Start-up

"Get your Guide": Dosenzerquetscher trifft digitale Zukunft

Wirtschaftsminister Peter Altmaier besuchte das Berliner Start-up „Get your Guide“. Der Firmengründer beklagt den Fachkräftemangel.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) überraschte die Zuhörer im alten Umspannwerk Ampere in Prenzlauer Berg mit einem Bekenntnis: Er könne eine Getränkedose problemlos mit der bloßen Hand zerquetschen. Vor 40 Jahren, als er das beim österreichischen Schauspieler Arnold Schwarzenegger in einem Film gesehen habe, habe er das noch nicht geschafft.

Altmaier wollte damit auf die bereits erzielten Fortschritte im Umweltschutz hinweisen. Eine heutige Getränkedose bestehe nur noch aus 15 Prozent so viel Metall wie vor 15 Jahren. Immerhin hier sei schon etwas erreicht, zeigte sich der Wirtschaftsminister optimistisch. Altmaier besuchte an diesem Montagnachmittag das aufstrebende Berliner Unternehmen „Get your Guide“, das weltweit Ausflüge an Urlaubsorten vermittelt. Das Unternehmen wächst rasant, derzeit arbeiten etwa 700 Mitarbeiter für das Unternehmen, 600 davon in der neuen Firmenzentrale im Umspannwerk.

„Get your Guide“ sucht dringend Fachkräfte

Firmengründer Johannes Reck hatte Altmaier eingeladen, um mit ihm und seinen Mitarbeitern darüber zu sprechen, wie vorbereitet Deutschland auf die Digitalisierung ist und was sich ändern muss, damit Deutschland nicht den Anschluss verpasst. Schon kurz nach Altmaiers Eingangsschwank kommt Reck auf eines seiner Lieblingsthemen zu sprechen. Für Unternehmen wie „Get your Guide“ sei es immer schwieriger Fachpersonal zu finden. 30 Mitarbeiter sind allein damit beschäftigt, Fachkräfte aus der ganzen Welt zu rekrutieren, sagte Reck. Inzwischen stammen 86 Prozent der 600 Berliner Mitarbeiter nicht aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt.

Um schneller wachsen zu können, wäre es wünschenswert, wenn das Unternehmen an die Mitarbeiter Anteile abgeben könnte, fordert Reck. So könnte er als junger Arbeitgeber die geringeren Gehälter des Start-ups mit Anteilen ausgleichen. Während das in anderen Ländern möglich ist, gibt es so etwas in Deutschland nicht.

Deutschland hat einen Zukunftsfonds für Digitales aufgelegt

Altmaier will sich da nicht festlegen. Für derart detaillierte Fragen hat er seinen Beauftragten für die digitale Wirtschaft mitgebracht, Thomas Jarzombek. Es gebe eine Arbeitsgruppe dazu, steuerliche Fragen sprächen derzeit noch dagegen, sagte Jarzombek, zum Bedauern der Get-your-Guide-Mitarbeiter.

Insgesamt sieht Altmaier Deutschland auf einem guten Weg in die digitale Zukunft. die Bundesregierung habe gerade erst einen Zukunftsfonds mit zehn Milliarden Euro gegründet, um sich im internationalen Wettbewerb um digitale Neuerungen zu behaupten.

Get your Guide wurde vor elf Jahren in Zürich gegründet

Ausdrücklich lobte er seinen Gastgeber dafür, sich für Berlin als Hauptsitz entschieden habe. „Unsere Stärken sind die Demokratie und die sozialen Standards“, sagte Altmaier. Das sei anderswo nicht in gleichem Maß gegeben - auch wenn das Wetter dort besser sei.

Johannes Reck hat Get your Guide vor elf Jahren zusammen mit seinem Studienfreund Tao Tao in Zürich gegründet. Seitdem hat das Unternehmen viel Geld von Risikokapitalgebern eingesammelt. Zuletzt hatten mehrere Geldgeber insgesamt 650 Millionen Dollar Wagniskapital zur Verfügung gestellt. Get your Guide strebe in den nächsten Jahren den Gang an die Börse an, auch um den Gesellschaftern die Möglichkeit zum Verkauf ihrer Anteile zu geben. Mittlerweile hat die Firma 17 Standorte weltweit.

Das Unternehmen vermittelt online Urlaubsausflüge aller Art - von der E-Bike-Tour bis zum Bootsausflug. Die internationalen Geldgeber sehen ein großes Potenzial in der Geschäftsidee - und hoffen so auf reichhaltige Rendite für ihre Investition, wenn das Unternehmen erst einmal schwarze Zahlen schreibe. Das sieht auch Peter Altmaier so. Get your Guide sei ein herausragendes Beispiel für ein erfolgreiches Start-up in Berlin. „Davon brauchen wir noch deutlich mehr“, sagte Altmaier.