Supermärkte

Nach Verkauf an Investor – Sieben Real-Märkte vor dem Aus

Nach dem Verkauf von Real an Investor SCP gibt es neue schlechte Nachrichten für die Beschäftigten: Sieben Filialen werden geschlossen.

276 Real-Märkte gibt es derzeit – wie viele davon bleiben, ist derzeit unklar.

276 Real-Märkte gibt es derzeit – wie viele davon bleiben, ist derzeit unklar.

Foto: Oliver Berg / dpa

Düsseldorf. Für die Beschäftigten von Real ist es keine einfache Zeit. Gerade erst ist der Vertrag unterschrieben worden, der die Metro-Supermarkttochter in den Besitz des Finanzinvestors SPC bringt und damit die Zerschlagung der Kette näherbringt. Nun wird bekannt, dass es schon jetzt für Hunderte Mitarbeiter um ihre berufliche Zukunft geht. Nach Informationen von „WAZ“ und Deutscher Presse-Agentur (dpa) sollen bis Mitte 2021 sieben Real-Märkte geschlossen werden. 650 Beschäftigte sind von den Schließungen betroffen. Die „WAZ“ hatte zuerst über die Pläne berichtet.

Die Schließungen seien mit den künftigen Real-Eigentümer, dem russischen Finanzinvestor SCP, besprochen, erfuhr die dpa. Metro-Chef Olaf Koch hatte bereits vor Unterzeichnung des Kaufvertrages mitgeteilt, dass 30 Real-Märkte komplett geschlossen werden.

Folgende Standorte sind von den Schließungsplänen betroffen:

  • Augsburg
  • Bad Sobernheim
  • Bamberg
  • Deggendorf
  • Papenburg
  • Rheine
  • Wildau (bei Berlin)

Von der Übernahme durch SCP betroffen sind insgesamt 276 Real-Märkte mit 34.000 Beschäftigten, 80 Immobilien und dem Online-Shop real.de. Metro und SCP teilten nach ihrer Einigung auf den Verkauf mit, ein Großteil der Real-Standorte solle „langfristig weiterbetrieben werden, entweder unter der Marke Real oder durch andere Einzelhändler“.

Kaufland hatte bereits Interesse an rund 100 Standorten angemeldet, Edeka an rund 87. Auch Tegut und Globus wollen Real-Märkte erwerben. Ein Kern von etwa 50 Real-Märkten werde für 24 Monate unter der Marke Real weitergeführt, hieß es zunächst.

Real an Investor verkauft: Filialschließungen alarmieren Verdi

Die Gewerkschaft Verdi zeigt sich angesichts der Schließungspläne alarmiert. „Das ist ein bitterer Tag für die Beschäftigten bei Real, und es sind wohl leider nicht die letzten schlechten Nachrichten nach diesem desaströs geführten Verkaufsprozess“, bemerkte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Mittwoch.

Sie hatte am Vorabend Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aufgefordert, endlich aktiv zu werden und alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. „Es geht um 34 000 Menschen mit ihren Familien, die nicht wissen, ob sie in einem Jahr noch Arbeit haben“, sagte sie in Düsseldorf. Hier sei die Bundesregierung gefordert.

Die Gewerkschaft sieht nach früheren Angaben im Zuge der Übernahme bis zu 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Dabei geht es nicht nur um die 30 Filialen, die geschlossen werden sollen. Auch die Zukunft der Arbeitsplätze bei den 50 Filialen, die als Real-Kern noch mindestens 24 Monate weiterbetrieben werden sollen, sei ungewiss, meinte der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für den Einzelhandel, Orhan Akman. „Niemand ist in der Lage, ein Unternehmen mit lediglich 50 Warenhäusern auf Dauer wirtschaftlich zu betreiben“, ist der Branchenkenner überzeugt. Das Ganze sei nicht mehr als eine „Beruhigungspille“ für die Mitarbeiter.

Verdi befürchtet bei Real-Zerschlagung viele Kündigungen

Und selbst bei den Geschäften, die an Wettbewerber abgegeben werden, können die Beschäftigen laut Verdi nicht sicher sein, ihre Jobs zu behalten. Denn viele der Real-Filialen müssten aufwendig renoviert oder sogar in mehrere Läden aufgeteilt werden, um eine Zukunft zu haben. Dies während des laufenden Betriebs zu machen, sei in vielen Fällen eine Illusion.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass vielen Mitarbeitern wegen der langen Umbauzeiten am Ende doch gekündigt werden könnte und sie sich später bei den Nachfolgeunternehmen neu bewerben müssen. Damit würden sie ihre zum Teil über Jahrzehnte angehäuften sozialen Ansprüche verlieren. Um das zu verhindern, will Verdi versuchen, mit SCP und den potenziellen Käufern von Real-Filialen wie Kaufland oder Edeka Sozialtarifverträge abzuschließen, die einen reibungslosen Übergang garantieren.

SCP-Group-Chefin Marjorie Brabet-Friel hatte kurz nach der Unterzeichnung des Kaufvertrages angekündigt, der Finanzinvestor werde versuchen, „Schließungen und Entlassungen so weit wie möglich zu vermeiden“. Doch schränkte sie zugleich ein, das weitere Vorgehen von SCP hänge auch vom künftigen Engagement der anderen Beteiligten, von den Mitarbeitern, Betriebsräten und Gewerkschaften über die Politik bis hin zu den Vermietern ab.

Real verkauft – Supermarktkette zog Metro in rote Zahlen

Real war zuletzt das Sorgenkind bei dem Düsseldorfer Metro-Konzern und hatte im Geschäftsjahr 2018/19 für tiefrote Zahlen bei Metro gesorgt. Die meist auf der grünen Wiese gelegenen Hypermärkte litten seit Jahren unter den veränderten Einkaufsgewohnheiten in Deutschland. Immer öfter ließen die Kunden die Hypermärkte links liegen und kauften lieber in Supermärkten und bei Discountern in ihren Wohnvierteln.

Die Metro hatte bereits 2018 angekündigt, die Supermarktkette abgeben zu wollen, um sich ganz auf das Großhandelsgeschäft mit Gastronomen und kleinen Händlern konzentrieren zu können. Doch erwies sich der Verkaufsprozess als deutlich schwieriger als erwartet. Mit großen Hoffnungen begonnene, exklusive Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos scheiterten. Erst im zweiten Anlauf gelang nun eine Einigung.

Die Verkaufsbemühungen wurden nicht zuletzt durch die hohe Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel erschwert. Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit ihrem Discounter Lidl dominieren den deutschen Markt schon heute so sehr, dass der geplante Weiterverkauf zahlreicher Real-Märkte an die „großen Vier“ bei den Wettbewerbshütern mit Sorge gesehen wird.

(dpa/br)