Geld

Bargeld oder Kreditkarte? So bezahlen Deutsche am liebsten

Die meisten Deutschen wollen nicht aufs Bargeld verzichten – vor allem die Älteren. Die Mehrheit hat zwischen 50 und 100 Euro dabei.

Kreditkarten und Bargeld: Die meisten Deutschen haben beim Einkaufen beides dabei.

Kreditkarten und Bargeld: Die meisten Deutschen haben beim Einkaufen beides dabei.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Cash oder Karte? Bei den Deutschen zeichnet sich eine langsame Abkehr vom Bargeld ab. Nur noch 45 Prozent der Bürger zahlen im Laden lieber bar, 23 Prozent mit Karte. Jedem Achten ist das Zahlungsmittel egal, 16 Prozent entscheiden dies je nach Höhe des Betrags. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung des Bankenverbands hervor, die dieser Redaktion vorliegt.

Beim Zahlungsverhalten macht sich eine Alterskluft bemerkbar: Je jünger die Verbraucher, desto häufiger setzen sie Kreditkarten ein, zahlen kontaktlos oder mit ihrem Smartphone. Und zwar Männer wie Frauen gleichermaßen.

Bargeld: Fast jeder zweite unter 30-Jährige könnte darauf verzichten

Dennoch hängt die große Mehrheit noch am Bargeld. 76 Prozent finden es schlecht, wenn es keine Scheine und Münzen mehr gäbe. Nur 23 Prozent bewerten dies als gut. Auch hier sind es die Älteren, die am Baren festhalten: Mehr als 86 Prozent der über 50-Jährigen wünschen sich weiterhin Bargeld. Unter den 18- bis 29-Jährigen können sich dagegen 47 Prozent der Befragten schon ein Leben ohne Bargeld gut vorstellen. Die kleinen 1- und 2-Cent-Münzen könnten schon bald verschwinden.

Rasant entwickelt sich kontaktlose Bezahlen per Karte an der Ladenkasse. Fast jeder zweite Deutsche (45 Prozent) hat schon einmal kontaktlos bezahlt. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es schon 61 Prozent, unter den 30- bis 39-Jährigen nutzen diese schnelle Bezahlmöglichkeit 58 Prozent. Wenn kontaktloses Bezahlen überall möglich wäre, würde es von 57 Prozent aller Befragten genutzt. Von den unter 29-Jährigen würden es sogar 80 Prozent verwenden, heißt es in der Studie.

Nur fünf Prozent zahlen mit ihrem Smartphone

Per Smartphone zahlen dagegen bisher nur fünf Prozent der Verbraucher, die Mehrheit dagegen noch nicht. Ein Grund der Zurückhaltung liegt offenbar darin, dass viele das neue NFC-Verfahren noch nicht zur Verfügung steht.

„Durch die Digitalisierung erweitern sich auch die Bezahlmöglichkeiten für unsere Kunden stetig. Digitales Bezahlen wird bequemer und schneller - und es wird vor allem von jüngeren Menschen bevorzugt genutzt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands Andreas Krautscheid. Allerdings seien die Deutschen immer noch Bargeld-Liebhaber. „Solange unsere Kunden Bargeld wünschen werden sie Bargeld von ihren Banken bekommen.“

Die Cent-Münzen könnten bald verschwinden
Die Cent-Münzen könnten bald verschwinden

Die meisten haben zwischen 50 und 100 Euro Bargeld in der Tasche

Ohne Bargeld verlässt laut Umfrage kaum jemand das Haus. Gut jeder Zweite (56 Prozent) hat bis zu 50 Euro in der Tasche. 22 Prozent haben bis zu 100 Euro dabei, sieben Prozent bis zu 300 Euro und eine kleine Minderheit von drei Prozent mehr als 300 Euro. Allerdings haben die Männer im Schnitt mit 135 Euro etwas mehr Geld im Portemonnaie als Frauen mit 76 Euro.

Die Mehrheit (71 Prozent) zieht sich ihr Bargeld in der Regel am Automaten. Nur noch ein Viertel geht zum Bankschalter. Beliebt sind unterdessen Discounter und Supermärkte als neue Geld-Abgabestellen: Fünf Prozent der Verbraucher versorgen sich an den Kassen beim Einkauf mit Barem. Die meisten (59 Prozent) heben dabei bis zu 200 Euro ab. Je älter, desto höhere Beträge werden abgehoben.

Gut 50 Prozent nutzen Online-Banking – auch auf dem Smartphone

Einen rasanten Zulauf hat das Online-Banking gefunden: Vor 20 Jahren nutzten es gerade mal acht Prozent, heute sind es gut 50 Prozent der Bundesbürger. Die Nutzung steigt mit der Schulbildung und dem Einkommen: Je besser die Ausbildung und je höher das Einkommen, desto eher wird das Konto online geführt.

Dabei wickeln immer mehr Bürger ihre Bankgeschäfte auf dem Smartphone ab – und zwar 37 Prozent, während es im Vorjahr nur 25 Prozent waren. Am heimischen Computer oder Notebook erledigen 62 Prozent ihre Überweisungen, nach zuvor 75 Prozent.

Trotz Niedrigzinsphase: 62 Prozent wollen ihr Sparverhalten nicht ändern

In ihrem Sparverhalten geraten die Deutschen angesichts der andauernden Niedrigzinsphase langsam in Bewegung: Nur noch 62 Prozent wollen ihr Sparverhalten nicht ändern – im Jahr 2016 sagten dies noch 70 Prozent. Gleichzeitig sparen 27 Prozent der Befragten jetzt weniger, weil sich dies einfach nicht mehr lohne. Dabei gibt es trotz Niedrigzinsen Alternativen.

Denn das Gesparte kann angelegt werden – zum Beispiel in ETF. Was Sparer über die Indexfonds wissen sollten. Auch auf manchen Konten gibt es immerhin noch ein bisschen Zinsen: Wo sich Tages- und Festgeld für Sparer noch lohnen. Und wer schon ein kleines Vermögen auf der hohen Kante hat: Geldanlage 2020: So machen Sie aus 50.000 Euro noch mehr.

Dass man Geld fürs Sparen übrig hat, hängt nicht zuletzt aber auch davon ab, ob man nicht schon Geld für Kontogebühren oder Negativzinsen zahlt. Immer mehr Banken fahren ihr kostenloses Girokonto zurück oder aber verlangen Negativzinsen für Spareinlagen. Zuletzt verteuerte die Direktbank ING ihre Girokonto und führte Kontogebühren ein.