Weltwirtschaft

Coronavirus: Epidemie lässt Börsen und Wirtschaft einbrechen

Die Ausbreitung des Coronavirus hat Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Börse. Auch Deutschland bekommt die Folgen zu spüren.

Der Ausbruch des Coronavirus hat weltweit Folgen auf Wirtschaft und Börse.

Der Ausbruch des Coronavirus hat weltweit Folgen auf Wirtschaft und Börse.

Foto: Eugene Hoshiko / dpa

Frankfurt/Main. Die Furcht vor massiven Auswirkungen der Corona-Epidemie auf die Weltwirtschaft hat die Börse erreicht. Nachdem die Anleger in den vergangenen Wochen noch relativ gelassen auf das Virus reagiert hatten, zogen sie am Montag die Reißleine.

Der deutsche Aktienmarkt verzeichnete zeitweise die stärksten Verluste seit mehr als drei Jahren. Der Leitindex Dax büßte im Tagesverlauf über 550 Punkte ein, mehr als vier Prozent. Auch an anderen internationalen Börsen ging es zu Wochenbeginn steil abwärts.

Zwar hatte Chinas Staatspräsident Xi Jinping noch am Wochenende versichert, dass die Auswirkungen des Virus beherrschbar und nur von kurzer Dauer seien. Mehr und mehr Beobachter aber zweifeln daran. „Klar ist, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Epidemie erheblich sein werden“, sagte etwa Michael Bissinger, Experte der DZ-Bank.

Coronavirus: Ausbreitung wird Erholung der Konjunktur in Deutschland verzögern

Mit dem überraschend großen Covid-19-Ausbruch in Italien ist das Thema nun auch örtlich näher gerückt. Volkswirte fast aller Banken gehen davon aus, dass sich zumindest die Erholung der Konjunktur in Deutschland merklich verzögern dürfte: Das Virus sorgt für Produktionsausfälle und eingeschränkte Konsummöglichkeiten in China – und davon sind auch deutsche Exporteure betroffen.

Bereits seit drei Wochen steht Chinas Wirtschaft praktisch still. Die Produktion wird, wenn überhaupt, sehr langsam wieder hochgefahren. Nach Schätzungen der Commerzbank wird die Epidemie das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsproduktes im ersten Quartal des Jahres um zwei Prozent drücken. Zwar versucht die Regierung, die wirtschaftlichen Folgen zu dämpfen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer allerdings hat Zweifel an der Wirksamkeit. „Ein Konjunkturprogramm setzt voraus, dass es eine Nachfrageschwäche gibt. Wir haben hier aber eher ein Problem auf der Angebotsseite.“

China: wirtschaftlicher Stillstand wirkt sich auf Weltwirtschaft aus

Da China die wichtigste Wachstumslokomotive der Welt ist, wird ein Rückgang die globale Konjunktur insgesamt bremsen. Unternehmen rund um den Globus sind auf Vorprodukte aus China angewiesen. Reißen die Lieferketten, steht auch andernorts die Produktion still. Vor wenigen Tagen etwa hat der Technologieriese Apple auf Lieferengpässe bei iPhones verwiesen – und die Wachstumsprognosen gekappt.

Wenn global weniger produziert wird, sind auch weniger Transporte nötig. Daher sind am Montag Aktien von Logistikkonzernen und Fluggesellschaften besonders stark abgestürzt. Auf der Verkaufsliste von Anlegern standen auch Titel von Autokonzernen. Für BMW, Daimler und Volkswagen ist China der wichtigste Absatzmarkt. Seit Ausbruch des Virus sind die Autoverkäufe dort quasi komplett ausgefallen. Auch mit dem Ölpreis ging es deutlich bergab.

Einige Währungen sind trotz der Corona-Epidemie stabil

Auf der anderen Seite haben Investoren mit ihrem Geld sichere Häfen angesteuert. So ging es mit der Schweizer Währung, aber auch mit dem US-Dollar aufwärts. Auch standen Bundesanleihen hoch im Kurs: Investoren zahlen faktisch drauf, wenn sie diese Papiere erwerben. Die Krisenwährung Gold hat auf Euro-Basis einen neuen Rekord erreicht.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat die Bundesregierung zum „Krisenmanagement“ aufgerufen. „Die Bundesregierung muss jetzt schleunigst wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums liefern“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Erforderlich seien politische Entscheidungen noch im ersten Vierteljahr.

„Es ist zu wenig, wenn sich die große Koalition einzig und allein um parteipolitische Fragestellungen kümmert.“ Laut BDI rechnen mehrere Branchen mit Engpässen bei Lieferungen aus Fernost, unter anderem die Automobil-, die Elektro- und die Pharmaindustrie.

Coronavirus: Auch in Deutschland wächst die Angst vor einem größerem Ausbruch

Gegen den Trend ist dagegen der am Montag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex minimal gestiegen. Allerdings sei die „jüngste Dynamik der Epidemie“ in der Februar-Umfrage noch nicht komplett abgebildet, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Das werde erst im kommenden Monat der Fall sein.

Mit den steigenden Zahlen Infizierter und Toter in Italien wächst auch in Deutschland die Angst vor einem größeren Ausbruch – auch wenn Behörden, Politik und Gesundheitswesen gut vorbereitet sind. Alle Entwicklungen und Neuigkeiten zum Thema finden Sie auch in unserem Newsblog.