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Österreich: Nachtzüge fahren mit mehr Passagieren und Gewinn

Vor drei Jahren verkaufte die Deutsche Bahn ihre Nachtzüge an die Österreichische Bundesbahnen. Die machen damit ein gutes Geschäft.

In Österreich schreiben die Nachtzüge „Nightjet“ schwarze Zahlen.

In Österreich schreiben die Nachtzüge „Nightjet“ schwarze Zahlen.

Foto: jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVIC / FUNKE Foto Service

Wien/Berlin. Unter der Deutschen Bahn waren Nachtzüge unrentabel, wenig genutzt und trotzdem teuer. Daher entschied sich die Bahn vor drei Jahren, die teuren Züge abzustoßen.

Wie man aus den Nachtzügen ein funktionierendes Geschäftsmodell macht, zeigen nun die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die 2016 die Nachtzugsparte erwarben: In diesem Jahr verzeichneten die „Nightjets“ 11 Prozent mehr Fahrgäste, auf einzelnen Strecken konnten bis zu 20 Prozent mehr Reisende transportiert werden. Das Ergebnis: schwarze Zahlen.

„Der Plan ist aufgegangen“, sagte der ÖBB-Chef Andreas Matthä der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Derzeit würden mit anderen Bahngesellschaften in Europa neue Destinationen verhandelt.

Nachtzüge: Bahn verkaufte sie erst, jetzt verhandelt sie

Unter den Gesprächspartnern sei auch die Deutschen Bahn, sagte Matthä der „Wirtschaftswoche“: „Wir diskutieren derzeit unterschiedliche Kooperationsmodelle. Wir könnten stärker beim Ticketvertrieb zusammenarbeiten oder Nachtzüge gemeinsam betreiben. Wir könnten auch über eine gesellschaftliche Verschränkung nachdenken, um gemeinsam die Expansion der Nachtzüge in Europa voranzutreiben.“

Das Nachtzuggeschäft sei zwar eine Nische, mit dem man „nicht reich“ werde, aber: „Unterm Strich ist das Geschäft leicht schwarz.“

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Deutsche Bahn plant kein Nachtzugangebot

Die Deutsche Bahn war mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 aus dem für sie defizitären Nachtzuggeschäft ausgestiegen, die Österreicher haben 40 Prozent der Zuglinien übernommen.

„Wir glauben, dass wir unser Nachtzuggeschäft effizienter organisieren. Bei unseren Nachtzügen verbinden wir auf Teilstrecken mehrere Linien. Zusätzlich bieten wir auf einigen Relationen auch Autotransportwagen an. Wir haben damit einen Weg gefunden, wie wir günstiger produzieren als die Deutsche Bahn damals“, sagte Matthä der „Wirtschaftswoche“.

Wird die Bahn nun umschwenken und doch wieder auf Nachtzüge setzen? Danach sieht es nicht aus. Laut Bahn sei ein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen derzeit nicht geplant. Laut eines Bahnsprechers werde stattdessen das Netz an Intercity- und ICE-Zügen weiter ausgebaut. Diese seien auch über Nacht mit Sitzwagen unterwegs. Mit dem Winterfahrplan kommen weitere Änderungen auf Bahn-Kunden zu.

(dpa/tki)