Berliner Unternehmen

Bruno Hohn ist der Mann, dem Beamte vertrauen

Er ist Deutschlands einziger gerichtlich zugelassener Beihilfeberater. Sein Geschäft wächst, auch, weil die Menschen immer älter werden

Bruno Hohn gründete 1984 das Unternehmen Medirenta, das sich um die Beihilfe-Abrechnung von deutschen Beamten kümmert. Derzeit hat das wachsende Unternehmen aus Neukölln 43 Mitarbeiter.

Bruno Hohn gründete 1984 das Unternehmen Medirenta, das sich um die Beihilfe-Abrechnung von deutschen Beamten kümmert. Derzeit hat das wachsende Unternehmen aus Neukölln 43 Mitarbeiter.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Wer das Büro von Bruno Hohn (62) am Buckower Damm in Neukölln betritt, bemerkt zunächst die Reiseleidenschaft des Unternehmers. Hohn, grau-weiße Haare, kariertes Sakko, hat dort einen Globus und eine Skulptur aus Holz stehen. Die filigran geschwungene Kunstinstallation brachte er mal von einem Neuseeland-Besuch mit.

Noch auffälliger ist vermutlich nur Hohns Leidenschaft für Sand. In drei Glasvitrinen hat er mehrere Dutzend kleiner mit Sand befüllter Gläser aus aller Welt untergebracht. Überall dort, wo Hohn während seiner Urlaube mal am Strand lag, nahm er etwas von der körnigen Masse mit. Seit dem Ende der 70er-Jahre geht das so. Fein säuberlich hat Hohn auf jedem Glas handschriftlich dokumentiert, woher der Sand ist und wann er ihn dort mitgenommen hat.

Beihilfe: Deutschlandweit gilt unterschiedliches Recht

Hohns penible Dokumentation ist ein guter Hinweis auf seine eigentliche Tätigkeit: Vielleicht hat er sich in der Sache sogar von seiner Kundschaft anstecken lassen. Denn Hohns Firma, die Kanzlei Medirenta, ist Deutschlands einzige gerichtlich zugelassene Beihilfeberatung. Und Hohns Kunden – er nennt sie Mandanten – sind vor allem Beamte des Bundes und aus den 16 deutschen Bundesländern.

Die Staatsbediensteten vertrauen Medirenta die Abrechnung ihrer Krankheitskosten an. Anders als normale Angestellte sind Beamte von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreit. Stattdessen springt im Krankheitsfall eine privat abgeschlossene Krankenversicherung und eben die sogenannte Beihilfe ein. Arztrechnungen zahlen die Berechtigten zunächst selbst, reichen die Kosten dann aber ein. „Der Staat beteiligt sich prozentual im Rahmen der Fürsorgepflicht des Dienstherren“, sagt Hohn. Meistens zu fünfzig, in einigen Fällen sogar mit bis zu 80 Prozent. Den Rest kann sich der Erkrankte von seiner Privatversicherung zurückholen.

Deutschlandweit gibt es rund 11.600 Beihilfe-Stellen

Allerdings ist die Abrechnung durchaus kompliziert, erzählt der Unternehmer mit Blick auf die Beihilfe. Denn bundesweit gibt es nach Angaben Hohns rund 11.600 Beihilfe-Stellen. Im Grunde hat jeder Beamtenberuf, also bei der Post, aber auch Bahner, Feuerwehrleute, Polizisten oder Lehrkräfte, eigene zuständige Stellen in den jeweiligen Bundesländern und auf Bundesebene. Dazu existiert jeweils ein unterschiedliches Beihilferecht. Dabei den Überblick zu behalten, sei durchaus herausfordernd, so Hohn. Denn die Auslegung, ob eine Behandlung oder ein Medikament tatsächlich auch beihilfefähig ist, ist nicht immer einheitlich.

Immer mehr Beamte überlassen deswegen Medirenta die Beihilfe-Abrechnung. Mittlerweile hat das Unternehmen mehrere Tausend Mandanten bundesweit. Der Umsatz liegt im mittleren einstelligen Millionenbereich. Erst im vergangenen Jahr musste die Neuköllner Firma ihre Büroräume am Buckower Damm vergrößern und bezog in dem Haus neben dem ersten Stockwerk auch noch das Erdgeschoss. Für Medirenta arbeiten derzeit 43 Beschäftigte, darunter zwei Sozialrechtler. Das Wachstum sei kontinuierlich, sagt Hohn. Etwa vier bis fünf Angestellte seien zuletzt jedes Jahr dazugekommen.

