Bekleidungskette

Bis zu 100 Filialen auf Prüfstand – Kahlschlag bei C&A?

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Klay
Leuchtreklame des Bekleidungsunternehmens "C&A" am Eingang einer dazugehörigen Filiale in Magdeburg, aufgenommen am 14.02.2012. Foto: Jens Wolf [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Leuchtreklame des Bekleidungsunternehmens "C&A" am Eingang einer dazugehörigen Filiale in Magdeburg, aufgenommen am 14.02.2012. Foto: Jens Wolf [ Rechtehinweis: (c) dpa ]

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Wolf / picture alliance / ZB

Bei C&A stehen angeblich bis zu 100 Filialen in Deutschland auf dem Prüfstand. Das Unternehmen spricht von „reiner Spekulation“.

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Berlin. In kaum einer Fußgängerzone in den größeren Städten Deutschlands fehlt eine Filiale des Textilhändlers C&A. Das könnte sich in den nächsten Jahren womöglich ändern. Angeblich stehen der Kette jetzt harte Einschnitte bevor, über die das „Manager Magazin“ berichtet. Demnach will die Textilkette ihr Filialnetz massiv verkleinern und allein in Deutschland rund 100 der insgesamt 450 Filialen schließen.

Dieser Schritt sei Teil des Restrukturierungsprogramms „Turnaround Germany“. Es soll C&A auf seinem wichtigsten Markt wieder auf Kurs bringen. Im Bericht des „Manager Magazins“ heißt es dazu, der Konzern verhandele zurzeit mit Vermietern der Filialen. Dabei fordere das Unternehmen hohe Nachlässe.

Willigen die Vermieter nicht in die gewünschten Zugeständnisse ein, oder rechne sich der jeweilige Standort ohnehin nicht mehr, ziehe der Textilhändler aus. Wie viele Läden innerhalb der nächsten drei Jahre verschwinden werden, stehe daher noch nicht endgültig fest, schreibt das Magazin.

C&A will offenbar Filialen schließen: Das sagt das Unternehmen

Ein Sprecher von C&A erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, die „in den Medien genannten Zahlen möglicher Filialschließungen über die nächsten Jahre sind reine Spekulation.“ Die Kette überprüfe ständig ihr Filialnetz und entscheide „auf der Basis von standortabhängigen Marktanalysen über Standortschließungen sowie Modernisierungen und Neueröffnungen.“

Die Textilkette bestätigt jedoch Schließungen von vier Filialen in Dessau, Rottenburg, Witten und Stadthagen.

C&A steht unter wirtschaftlichem Druck

Der 1841 gegründete Handelskonzern musste in den vergangenen Jahren gleich mehrere Rückschläge hinnehmen. Zum einen drängen Unternehmen wie Primark und Zara immer stärker auf den Markt, die C&A bei den Preisen von unten und oben angreifen. Zum anderen stieg die Kette in den Onlinehandel – wie viele andere bedeutende traditionelle Filialisten auch – erst spät im großen Stil ein. Das ließ den Umsatz, den die Kette in Deutschland erzielt, über die Jahre spürbar sinken.

Zuletzt hatte sich das Geschäft des Textilhändlers in Deutschland wieder stabilisiert. Aus dem jüngsten Geschäftsbericht des Düsseldorfer Konzerns für das Jahr 2017/18 (Stichtag 28. Februar) geht ein Umsatzanstieg um knapp 60 Millionen Euro auf 2,33 Milliarden Euro hervor. Neuere Zahlen hat das traditionell verschwiegene Familienunternehmen noch nicht veröffentlicht.

C&A betreibt europaweit mehr als 1400 Läden

Unterm Strich blieb C&A ein Gewinn von immerhin 84 Millionen Euro. Im Vorjahr stand noch ein Verlust von 45 Millionen Euro in den Büchern. Der Umsatz im Online-Handel legte in Deutschland um knapp zehn Millionen auf 88 Millionen Euro zu. Europaweit betreibt die Kette nach eigenen Angaben mehr 1400 Läden.

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Erst im März kam es zum jüngsten Wechsel an der Spitze des Bekleidungsgiganten. Der langjährige Rewe-Chef Alain Caparros, der bei C&A erst im August 2017 die Führung des Europa-Geschäfts übernommen hatte, räumte nach einem Herzinfarkt seinen Posten aus gesundheitlichen Gründen. Er war der erste familienfremde Manager, dem der Unternehmerclan Brenninkmeijer solch eine Spitzenposition anvertraut hatte.

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Alain Caparros hatte bei C&A gewagten Modernisierungskurs eingeschlagen

Caparros hatte zuvor einen gewagten Modernisierungskurs eingeschlagen. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ sprach er von einer „Operation am offenen Herzen“, C&A habe gegen ein verblassendes Image ankämpfen müssen. Caparros holte Fremdmarken wie Mustang-Jeans und die Einrichtungskette „Butlers“ ins Haus – zudem verkaufte der Textilhändler zwischenzeitlich auch Bobbycars und Bratpfannen.

Martijn Brenninkmeijer, Chef der übergeordneten Cofra-Holding, gab Caparros zum Abschied mit auf den Weg: „Er hat C&A in die richtige Richtung gelenkt, und das in einer Zeit mit vielen Herausforderungen im Einzelhandelssektor.“ Sein Nachfolger Edward Brenninkmeijer soll an der Strategie des umtriebigen Managers Medienberichten zufolge bereits Korrekturen vorgenommen haben.

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