Reinigungsmittel

Berliner Start-up verspricht nachhaltiges Putzen

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Dominik Bath
Jannes Meier (l.) und Nicolas Pless haben im vergangenen Jahr das Start-up Ecotab gegründet. Mit den Tabs des jungen Unternehmens sollen bis Ende 2020 rund eine Million Plastikflaschen Reinigungsmittel eingespart werden.

Jannes Meier (l.) und Nicolas Pless haben im vergangenen Jahr das Start-up Ecotab gegründet. Mit den Tabs des jungen Unternehmens sollen bis Ende 2020 rund eine Million Plastikflaschen Reinigungsmittel eingespart werden.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Mit den Tabs des Start-ups Ecotab können Verbraucher zuhause Reinigungsmittel herstellen. Das soll Plastik und Transportkosten sparen.

Berlin. Es gibt angesichts der fortschreitenden Ausbreitung des Coronavirus vermutlich kaum eine bessere Zeit, um über Reinigungsmittel zu sprechen. Denn gut gereinigte Flächen können im Zweifel die Übertragung des Virus verhindern. Die Bekämpfung der Infektionskrankheit steht vorerst aber nicht im Fokus des Berliner Start-ups Ecotab, das kleine, brausetablettengroße Tabs erfunden hat, mit denen sich jeder Verbraucher zu Hause sein eigenes Putzmittel herstellen kann. „Unsere Produkte sind biologisch abbaubar“, erzählt Mitgründer Nicolas Pless (25). Mittel zu produzieren, die Organismen töten, sei nie das Ziel gewesen, so Pless mit Blick auf Desinfektionsmittel.

Bei Ecotab steht stattdessen seit dem allerersten Tag an Nachhaltigkeit im Vordergrund: Weil sich durch die selbst gemischten Putzmittel das Transportvolumen deutlich verringere, sei der CO2-Ausstoß um 94 Prozent geringer als bei herkömmlich im Supermarkt gekauften Reinigungsprodukten, so das junge Unternehmen. Das liegt vor allem an dem Wasser, das nicht mehr von den Produktionsstätten über die Straßen zu den Einkaufsmärkten gefahren werden muss. Darüber hinaus wirkt sich die Idee des Unternehmens aber auch auf die Kunststoffproduktion aus.

Auf ein Tab kommen 750 Milliliter Wasser

„Ich habe mich als Chemiker gefragt, wieso Putzmittel immer so aufwendig in Plastik verpackt sein müssen, wenn man bedenkt, dass sie zum Großteil aus Wasser bestehen, das jeder aus der Leitung zu Hause bekommen kann“, sagt Pless, der an der Technischen Universität Berlin Chemie und Verfahrenstechnik studiert hat. Ein sauberes Zuhause müsse deshalb nicht zu einer verschmutzten Umwelt führen. „Mit unseren Tabs und Flaschen kann jeder Haushalt allein in Deutschland im Durchschnitt über 30 Einwegplastikflaschen sparen – und das jedes Jahr“, rechnet der Gründer vor.

Die Ecotabs geben Verbraucher einfach selbst in eine Sprühflasche und geben Leitungswasser hinzu. Ein Tab soll mit rund 750 Milliliter Flüssigkeit aufgefüllt werden. Zwischen zwei und drei Minuten dauert es, bis sich die Tablette aufgelöst hat. „Mit warmem Wasser geht es etwas schneller“, verrät Mitgründer Jannes Meier (27). Die nachhaltige Putzlösung aus Berlin gibt es bislang ausschließlich im Internet: Über den Online-Shop von Ecotab können Kunden die Tabs bestellen. 15 Stück kosten 19,90 Euro. Auch Sprühflaschen, die vollständig aus recyceltem Plastik bestehen, hat die Firma im Angebot. Es ist aber auch möglich, leere Flaschen zu benutzen, die viele Verbraucher bereits zuhause haben.

