Klimaaktivistin

Luisa Neubauer lehnt Siemens-Posten ab – und macht Vorschlag

Der Konzern hatte der Hamburger Aktivistin von Fridays for Future einen Platz im Aufsichtsrat angeboten. Sie hat eine bessere Idee.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future hat das Angebot von Siemens-Chef Joe Kaeser abgelehnt.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future hat das Angebot von Siemens-Chef Joe Kaeser abgelehnt.

Foto: Soeren Stache / dpa

Hamburg/Berlin. Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer will den angebotenen Sitz im Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy nicht haben – hat für Siemens-Chef Joe Kaeser aber einen anderen Vorschlag.

"Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können, habe aber Siemens darum gebeten, das Angebot an einen Vertreter oder Vertreterin der Scientists For Future weiterzugeben", sagte Neubauer. "Wenn der Firma ernsthaft an Klimaschutz und Fridays For Future gelegen ist, wird sie meine Entscheidung respektieren." Bei Scientists for Future sind Wissenschaftler organisiert, die die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future unterstützen.

Luisa Neubauer: "Nicht mit Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren"

Sie kenne das Aktienrecht, erklärte Neubauer ihre Entscheidung. "Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren. Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren." Sie sei dem Paris Klimaabkommen und dem 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet. "Am Beispiel Joe Kaeser sieht man diese Tage, dass diese unabhängige Rolle dringend gebraucht wird."

Derweil das Hamburger AfD-Landesvorstandsmitglied Krzysztof Walczak Siemens-Chef Joe Kaeser als „linksradikalen Gesinnungsterroristen“ bezeichnet, da dieser Neubauer den Posten angeboten habe.

Siemens entscheidet über Kohlebergwerk in Australien

Siemens will bis Montag über die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien entscheiden. Die Adani Group mit Hauptsitz in Indien will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Neben dem Klimaaspekt geht es dabei auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

Kaeser hatte Neubauer am Freitag bei einem Gespräch über das umstrittene Projekt einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens angeboten.