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Durch die Corona-Krise werden weniger Jobs angeboten

Im April wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet. Der Arbeitsmarkt ist angespannt. Die offenen Stellen werden deutlich weniger.

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Berlin. Die Prognosen der Wirtschaftsinstitute für den Arbeitsmarkt sind düster. Das Münchener ifo Institut rechnet damit, dass im schlimmsten Fall durch die Auswirkungen der Pandemie 1,8 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

In der kommenden Woche wird die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktstatistik für den vergangenen Monat vorlegen. Der Vorstandschef der Bundesarbeitsagentur, Detlef Scheele, rechnet mit 150.000 bis 200.000 Arbeitslosen im April.

Corona-Krise: Anzahl der offenen Stellen wird wohl sinken

Erstmals dürfte sich die Corona-Krise damit in der Arbeitslosenstatistik wiederfinden. Denn die letzte Auswertung mit Stichtag vom 12. März zeigte letztlich ein Vorkrisen-Bild: Die Arbeitslosigkeit sank im März um 60.000 Beschäftigte auf 2,335 Millionen Menschen, die Arbeitslosenquote lag bei 5,1 Prozent.

Das einzige, was bereits in der März-Auswertung auf die verschärfte Situation am Arbeitsmarkt hinwies, war die Anzahl der offenen Stellen. 691.000 offene Stellen waren der Bundesagentur im März gemeldet, 2000 mehr als im Februar, aber eben auch 106.000 Stellen weniger als im Vorjahresmonat. Mit andauernder Krisenzeit dürfte sich die Zahl nun weiter drastisch reduzieren.

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Acht Prozent weniger Online-Jobangebote im März

Damit zumindest rechnet Felix Altmann, Sprecher des Jobportals Glassdoor. „Die Anzahl der offenen Stellen hat über die letzten Jahre so gut wie immer und über alle Branchen im Schnitt zugenommen. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend auf einen Schlag umgekehrt“, sagte Altmann unserer Redaktion.

Glassdoor ist ein sogenannter Job-Aggregator, also eine Job-Suchmaschine. Erfasst werden auf dem Online-Portal neben Inseraten, die direkt auf die Seite gestellt werden, weitere Stellenangebote im Netz. In einer Auswertung des Stellenmarktes zwischen dem 24. Februar und dem 23. März hat das Portal nun ermittelt, wie sich die Zahl der offenen Stellen entwickelt hat.

Es zeigt sich: Im März ist die Anzahl der Online-Jobangebote eingebrochen. Waren Ende Februar noch 822.736 offene Stellen inseriert, sank die Anzahl der verfügbaren Jobs im März auf 756.891 Stellen – ein Minus um acht Prozent.

Kaum noch Stellenangebote in der Tourismusbranche und Gastronomie

Besonders drastisch sind die Branchen betroffen, die aufgrund der strengen Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie derzeit geschlossen haben. Vor allem die Tourismusbranche bietet kaum noch offene Stellen an. Waren Ende Februar noch 7.879 Jobs online ausgeschrieben, halbierte sich die Zahl im März nahezu auf 4.026 Stellen.

Der Tourismus ist von der Krise schwer getroffen. Bei der Lufthansa etwa finden nur noch fünf Prozent der geplanten Flüge statt, ein Einstieg des Staates ist möglich.

In der Gastronomie fiel jedes vierte Jobangebot weg. Ein Großteil der Restaurants ist geschlossen, erste Ketten wie Vapiano und Maredo hat die Krise bereits in die Pleite geführt.

Im Kunst- und Entertainment-Bereich ist jede fünfte Stellenanzeige weggefallen. Im Handel ist mit knapp 47.000 online ausgeschriebenen Stellen zwar weiterhin Bedarf vorhanden, trotzdem ist auch in dieser Branche ein Rückgang um 11,1 Prozent zu verzeichnen. Laut einer Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gab branchenübergreifend jede fünfte Firma an, durch die Krise vor dem Aus zu stehen.

Auch in Branchen mit Fachkräftemangel gehen die offenen Stellen zurück

„Dass Unternehmen aktuell konservativ beim Thema Neueinstellungen sind, ist nachvollziehbar“, sagte Altmann. Angesichts des Fachkräftemangels hält der Glassdoor-Sprecher es aber für sinnvoll, wenn Unternehmen auch in der Krise an ihrer Belegschaft festhalten. „Wenn diese einmal überstanden ist und das Geschäft wieder anzieht, werden die Arbeitgeber froh sein, weiter auf qualifizierte Fachkräfte zählen zu können.“

Doch selbst in Branchen, in denen für gewöhnlich Fachkräftemangel herrscht und die derzeit in Voll-Auslastung oder aber zumindest in hoher Auslastung arbeiten, ist der Bedarf an neuem Personal gesunken. Die Digital- und Technikbranche verzeichnet einen Rückgang von über sieben Prozent, beim Baugewerbe sind 5,4 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben.

Lebensmittelhandel ist die einzige Ausnahme

Und selbst im Gesundheitssektor ist die Zahl der offenen Stellen rückläufig, wenn auch moderat: Im Februar waren noch 42.394 Stellen ausgeschrieben, im März gab es noch 41.648 freie Jobs in der Gesundheitsbranche.

Eine Ausnahme am Arbeitsmarkt ist derzeit der Lebensmitteleinzelhandel. In Supermärkten wird Personal händeringend gesucht, 32.168 Stellen waren Ende März ausgeschrieben – und damit 3,6 Prozent mehr als im Februar.

Bei Lebensmitteln sind die Lieferketten derzeit stark belastet. Aufgrund der strengen Einreisebestimmungen fehlt es aktuell in der Landwirtschaft beispielsweise bereits an Personal. Dabei steht gerade die Spargelernte an. Landwirte und auch das Bundesernährungsministerium werben daher mit außergewöhnlichen Maßnahmen um Personal. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass Lebensmittel nun teurer werden könnten.

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