Berliner Unternehmen konkurriert mit zwei weiteren deutschen Anbietern

Das Berliner Start-up bietet die Ecotabs derzeit als Allzweck-, Bad- und Glasreiniger mit den Duftstoffen Bergamotte, Zitrone und Aloe vera an. Nicht ausgeschlossen ist, dass demnächst weitere Putzmittel wie Boden- oder Toilettenreiniger oder auch Spülmittel dazukommen, sagt Pless. Der Berliner ist der Kopf hinter der Erfindung. Er hält es für möglich, auch eher dickflüssiges Spülmittel mit Tabs selbst zu Hause zu produzieren. Zunächst will sich das Start-up allerdings auf die bereits existierende Produkte konzentrieren.

Mit der Idee sind die Berliner aber nicht allein auf dem Markt: Wettbewerber sind die bayerischen Unternehmen Everdrop aus München und Biobaula aus Bruckmühl bei Rosenheim. Zudem konkurriert die junge Firma aus der deutschen Hauptstadt mit den Anbietern, die Putzmittel auf dem herkömmlichen Wege im Einzelhandel verkaufen. Der deutsche Markt für die Produkte wächst seit Jahren. Das liege auch daran, dass es deutschlandweit immer mehr Single-Haushalte gebe, sagt Ecotab-Mitgründer Pless. Zuletzt setzten Reinigungsmittelanbieter in Deutschland etwa eine Milliarden Euro mit dem Verkauf an Endkunden um.

Ecotab will mit seinen Produkten bis Ende 2020 rund eine Million Plastikflaschen einsparen

Verglichen mit den etablierten Produkten aus den Supermarkt- oder Drogerieregalen sei die Reinigungsleistung des Tab-Putzmittels mindestens genauso gut wie bei vergleichbaren Produkten, versprechen die Ecotab-Chefs. Das Unternehmen selbst befindet sich unterdessen noch in der Anfangsphase. Erst im Dezember des vergangenen Jahres gründeten Meier und Pless ihr Start-up. Mittlerweile hat die junge Firma eine weitere Vollzeit- sowie zwei Teilzeit-Mitarbeiter. Die Produkte selbst sind erst seit Februar erhältlich. Die eingehenden Bestellungen wachsen seitdem beständig. „Unser Ziel ist es in Deutschland in diesem Jahr eine Million Plastikflaschen einzusparen – und somit auch eine Million Ecotabs zu verkaufen“, sagt Nicolas Pless.

Rückenwind für das Ziel dürfte auch die erst in dieser Woche abgeschlossene Finanzierungsrunde geben. Mehrere Investoren, darunter auch der Marketing-Chef der deutschen Drogeriekette Müller, stellen dem Unternehmen eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich für die weitere Expansion zur Verfügung. Ecotab will in nächster Zeit den Weg in den stationären Handel finden, kündigt Jannes Meier an. „Unsere Zielgruppe ist so groß, wir wollen jedem die Möglichkeit geben, die Ecotabs zu kaufen“, so Meier. Bereits jetzt bekomme das Start-up Anfragen von Händlern, die Ecotabs in ihr Sortiment aufnehmen wollen.

Auch Reinigungsfirmen arbeiten mitunter mit Tabs

Professionelle Reinigungsunternehmen setzen hingegen vor allem auf Konzen-trate, die vor Ort dann von den jeweiligen Mitarbeitern mit Wasser verdünnt würden, sagt Christian Kloevekorn, Vorstandsmitglied beim Berliner Reinigungs- und Dienstleistungskonzern Gegenbauer. „Es gibt aber auch erste Ansätze, mit Tabs zu arbeiten“, so Kloevekorn. Gegenbauer selbst hat bei den zu verwendenden Reinigungsmitteln jedoch nur bedingt Mitspracherecht: Der Kunde entscheidet, welche Putz- und Desinfektionsmittel genutzt werden soll. Das werde auch vertraglich festgehalten, so der Gegenbauer-Manager.