E-Scooter-Hersteller

Coronavirus bremst Berliner Start-up Unu aus

Nach einem Produktionsstopp läuft die E-Roller-Fertigung des Berliner Start-ups in China nur langsam wieder an.

Pascal Blum ist Gründer und Geschäftsführer des Berliner E-Roller-Start-ups Unu. Wegen des Coronavirus muss das Unternehmen die Markteinführung des neuen Roller-Modells verschieben.

Pascal Blum ist Gründer und Geschäftsführer des Berliner E-Roller-Start-ups Unu. Wegen des Coronavirus muss das Unternehmen die Markteinführung des neuen Roller-Modells verschieben.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Die Entwicklung des Berliner E-Roller-Herstellers Unu las sich bislang wie eine Geschichte aus dem Start-up-Märchenbuch: Vor fünf Jahren zog das Unternehmen von München nach Berlin, seitdem ist das Wachstum rasant. Mittlerweile fahren gut 12.000 batteriebetriebene Zweiräder auf deutschen Straßen. Unu hat damit einen Anteil von rund zwölf Prozent am deutschen Roller-Markt und macht etwa etablierten Größen wie Niu oder Vespa das Leben schwer.

Im Sommer 2018 sammelte die junge Firma 25 Millionen Euro ein, um die weitere Expansion zu finanzieren. Geld, mit dem bislang vor allem die Produktion der neuen, zweiten Generation der E-Roller vorbereitet wurde. Doch wegen der Coronavirus-Epidemie erhielt der Berliner Anbieter einen Dämpfer. „Wir hatten einen Produktionsstopp. Mittlerweile hat unser Werk in China aber mit geringer Belegschaft und Kapazität die Arbeit zum Teil wieder aufgenommen“, sagte Unu-Mitgründer Pascal Blum der Berliner Morgenpost.

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Vor allem mit Zulieferern hat Unu Schwierigkeiten

Unu arbeitet bei der Fertigung der Zweiräder mit einem Partner zusammen, dem Lohnfertiger Flex. Das Unternehmen mit Sitz in Singapur und im kalifornischen San José betreibt mehrere Fabriken in Niedriglohnländern, auch in China. Dort, in der Fabrik Zhuhai bei Hongkong, standen wegen des Coronavirus seit Anfang Februar die Bänder still. „Unser Partner Flextronics hat inzwischen zwar wieder geöffnet. Aber 60 Prozent unserer Zulieferer sind noch geschlossen. Wir bekommen deswegen gerade keine Teile“, so Blum.

Die Probleme in der Produktion treffen Unu mitten in der Vorbereitung der Markteinführung des neuen E-Roller-Modells. Zurzeit könne man keine Prognosen abgeben, sagte Blum. „Solange es nur ein paar Wochen sind, ist es verkraftbar. Wenn sich die Engpässe in der Produktion aber noch über ein paar Monate ziehen, ist es ein Problem“, so der Unu-Chef. Die Zeit nutze das Unternehmen so gut wie möglich. Ohnehin war geplant, zu dieser Zeit nur kleinere Chargen der E-Roller herzustellen. Jetzt aufgelaufene Produktionsausfälle könnten deswegen eventuell später wieder gutgemacht werden, erklärte er.

Unu steigt mit Partnern in den Sharing-Markt ein

Unu hat seinen Roller bislang sowohl zum Kauf als auch per Leasing-Modell (ab 69 Euro im Monat) angeboten. Der neue Scooter sollte ursprünglich bereits im Februar ausgeliefert werden. Die zweite Generation der Roller soll Unu zudem den Zugang zu dem noch jungen Sharing-Markt ermöglichen. Dafür ließ das Unternehmen die Fahrzeuge auch technisch aufrüsten. Jetzt können die Roller mit einer App kommunizieren, zudem ist ein Bildschirm mit Navigationssystem verbaut.

Unu steigt dabei nicht selbst in den wettbewerbsintensiven Sharing-Markt ein, sondern tritt ausschließlich als Anbieter des Gefährts auf. Ursprünglich hatte das Berliner Start-up geplant, bereits im April erste Roller mit einem Partner im niederländischen Rotterdam auf die Straße zu bringen. Ob dieses Zeitfenster nach dem Produktionsstopp durch das Coronavirus nun noch zu halten sei, ließ Unu-Mitgründer Pascal Blum offen.

Tier Mobility übernimmt Bestände der Bosch-Tochter Coup

Perspektivisch will Unu mit weiteren Anbietern zusammenarbeiten. Bereits in diesem Jahr sollen, so Blum, drei bis vier Partner ihr eigenes Sharing-Geschäft mit den Unu-Rollern aufbauen. Die Berliner selbst liefern dabei nicht nur die Zweiräder, sondern auch die Software für den Betrieb der E-Roller. Etwa 40 Prozent des Umsatzes solle das Sharing-Geschäft künftig ausmachen, kündigte Pascal Blum an. Auch für die deutsche Hauptstadt sieht er weiter Potenzial.

In der Bosch-Tochter Coup hatte allerdings Ende des vergangenen Jahres ein Roller-Sharing-Anbieter seinen Service in Berlin eingestellt. Die rund 5000 Coup-Roller, davon etwa 1500 in Berlin, hatte in der vergangenen Woche das E-Tretroller-Start-up Tier Mobility übernommen. Bosch hatte das Geschäft mit der Begründung aufgegeben, das Angebot sei dauerhaft nicht wirtschaftlich zu betreiben. Tier hingegen sieht vor allem durch die Verbindung von E-Tretrollern und E-Rollern Synergien, zum Beispiel bei der Ladelogistik.

Unu will aber auch den einzelnen Endverbraucher nicht aus dem Auge verlieren. Etwa 50 Prozent der Unu-Kunden hätten bislang den Roller direkt vom Unternehmen gekauft. Das neue Modell ist ab 2799 Euro zu haben. Zusätzlich bietet das Unternehmen – auch für Kunden, die das Leasing-Modell bevorzugen – Helme, Versicherungen oder auch zusätzliche Akkus an. Die Batterien lassen sich so wie ein Koffer aus dem Roller entfernen und an der Steckdose in der Wohnung laden. In dem neuen Modell lässt sich zusätzlich ein zweiter Akku unterbringen. So soll sich die Reichweite des Gefährts von 50 auf 100 Kilometer erhöhen.

Größter Markt für E-Roller ist China

In Deutschland wächst der Markt für E-Roller jedes Jahr deutlich zweistellig. Auch darauf setzt das Start-up Unu, das bislang noch nicht profitabel ist. Eine ähnliche Entwicklung wie in China ist hierzulande jedoch nicht abzusehen. In der Volksrepublik hatte die Regierung 2012 Roller mit Verbrennungsmotoren verboten. Mittlerweile ist China der weltweit größte Markt für E-Roller. Kenner schätzen, dass dort derzeit rund 150 Millionen elektrische Zweiräder auf den Straßen unterwegs sind. Damit würden 95 Prozent der weltweit produzierten E-Roller in China eingesetzt.

Die große Erfahrung der Chinesen mit dem E-Gefährt war ein Grund, warum sich Unu dafür entschied, die Produktion des eigenen Elektro-Rollers in dem Land aufzubauen. Chef Pascal Blum will daran zunächst auch festhalten. Für den Fall, dass die Produktionsengpässe durch das Coronavirus doch mehrere Monate anhalten sollten, hat er sich allerdings bereits eine Alternative zurechtgelegt: Unu könnte demnach auch mit der Fertigung umziehen. Möglich wäre die Verlagerung der Produktion in ein Werk, das Partner Flex in den USA betreibt, so Blum.