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Coronavirus: Börsen in Panik – Lindner fordert Maßnahmen

Die Coronavirus-Krise hat Aktienwerte in Billionenhöhe vernichtet. Ökonomen fordern ein Konjunkturpaket für Deutschland und Kredite.

Bundesregierung erwartet viele weitere Coronavirus-Infektionen

Die Bundesregierung sieht Deutschland "am Beginn" einer Coronavirusepidemie mit vielen weiteren Infizierten. Innen- und Gesundheitsministerium haben deshalb einen Krisenstab eingerichtet.

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Berlin. An den Börsen herrscht die blanke Angst. Die Aktienmärkte kennen seit dieser Woche weltweit nur noch eine Richtung: abwärts. Ob in Deutschland, Europa, Asien oder den USA: Investoren sind in Panik, trennen sich scharenweise von ihren Wertpapieren.

Seit Wochenbeginn hat die Kurskorrektur weltweit mehr als drei Billionen Euro an Börsenwerten vernichtet. Allein der Deutsche Aktienindex verlor innerhalb einer Woche rund 13,5 Prozent – die Anleger erlebten damit die wohl schwärzeste Woche seit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008. Und die Ursache hat einen Namen: Coronavirus.

Wirtschaft und Finanzmärkte fühlen sich im Klammergriff des Erregers, dessen ökonomische Folgen noch überhaupt nicht absehbar sind. Schon die Vorsorgemaßnahmen wie der Quarantäneschutz von ganzen Städten im Kampf gegen die Krankheit haben zu tiefen Einschnitten im Wirtschaftsalltag geführt.

Große Veranstaltungen und Messen – wie der Genfer Autosalon – werden reihenweise abgesagt. Eigentlich erfolgreiche Konzerne wie Apple, Microsoft, Adidas und Nike kappen ihre Geschäftsziele – mit dem Verweis auf das Virus Sars-CoV-2.

Coronavirus und Börse – Wirtschaftsnobelpreisträger warnt vor Abwärtsspirale

Deutsche Autohersteller erwarten deutliche Umsatzrückgänge für dieses Jahr. Alle in China produzierenden Unternehmen leiden unter den dortigen Quarantänemaßnahmen – ihnen fehlen in dem wichtigen Markt Arbeiter und Kunden. Lieferketten – auch nach Europa – sind unterbrochen.

Zahlreiche Airlines streichen Flüge in die vom Coronavirus betroffenen Länder und Regionen wie China, Hongkong, Südkorea oder Norditalien, da immer mehr Geschäftsreisen ausfallen. Mitarbeiter bekommen für ihre Urlaubsreisen Auflagen von ihren Arbeitgebern, nicht an infizierte Orte zu reisen.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller warnt vor einer weltweiten Abwärtsspirale. Die Bundesbank geht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr etwas geringer ausfallen werde. Auch die Europäische Zen­tralbank (EZB) zeigt sich „sehr besorgt“. Möglicherweise muss ein bereits niedrige Schlüsselzins weiter gesenkt werden.

„Das Coronavirus hat alle Märkte fest im Griff. Es belastet nicht nur den Ausblick, sondern vor allem die Stimmung“, sagt der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, die Lage. Investoren befürchteten, dass das Coronavirus eine weltweite Rezession auslösen könnte. „An den Märkten wird die Rezession bereits gespielt. Bei den Kursen herrscht große Volatilität.“

FDP-Chef Lindner ruft Regierung zu Stabilisierung auf

Der Einbruch kommt überraschend, jagten die Börsenindizes wie der DAX oder Dow-Jones doch noch bis vergangene Woche von Rekord zu Rekord, während das Virus bereits grassierte. Der Deutsche Aktienindex Dax kletterte am 19. Februar sogar noch auf sein Allzeithoch von 13.795 Punkten. Nun hat sich die Gefühlslage auch an den Märkten gedreht.

Die Lage gilt als bedrohlich, da die Folgen des Virus nicht abschätzbar sind, meinen Analysten. Und Unsicherheit gilt für Investoren als größtes Risiko. „Die Kurse fallen – und keiner möchte ins fallende Messer greifen“, sagt Weinberg. Selbst Gold, das noch diese Woche ein Allzeithoch in Euro erreichte und in Krisenzeiten als sicherer Hafen genutzt wird, ist am Freitag gefallen.

FDP-Chef Christian Lindner rief die Bundesregierung eindringlich zur Stabilisierung der Wirtschaft auf. Die Regierung solle „umgehend Akutmaßnahmen einleiten, damit die Krise nicht voll auf die Wirtschaft durchschlägt“, sagte Lindner unserer Redaktion.

„Es muss Entlastung geben bei Soli, Stromsteuer und Bürokratie. Das ist jetzt dringender denn je.“ Auch eine flexible Form der Kurzarbeit gehöre dazu. Vor allem aber brauche die Corona-Krise „eine koordinierte europäische Antwort auf allen Feldern“, verlangte Lindner. „So wie sich die EU-Gesundheitsminister eng abstimmen, müssen das auch die EU-Wirtschafts- und Finanzminister tun.“

Wachstum in Deutschland wird schwächer ausfallen

Im Kampf gegen die Folgen des Coronavirus müsse die Wirtschaft gestützt werden, empfiehlt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die Bundesregierung sollte ein Konjunkturpaket auflegen, das zum Einen einen klaren Impuls für öffentliche Investitionen gibt und zum Zweiten Unternehmen hilft, Arbeitsplätze zu sichern – auch über eine Ausweitung des Kurzarbeitergelds“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher unserer Redaktion. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat bislang nur staatliche Hilfen bei einer Verschärfung der Corona-Epidemie angekündigt.

Nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sollte geprüft werden, ob die Kurzarbeiterregelungen ausreichend sind und ob Banken genügend Überbrückungskredite für Unternehmen bereitstellen, sagt der Präsident Gabriel Felbermayr.

Das Corona-Virus werde Deutschland 2020 etwa 0,2 Prozentpunkte Wachstum kosten. Lege das Virus Europa lahm, seien „die Wachstumseinbußen sicherlich deutlich höher“.

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