Studie

Berliner Start-ups erhalten Rekordsumme

Investoren stellten Jung-Unternehmen 2019 rund 3,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Die FDP sieht dennoch Potenzial für Verbesserungen.

Berliner Start-ups sammelten im vergangenen Jahr so viel Geld von Investoren ein wie nie zuvor.

Berliner Start-ups sammelten im vergangenen Jahr so viel Geld von Investoren ein wie nie zuvor.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berliner Start-ups haben auch im vergangenen Jahr bundesweit das meiste Kapital von Investoren eingesammelt. 3,7 Milliarden Euro flossen in junge Digitalunternehmen in der Hauptstadt, wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. Das waren 41 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Bundesländervergleich folgt Bayern an zweiter Stelle mit 1,5 Milliarden Euro.

Insgesamt sammelten deutsche Start-ups mit 6,2 Milliarden Euro so viel Kapital von Investoren ein wie nie zuvor und gelangten an üppige Summen für Geschäftsideen wie Mobilitätsdienste, Softwarelösungen und Finanz-Apps. Vor allem internationale Investoren steckten nach der Studie viel Geld in hiesige Start-ups.

Die bundesweite Finanzierungssumme stieg damit um 36 Prozent über den bisherigen Höchststand aus dem Vorjahr (4,6 Milliarden). Auch die Zahl der Finanzierungsrunden stieg kräftig um 13 Prozent auf 704, davon 262 in Berlin (Vorjahr: 245) „Der Finanzierungsboom hält unvermindert an“, sagte Hubert Barth, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung in Deutschland. „Es ist sehr viel Liquidität im Markt – mit weiter stark steigender Tendenz.“

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Start-ups in Berlin: Das meiste Geld floss in die Firma Flixmobility

2019 habe es 13 Deals mit über 100 Millionen Euro gegeben, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Am meisten Geld floss demnach in die Münchner Firma Flixmobility, die für ihre Fernbusse bekannt ist und ein starkes Standbein in Berlin hat. Es folgen das Reise-Start-up GetYourGuide, die Gebrauchtwagenplattform Frontier Car Group und die Smartphone-Bank N26 – allesamt Unternehmen mit Sitz in Berlin.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sieht die Rekordsumme für Berliner Start-ups vor allem als Zeichen für die Attraktivität des Standorts. „Das Vertrauen in unseren Wirtschaftsstandort ist ungebrochen, trotz aller Versuche des Schlechtredens. Die Berliner Digitalwirtschaft ist inzwischen ein Jobmotor für unsere Stadt, sie sorgt zunehmend für Arbeitsplätze“, sagte Pop am Dienstag. Als Land biete man nicht nur ein einzigartiges Start-up-Ökosystem, sondern setze auch die richtigen Rahmenbedingungen aus Impulsen mit vielfältigen Fördermöglichkeiten, so Pop.

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FDP: Attraktivität Berlins müsse für Start-ups verbessert werden

Die Opposition sieht das anders. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Florian Swyter, erklärte, gerade für Start-ups müsse die Attraktivität Berlins weiter verbessert werden. „Konkret bedeutet dies, dass die Wirtschaftssenatorin sich schnellstens für den Erhalt und Ausweisung von Gewerbeflächen, für Entbürokratisierung und Digitalisierung der Verwaltung und für einen vernünftigen Breitband/5G-Ausbau einsetzen muss“, sagte er.

Abseits Berlins und Bayerns bleiben die Bundesländer eher ein steiniges Pflaster für Gründer. Und wenn Gründer Kapital brauchen, kommen sie zwar schnell an kleine Summen. Doch dann wird es dünn. „Hierzulande gibt es kaum Adressen, die Finanzierungen über 50 Millionen Euro anbieten“, sagt Peter Barkow, Gründer des Analysehauses Barkow Consulting. Dazu zählen die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet und Konzerne wie Allianz. „Die großen Tickets kommen fast immer aus dem Ausland, vor allem den USA.“

„Finanzstarke und überwiegend international tätige Investoren aus den USA, Großbritannien sowie Asien sind insbesondere an sehr großen Transaktionen interessiert“, erklärt EY-Partner Peter Lennartz. Das liege auch daran, dass Start-ups in Europa niedriger bewertet seien als im Silicon Valley und der Einstieg entsprechend günstiger.

Zwar seien auch deutsche Risikokapitalgeber aktiv: „Um die ersten, kleineren Runden von überwiegend deutschen Kapitalgebern finanziert zu bekommen, müssen junge Firmen von Anfang an ein Geschäftsmodell betreiben, das potenziell auch international erfolgreich sein kann." Dann gehe es mit großen Runden bei ausländischen Investoren weiter.

Risikokapital stammt vor allem aus dem Ausland

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Sie will die Gründerkultur mit staatlich unterstützten Wagniskapitalfonds vorantreiben. Eine neue Plattform für Gründer soll zudem Beratung und Vernetzung fördern. „Die Investorenszene für die Frühphase hat sich erfreulich gut entwickelt“, meint Carsten Rudolph, Geschäftsführer der Förderagentur BayStartup in München. Die ersten ein, zwei Millionen seien kein Problem. „Schwierig wird es ab zehn Millionen Euro aufwärts, wenn es für ein Start-up darum geht, die Welt zu erobern.“

Das zeigt sich auch bei den größten Deals 2019: Bei der Finanzierungsrunde von Flixmobility über rund 500 Millionen Euro stiegen die angelsächsischen Investoren TCV und Permira neu ein. Die Reiseplattform GetyourGuide erhielt 428 Millionen Euro von einem Konsortium um den japanischen Medienkonzern Softbank, Singapurs Staatsfonds Temasek und ausländischen Beteiligungsfonds. Und die Smartphone-Bank N26, in die auch die Allianz investiert hat, bekam 261 Millionen von dem Investmentfonds GIC aus Singapur und dem US-Wagniskapitalfonds Insight Venture Partners.