Kompliziere Beihilfe: Angehörige fühlen sich der Abrechnung nicht immer gewachsen

Die stärkere Nachfrage nach der Medirenta-Dienstleistung liegt auch an der immer älter werdenden Bevölkerung. Zwar erledigt noch immer die Mehrzahl der rund zwei Millionen deutschen Beamten die Beihilfe-Abrechnung selbst. Doch Medirenta komme häufig dann ins Spiel wenn der Staatsbedienstete selbst – zum Beispiel nach eigener schwerer Erkrankung – die Abrechnung nicht mehr übernehmen könne, sagt Hohn. Angehörige, die häufig über die Beihilfe des Beamten mitversichert sind, fühlen sich der Abrechnung nicht immer gewachsen, erzählt Hohn. Der Firmengründer sieht seine Arbeit als Beihilfeberater so wie die eines Steuerberaters. Ein Großteil der Deutschen mache die Steuererklärung selbst und nehme nur in komplizierten oder aufwendigen Fällen Hilfe in Anspruch. So sei es auch in Sachen Beihilfe, sagt Hohn.

Seine Dienstleistung lässt sich das Unternehmen gut bezahlen: Als Grundbetrag berechnen die Neuköllner einen Euro pro Lebensjahr des Beihilfe-Berechtigten als monatlichen Beitrag. Dazukommen können noch ein etwaiger Familien- oder auch ein Pflegezuschlag. Je nachdem zahlen die Staatsbediensteten für den Medirenta-Service also einen monatlichen Beitrag zwischen 20 und einigen Hundert Euro.

Beihilfe: Neuköllner Unternehmer leistete in den 1980er-Jahren Pionierarbeit

Medirenta ist deutschlandweit gewissermaßen konkurrenzlos in dem Geschäftsfeld. Zwar übernehmen auch einige Rechtsanwälte Streitfragen in Bezug auf das Beihilferecht. Bruno Hohn ist allerdings der einzig gerichtlich zugelassene Beihilfeberater in der Bundesrepublik mit entsprechender Zertifizierung und einer für die Arbeit notwendigen Vermögensschadenhaftpflichtversicherung.

Um das zu erreichen hat der gebürtige Berliner in den 80er-Jahren Pionierarbeit geleistet. Hohn studierte BWL, spezialisierte sich dann auf öffentliches Recht sowie Verwaltungsrecht und half dann zunächst einigen Beamten aus dem eigenen Freundeskreis bei den Beihilfeabrechnungen. 1984 gründete er seine Firma, wenig später hatte er zehn Mandaten, fünf Jahre später dann 100. Nach weiterem Wachstum zog Medirenta 2009 aus Hohns Haus in Buckow an den jetzigen Unternehmenssitz. „Das macht mich stolz“, sagt Bruno Hohn: „Ich helfe von Buckow aus mit meinem Team Menschen in ganz Deutschland.“

Fortschritt bei der Digitalisierung bei deutschen Behörden sehr unterschiedlich

Vor allem wegen der Digitalisierung wird sich aber auch die Arbeit von Medirenta verändern. Viele Behörden wollen perspektivisch papierloser arbeiten als heute. Hohns Kanzlei hat ohnehin für seine Dienstleistung eine eigene Software entwickelt, zusätzlich arbeitet Medirenta nun daran, bei den jeweiligen Beihilfe-Stellen Schnittstellen zu etablieren. Der Fortschritt bei den Behörden in Sachen Digitalisierung seien deutschlandweit aber sehr unterschiedlich, sagt Hohn. Berlin, lässt er durchblicken, habe derzeit noch erhebliche technische Probleme.

Hohn selbst will noch bis zur Rente weitermachen. Eine Nachfolgeregelung habe er im Kopf. Darüber hinaus plane er natürlich weiterhin zu reisen. Als nächstes will er an die US-amerikanische Ostküste. „Mal gucken, was mir da noch für Sand vor die Füße geweht wird“, sagt Hohn. In seinen Vitrinen habe er in jedem Fall noch Platz für weitere Mitbringsel.