Internet-Möbelhändler

Wayfair streicht 90 Stellen in Berlin

Wegen hoher Verluste: Der US-Internet-Möbelhändler Wayfair baut in Berlin fast jede zehnte Stelle in seinem Büro am Alexanderplatz ab.

In Berlin betreibt „Wayfair“ ein Büro, in den USA Läden wie hier in der King of Prussia Mall in Philadelphia.

In Berlin betreibt „Wayfair“ ein Büro, in den USA Läden wie hier in der King of Prussia Mall in Philadelphia.

Foto: dpa Picture-Alliance / MARGO_REED

Berlin. Seit 2012 hat der US-Internet-Möbelgigant Wayfair auch ein Büro in Berlin. Zuletzt arbeiteten im „Haus des Berliner Verlages“ am Alexanderplatz rund 1000 Mitarbeiter. Jetzt plant das Unternehmen nach Informationen der Berliner Morgenpost den Abbau von fast jeder zehnten Stelle an dem Standort.

Eine Wayfair-Sprecherin bestätigte auf Anfrage: „Wir evaluieren kontinuierlich die Anforderungen an das Unternehmen und unsere Teams, um neue Chancen und Initiativen zu nutzen, die unseren Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis bieten. Im Rahmen dieses Prozesses zur Effizienzsteigerung haben wir einige organisatorische Änderungen vorgenommen, die etwa drei Prozent unserer weltweiten Belegschaft und rund 90 Personen an unserem Berliner Standort betreffen.“

Weitere Hintergründe zu dem Stellenabbau nannte die Sprecherin nicht. Nach Morgenpost-Informationen hat der Internethändler den von dem Job-Abbau betroffenen Beschäftigten auch Abfindungen angeboten.

Wayfair war zuletzt rasant gewachsen

Wayfair, ein Start-up aus Boston/Massachusetts, war in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, hatte auch in Berlin noch zuletzt viele Mitarbeiter neu eingestellt. Das Unternehmen gehört weltweit zu den größten Plattformen im Bereich Home & Living. Wayfair selbst produziert die Waren wie Möbel allerdings nicht selbst, sondern arbeitet mit rund 11.000 Herstellern oder Großhändlern zusammen.

Mit diesem Geschäftsmodell brachte es Wayfair 2018 auf einen Umsatz von fast sieben Milliarden Dollar. Für das vergangene Jahr erwarten Analysten sogar einen Umsatz von rund neun Milliarden Dollar. Den Wachstumskurs hat sich Wayfair allerdings teuer erkauft.

Schon 2018 schrieb das Unternehmen rund 500 Millionen Dollar Verlust. Zuletzt hatte Wayfair zudem mit höheren Importkosten von Möbeln und Haushaltswaren aus China zu kämpfen.

Internetmarkt für Möbel noch unterentwickelt

Die jüngsten Stellenstreichungen sollen nun vor allem Geld sparen. „Wir bleiben überzeugt von der Zukunft von Wayfair und von unserem Ziel, unsere Kunden mit dem besten Einkaufserlebnis für alles rund ums Zuhause zu begeistern“, sagte die Sprecherin weiter.

Welt- und europaweit steckt der Internethandel mit Möbeln noch immer in den Kinderschuhen. In Europa hatte der Online-Handel am Gesamtmarkt mit Möbeln zuletzt lediglich einen Anteil von rund sechs Prozent.

Im stationären Möbelhandel ist Ikea mit einem Marktanteil von 16 Prozent Marktführer. Im Internet spielt der schwedische Möbelriese allerdings eine deutlich kleinere Rolle. Hier rechnen sich auch Firmen wie das Berliner Start-up Home24 Chancen aus.