Umfrage

So hart trifft die Coronavirus-Krise den Mittelstand

Das Coronavirus hat Großteile der Wirtschaft zum Erliegen gebracht. Eine Umfrage zeigt: Die Mittelstands-Unternehmen sehen sich in Not.

Coronavirus-Krise: Was bedeutet eigentlich Kurzarbeit?

Unternehmen ächzen unter der Krise, verursacht durchs Coronavirus. Damit Arbeitnehmer ihren Job nicht verlieren, hat der Staat einen Kündigungs-Stopper: Kurzarbeitergeld. Was ist das eigentlich?

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Berlin. Das Restaurant ist geschlossen, dem Bekleidungsgeschäft fehlt die Kundschaft und die Lieferkette des Industrieunternehmens ist unterbrochen: Das Coronavirus trifft die Wirtschaft hart. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leiden unter der Krise.

Die Einschränkungen, die Bund und Länder beschlossen haben, und mit denen das gesellschaftliche Leben nahezu zum Erliegen kommt, sorgt für ausbleibende Kundschaft. Wie sehr die KMUs um ihr Überleben fürchten, zeigt eine neue Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), die unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Coronavirus: Fast jedes zweite Unternehmen fürchtet massive Umsatzeinbußen

44,6 Prozent der Mittelstands-Unternehmen befürchten der Umfrage zufolge Umsatzeinbußen durch das Coronavirus von mehr als 60 Prozent. Das könnte durchaus gravierende Folgen haben.

Laut dem Mittelstandspanel der Förderkreditbank KfW haben 86 Prozent der mittelständischen Unternehmen lediglich einen Jahresumsatz von bis zu einer Million Euro. Ein mindestens 60-prozentiger Umsatzverlust würde die kleinen Unternehmen also besonders hart treffen.

Nur 4,2 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass sie die Krise unbeschadet und ohne Einbußen überstehen werden. Verhältnismäßig geringe Einbußen mit bis zu zehn Prozent weniger Umsatz erwartet rund jedes zehnte Unternehmen.

Rund jedes fünfte Unternehmen hat Kurzarbeit beantragt

Rund jedes vierte mittelständische Unternehmen hat der Umfrage zufolge seine Mitarbeiter mittlerweile ins Home Office beordert. Und auch von der Möglichkeit der Kurzarbeit machen viele Firmen Gebrauch: 17,1 Prozent der 2461 befragten Mittelstandsunternehmen gaben an, Kurzarbeit beantragt zu haben.

Die Bundesregierung hatte hierfür die Zugänge erleichtert und rechnet aktuell mit 2,35 Millionen Kurzarbeitern in diesem Jahr. Zum Vergleich: In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 lag der Höchststand bei der Kurzarbeit bei 1,4 Millionen Fällen.

Drei Viertel der Unternehmen klagen über fehlende Hilfe

Neben der erleichterten Kurzarbeit haben Bund und Länder bereits umfassende Maßnahmen beschlossen, um Unternehmen in der Krise zu helfen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) haben zugesagt, Kredite in bisher unbegrenzter Höhe bereitzustellen. „Das ist die Bazooka, mit der wir das Notwendige jetzt tun“, hatte Scholz versprochen. Auch können Steuerzahlungen gestundet, also aufgeschoben werden. Viele Bundesländer haben zudem separate Rettungsschirme gespannt.

Doch vielen mittelständischen Unternehmen reicht das offenbar nicht. Drei Viertel der befragten Firmen finden, dass ihnen der Staat nicht ausreichend helfe. „Äußerst unzufrieden zeigen sich die Mittelständler mit der staatlichen Hilfe in der Krise, mehr als drei Viertel schätzen diese als nicht ausreichend ein – ein Hauptgrund ist die schleppende Umsetzung“, sagte Mittelstandspräsident Mario Ohoven unserer Redaktion.

„Deutschland steht vor einer schweren Rezession“

Jedes zweite Unternehmen gab an, das es neben den zugesagten Krediten und Steuerstundungen weitere direkte Finanzhilfen benötigen wird. Für Mario Ohoven ist das eine düstere Prognose: „Wenn diese negativen Erwartungen Wirklichkeit werden, steht Deutschland vor einer schweren Rezession. Der Staat muss deshalb den betroffenen Unternehmen so schnell und unbürokratisch wie möglich helfen“, sagte der Mittelstandspräsident.

Er warb für eine schnelle und unbürokratische Hilfe und plädierte für steuerliche Entlastungen, etwa in Form der Abschaffung des Solidaritätszuschlages oder einer Unternehmenssteuerreform. Über Finanzhilfen ist auch in der Politik eine Diskussion entbrannt. Überlegt wird beispielsweise auch, ob Großkonzerne wie die Lufthansa zur Not verstaatlicht werden sollten.

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