Diskussion um Mindestlohn

IG Bau warnt vor Niedriglöhnen in Berlin

Die Gewerkschaft fordert Firmen in Berlin auf, den Schlichterspruch anzunehmen. Sonst drohe Mitarbeitern der gesetzliche Mindestlohn.

Die Gewerkschaft IG Bau befürchtet Niedriglöhne auf dem Bau sollten die Arbeitgeber dem neuen Mindestlohn nicht zustimmen.

Die Gewerkschaft IG Bau befürchtet Niedriglöhne auf dem Bau sollten die Arbeitgeber dem neuen Mindestlohn nicht zustimmen.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin. Die Industriegewerkschaft Bau (IG Bau) erhöht den Druck auf die Arbeitgeber, den jüngsten Schlichterspruch zu höheren Mindestlöhnen auf dem Bau anzunehmen. „Passiert das nicht, droht dem Bau in Berlin schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze. Jetzt hängt alles am seidenen Faden der Arbeitgeber“, sagte der Vorsitzende der IG BAU Berlin, Christian Stephan. Es stehe viel auf dem Spiel, so Stephan weiter. Nämlich der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung. In Berlin wären viele der rund 26.700 Bauarbeiter betroffen, sollte die Arbeitgeber nicht zustimmen. Die Beschäftigten würden dann auf den gesetzlichen Mindestlohn zurückfallen.

Die Gewerkschaft hatte den ausgehandelten Schlichterspruch für die Baubranche bereits in dieser Woche akzeptiert. Die Arbeitgeber haben noch bis zum kommenden Freitag Zeit, ihre Zustimmung zu der neuen Lohnuntergrenze zu geben. Der Schlichterspruch sieht vor, dass der Mindestlohn in der Berliner Baubranche künftig bei 12,55 Euro für Hilfsarbeiter und bei 15,25 Euro für Facharbeiter liegt. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit 1. Januar 9,35 Euro pro Stunde.

Gewerkschaft befürchtet Folgen für Beschäftigungsentwicklung

Würde die staatliche vorgeschriebene Lohnuntergrenze künftig auch in der Baubranche gelten, befürchtet die IG Bau Berlin verheerende Folgen für die Beschäftigungsentwicklung. „Selbst Facharbeiter würden dann abwandern. Vom Niedriglohn-Image der Baubranche und ihrem fehlenden Nachwuchs ganz zu schweigen“, sagte Berlins IG-Bau-Chef Christian Stephan. Gerade jungen Menschen müsse das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man etwas Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne, so Stephan.

In Berlin wollten sich sowohl die Fachgemeinschaft Bau als auch der für das Bundesland zuständige Bauindustrieverband Ost nicht äußern. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Ost, erklärte gegenüber der Berliner Morgenpost lediglich: „Unsere Gremien sind dabei, sich das Ergebnis anzusehen und darüber zu beraten, wie mit dem Schlichterspruch umgegangen wird.“ Unter den Berliner Bauunternehmen ist man über den Vorstoß der Gewerkschaft allerdings nicht verwundert. Es gehe lediglich darum, den Druck vor der nahenden Frist am nächsten Freitag zu erhöhen, hieß es.

Branche in Berlin geht von steigenden Umsätzen aus

Die IG Bau bezeichnete den ausgehandelten Tariflohn als „fair“. Gewerkschafter Stephan sagte, ihm gehe es auch um fairen Wettbewerb und Qualität. Würden die Arbeitgeber den Mindestlohn nicht akzeptieren, drohe der Baubranche ein regelrechter Preiskampf. Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer etwa liege in Berlin derzeit bei 20,63 Euro. „Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von über 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten“, sagte Stephan. Das würde der Bau nicht verkraften.

Die Branche selbst rechnet in Berlin für dieses Jahr trotz des von der Bauwirtschaft scharf kritisierten Mietendeckels mit steigenden Umsätzen. 60 Prozent der befragten Firmen in der Bundeshauptstadt gehen für 2020 von steigenden Erträgen aus, ergab eine Mitgliederumfrage des Bauindustrieverbands. 40 Prozent der Betriebe gehen zudem davon aus, weiter Mitarbeiter einstellen zu können. Man dürfe aber die Diskussion um den Mietendeckel oder die Novellierung des Vergabegesetzes nicht wegwischen, hatte Verbandschef Momberg zuletzt gewarnt. „All das wirkt sich kontraproduktiv auf öffentliche Baumaßnahmen aus“, so Momberg weiter.