Übernahme

Bayer gliedert Teil seiner Berliner Forschung an Nuvisan aus

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Der Bayer-Konzern lagert 400 Arbeitsplätze in Wedding aus. Zusammen mit Nuvisan soll ein neues Forschungszentrum aufgebaut werden.

Der Bayer-Konzern lagert 400 Arbeitsplätze in Wedding aus. Zusammen mit Nuvisan soll ein neues Forschungszentrum aufgebaut werden.

Foto: dpa Picture-Alliance / Matthias Balk

Der Pharma-Dienstleister Nuvisan übernimmt in Berlin rund 400 Arbeitsplätze von Bayer auf dem Gebiet kleinmolekularer Wirkstoffe.

Berlin. Der deutsche Pharma-Konzern Bayer gliedert einen Teil seiner Forschungseinheit in Berlin aus. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, übernimmt der Dienstleister Nuvisan mit Hauptsitz in Neu-Ulm einen großen Teil der in der deutschen Hauptstadt ansässigen Forschung auf dem Gebiet kleinmolekularer Wirkstoffe. Rund 400 Arbeitsplätze sind nach Konzernangaben von der Übernahme betroffen. Über finanzielle Details wurde zunächst nichts bekannt.

„Mit Nuvisan haben wir einen exzellenten Partner gefunden, der in Berlin eine starke, alle Gewerke umfassende Forschungseinheit zusammen mit unseren engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufbauen wird“, sagte Jörg Möller, Mitglied des Executive Committee der Division Pharmaceuticals der Bayer AG und Leiter von Forschung und Entwicklung.

Der Pharma-Konzern strukturiert um

Hintergrund für den Verkauf der Abteilung sind die bereits im November 2018 angekündigten Umstrukturierungsmaßnahmen im Gesamt-Konzern. Im Zuge dessen sollen bis zum Jahr 2021 weltweit rund 12.000 Stellen abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Bayer vorab aus. Der von der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto geschwächte Konzern verspricht sich von den Maßnahmen vor allem Produktivitätssteigerungen und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

In Berlin gelinge es Bayer durch den Verkauf der Forschungssparte an Nuvisan, die Flexibilität und Produktivität seiner Forschung und Entwicklung weiter zu erhöhen, hieß es. Übrige, bedeutende Forschungsaktivitäten und sein Hauptsitz der Pharmasparte blieben weiter in Berlin. Die deutsche Hauptstadt sei demnach weiterhin einer der weltweit wichtigsten Forschungsstandorte. Insgesamt arbeiten für den Bayer-Konzern in Berlin fast 5000 Mitarbeiter.

Bei der von Nuvisan übernommenen Forschungseinheit handele es sich, so Bayer in einer Mitteilung, um ein voll funktionsfähiges Team, das auf die Erforschung kleinmolekularer Wirkstoffe spezialisiert ist. Bayer und Nuvisan wollen in den kommenden Jahren beim Aufbau des neuen Forschungszentrums eng zusammenarbeiten, kündigten die Unternehmen an.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind die betroffenen Mitarbeiter am Bayer-Standort im Berliner Ortsteil Wedding am Dienstagmorgen über den Schritt informiert worden. Vor Ort soll ein Nuvisan-Vertreter vor allem die Chancen für die Beschäftigten unter dem neuen Investor betont haben: Nuvisan sei zuletzt um gut 20 Prozent gewachsen. Der Dienstleister ist in den Bereichen klinische Studien, Laborservices und der Auftragsfertigung von Arzneimitteln tätig. Derzeit arbeiten etwas weniger als 400 Beschäftigte für die Firma.

Wirtschaftssenatorin sieht klares Bekenntnis für Berlin

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte die neue Zusammenarbeit „gute Nachrichten für die Wissenschafts- und Forschungsmetropole Berlin“. „Ein neues Forschungszentrum mit 400 Arbeitsplätzen ist eine starke Unterstützung für die Gesundheitsstadt. Ich freue mich, dass sich die Nuvisan-Gruppe für den Standort Berlin entschieden hat und bin sicher, dass ihr auf dem Bayer Forschungs- und Entwicklungs-Campus eine optimale Fläche für ihre Aktivitäten vermittelt wurde“, sagte Müller der Berliner Morgenpost. An der neuen Kooperation von Nuvisan mit dem Bayer-Konzern zeige sich auch, dass strategische Partnerschaften zu gemeinsamen Erfolgen führen.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht in der Entscheidung ein „klares Bekenntnis von Bayer zum Standort Berlin“. „Mit einem neuen Partner sollen die Arbeitsplätze erhalten bleiben und ein neuer Forschungsstandort aufgebaut werden. Es ist gut, dass der Bayer-Standort im Herzen Berlins nun fit für die Herausforderungen der Zukunft gemacht wird, das Land Berlin wird Bayer dabei unterstützen“, sagte sie.

Berlin-Partner-Chef Stefan Franzke betonte, mit Blick auf das von Bayer angeschobene Restrukturierungsprogramm: „Nach intensiven Verhandlungen ist eine Win-win-Situation für die beteiligten Unternehmen, die Mitarbeiter aber insbesondere den Gesundheitscluster HealthCapital entstanden. Berlin erfährt eine weitere Stärkung als Pharma- und Gesundheitsstandort und wird weitere Unternehmen anziehen.“

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Kluckert, sagte, es sei sehr zu begrüßen, dass sich beide Unternehmen dazu entschieden hätten, in ein Forschungszentrum in der Hauptstadt zu investieren. „Gerade der Bereich der Gesundheitswirtschaft muss in Berlin noch viel mehr gestärkt und ausgebaut werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und um den Anschluss an andere Metropolen nicht zu verlieren“, betonte Kluckert. Der Politiker forderte den Senat auf, sich für weitere Ansiedlungen von Pharma-Unternehmen einzusetzen. Nur so könne Europa die Abhängigkeit vom amerikanischen und chinesischen Markt reduzieren.

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