen. Die Bundesregierung hatte im Dezember die Hilfen beschlossen, weil die Insolvenzversicherung von Thomas Cook für die Entschädigung der Kunden nicht ausreicht.

Wer bekommt die Ausgleichszahlung vom Bund?

Unter diesen Bedingungen haben Kunden laut dem Bundesjustizministerium das Recht auf einen Ausgleich durch den Bund:

  • Pauschalreisende haben bei einem deutschen Tochterunternehmen von Thomas Cook, bei der Thomas Cook International AG oder bei der Tour Vital Touristik GmbH gebucht.
  • Die Reisenden haben einen sogenannten Sicherungsschein von der Zurich-Versicherung erhalten. „Das ist eine Bestätigung, dass eine Versicherung besteht“, sagt Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die erhalte in der Regel jeder, der eine Pauschalreise buche.
  • Betroffene haben den Reisepreis nicht oder nicht vollständig erstattet bekommen.
  • Die Reisenden haben ihre Forderungen gegenüber der Zurich-Versicherung geltend gemacht.
  • Die Reisenden haben ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter angemeldet.
  • Die Reisenden müssen bestehende Ansprüche gegenüber Dritten – zum Beispiel der Zurich-Versicherung und den Reiseveranstalter – an den Bund abtreten.

Wer seine Ansprüche gegenüber der Zurich-Versicherung noch nicht geltend gemacht hat, kann das noch hier tun. Reisende, die bei der Tour Vital Touristik GmbH gebucht haben, tun das auf dieser Internet-Seite.

Wie wird das Geld beantragt?

Um die Ausgleichszahlungen vom Bund zu beantragen, müssen Betroffene online einen Antrag ausfüllen. Die Internetseiten unterscheiden sich, je nachdem bei welchem Veranstalter sie die Reise gebucht haben:

  • Wer von der Insolvenz der Thomas Cook Touristik GmbH oder der Bucher Reisen Öger Tours GmbH betroffen ist, beantragt die Ausgleichszahlung hier.
  • Reisende, die von der Insolvenz der Thomas Cook International AG mit Sitz in der Schweiz betroffen sind, beantragen das Geld hier.
  • Wer von der Insolvenz der Tour Vital Touristik GmbH betroffen ist, findet das Formular auf dieser Internetseite.

Um das Geld zu beantragen, müssen Reisende einige Unterlagen bereithalten, um sie hochladen zu können. Dazu gehören etwa die Reisebestätigung, Nachweise von Zahlungen an den Reiseveranstalter oder – für Betroffene, die zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags bereits auf Reisen waren – Belege für vor Ort entstandene Kosten. Lesen Sie hier: Was passiert nach der Thomas-Cook-Pleite mit Kundendaten?

Bis wann muss das Formular ausgefüllt sein?

Eine Anmeldung für die Ausgleichszahlung ist laut Bundesjustizministerium bis zum 15. November 2020 möglich. Wer bereits angemeldet ist, kann Belege auch noch nach diesem Datum nachreichen.

Wie viel Geld wird gezahlt?

Betroffene Pauschalreisende sollen „die Differenz zwischen ihren zu erstattenden Zahlungen an den Reiseveranstalter und dem, was sie von der Zurich-Versicherung oder von anderer Seite zurückerhalten ausgleichen“, heißt es beim Bundesjustizministerium.

Dort wird eine Beispielrechnung aufgemacht: Wer eine Vorauszahlung an den Reiseveranstalter in Höhe von 1000 Euro gezahlt hat und zum Beispiel von der Zurich-Versicherung 175 Euro erhält, bekommt 825 Euro als Ausgleichszahlung. Details dazu finden Betroffene auf der Internetseite des Bundesjustizministeriums.

Wann wird das Geld gezahlt?

Wann Betroffene das Geld erhalten, ist unklar. Es kann aber einige Zeit dauern. Man müsse überprüfen, ob im Einzelfall die Voraussetzungen für die freiwillige Ausgleichszahlung vorlägen, um Missbrauch zu verhindern, sagte Bundesverbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) der ARD. „Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unsere Dienstleister arbeiten aber mit Hochdruck daran, dass ein großer Teil der Kundinnen und Kunden bei berechtigten Anmeldungen noch in diesem Jahr ihr Geld zurückerhalten“, so Lambrecht.