Coronavirus

Mit diesen drei Szenarien rechnet die Berliner Wirtschaft

Die Volkswirte der Investitionsbank Berlin haben drei unterschiedliche Szenarien erstellt. Das droht im Extremfall.

Was Arbeitgeber zur Bekämpfung des Coronavirus tun können

Das neuartige Coronavirus betrifft auch das Arbeitsleben. Mit einigen Maßnahmen kann das Infektionsrisiko auch hier gesenkt werden.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Die Coronavirus-Epidemie könnte der Berliner Wirtschaft im Extremfall schwer schaden. Das geht aus einem Papier der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Die Volkswirte der IBB haben darin drei unterschiedliche Szenarien aufgestellt und die jeweiligen wirtschaftlichen Folgen für die Hauptstadt-Wirtschaft beschrieben.

In dem für die Berliner Unternehmen folgenreichsten Szenario gehen die IBB-Banker von einem schweren Verlauf der Erkrankung aus. Davon wäre eine Vielzahl von Berlinern betroffen, die über einen längeren Zeitraum unter Quarantäne gestellt werden müssten, schreibt die IBB. Gleichzeitig könnte das Virus nicht eingedämmt werden, Unternehmen müssten schließen und würden daraufhin schwere Verluste erleiden. Die wirtschaftlichen Verwerfungen könnten dazu führen, dass in zwei oder mehr Quartalen ein negatives Wachstum in Berlin verzeichnet werde. „Auf Jahressicht gerechnet könnte das Berliner Wachstum bei sehr schweren Verlauf negativ ausfallen“, so die Landesbank. IBB-Volkswirt Claus Pretzell geht jedoch davon aus, dass dieses Szenario nur eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit hat.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengefasst. Darüber hinaus berichten wir in einem Newsblog laufend über die aktuellsten Entwicklungen bei der Ausbreitung und Eindämmung des Coronavirus in Berlin. Die überregionalen News zu Covid-19 können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier.

Wahrscheinliches Szenario: Wachstum könnte auf 1,0 Prozent zurückgehen

Wahrscheinlicher ist hingegen das zweite von der IBB aufgestellte Szenario: Dabei geht die Bank davon aus, dass die weltweite Coronavirus-Epidemie noch bis Ende Juni dieses Jahres andauert. Vor allem Berliner Unternehmen, die auf ausländische Vorprodukte angewiesen sind, wären davon betroffen. Konkret benennt die IBB dabei die Industrie, die etwa Vorprodukte aus China benötigt, um in der Stadt produzieren zu können. In der Folge rechnet die IBB auch mit Erschwernissen bei dem internationalen Warenverkehr: Die ausländische und inländische Nachfrage dürfte sich reduzieren, so die IBB-Volkswirte. Die Entwicklung hätte auch Folgen für industrienahe Dienstleistungsunternehmen.

Bei dem beschriebenen mittelschweren Verlauf der Corona-Verbreitung sieht die IBB darüber hinaus auch weitere Auswirkungen auf den Tourismus. „Inländischer wie ausländischer Tourismus brechen ein“, schreibt die IBB. In Krisenzeiten würden Messen und Kongresse abgesagt. Weil Menschen zuhause bleiben, ändere sich auch das Konsumverhalten, schreiben die Volkswirte. Die Entwicklung dürfte zu „nicht aufholbaren Wachstumseinbußen in Berlin“ führen, das BIP-Wachstum könnte von 2,2 auf 1,0 Prozent zurückgehen.

Gastgewerbe und Einzelhandel haben Einnahmeausfälle

In dem ersten von der IBB aufgestellten Szenario geht die IBB davon aus, dass Berlin das Schlimmste bereits überstanden hätte. Würde es gelingen, das Coronavirus im ersten Quartal einzudämmen, rechnet die IBB durch die Absage der Tourismusmesse ITB mit Einnahmeausfällen für Gastgewerbe, Verkehr und Einzelhandel in Höhe von 85 Millionen Euro. Dazu würden insgesamt rund 22.000 Gäste aus China der Stadt fernbleiben, die im vergangenen Jahr etwa elf Millionen Euro in Berlin ausgegeben hatten. Bei Industrie und Baubetrieben sollte es zu keinen großen Verwerfungen kommen. Etwaige Rückstände sollten in den folgenden Quartalen wieder aufgeholt werden können, so die IBB.

Der Branchen-Landesverband Dehoga Berlin forderte am Mittwoch kurzfristige Hilfen vom Land. Vor allem durch die Absage der ITB entgingen vielen Unternehmen Einnahmen.