Insolvenz

Thomas Cook: Versicherer zahlt nur Sechstel – Bund übernimmt

Der Versicherer kann Thomas-Cook-Kunden nach der Pleite nur einen Teil der Kosten zahlen. Die Regierung will für den Rest aufkommen.

Thomas Cook sagt gebuchte Reisen ab – das muss man wissen
Beschreibung anzeigen

Berlin/Frankfurt am Main. Der Versicherer Zurich wird Pauschalreise-Kunden des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook nur rund ein Sechstel der Kosten erstatten. Mit 287,4 Millionen Euro liegt die Schadenssumme nach vorläufigen Berechnungen deutlich über der versicherten Summe von 110 Millionen Euro, wie der Versicherer am Mittwoch mitteilte.

Knapp 60 Millionen Euro habe die Heimholung der 140.000 Urlauber Ende September gekostet, so das Unternehmen. Der Rest entfiel auf Anzahlungen, die Kunden auf Reisen geleistet hatten, die wegen der Insolvenz ausgefallen sind. Von diesen Beträgen bekommen die verhinderten Touristen aber nur 17,5 Prozent von Zurich erstattet, weil die verpflichtende Absicherung auf 110 Millionen Euro pro Jahr gedeckelt ist.

Die Bundesregierung hatte bereits am Mittwoch angekündigt, für die fehlende Summe aufzukommen. „Schäden, die nicht von anderer Seite ausgeglichen werden, wird der Bund ersetzen“, teilte die Bundesregierung mit.

Thomas-Cook-Pleite – Das Wichtigste in Kürze:

  • Das britische Reiseunternehmen Thomas Cook hatte Ende September Insolvenz angemeldet
  • Trotz Rettungsversuch steht auch für die deutsche Tochter seit November das Aus fest
  • Alle Reisen für 2020 wurden abgesagt
  • Die Haftungssumme der Zurich Versicherung reicht nicht aus, um Kunden den Schaden zu erstatten
  • Nun springt die Bundesregierung ein

Thomas-Cook-Pleite: Bundesregierung will wohl Klage zuvorkommen

„Es ist den Kundinnen und Kunden nicht zumutbar, dass sie jeweils auf sich gestellt für die Klärung der komplexen offenen Rechtsfragen sorgen müssen“, hieß es in der Mitteilung der Regierung weiter. Dadurch sollen Tausende Klageverfahren und langjährige Rechtsstreitigkeiten vermieden werden.

Der Bundesregierung drohten bereits Klagen wegen der Thomas-Cook-Pleite. Hintergrund: Die EU hat 2015 eine Richtlinie für den Schutz von Pauschalreisenden in solchen Insolvenz-Fällen beschlossen. Vorgabe war, dass alle geleisteten Zahlungen im Falle einer Insolvenz oder eines Ausfalls der Reise erstattet werden.

Deutschland setzte die EU-Regel 2018 um – doch die Bundesregierung hatte die Versicherungshaftung je Insolvenzfall auf die Obergrenze von 110 Millionen Euro begrenzt. Dies reicht bei großen Konzernen – wie sich jetzt bei Thomas Cook zeigt – bei weitem nicht aus.

Nach Angaben der Zurich Versicherung waren bereits bis 1. November etwa 150.000 Schadenmeldungen eingegangen – im Volumen von mehr als 250 Millionen Euro. Hinzu kämen die Kosten für die Rückholung von Urlaubern, die zum Zeitpunkt der Insolvenz mit der deutschen Thomas Cook unterwegs waren. Auch im November waren noch Zehntausende weitere Schadensmeldungen eingegangen.

Thomas Cook meldete im September Insolvenz an – Hunderttausende betroffen

Das britische Reiseunternehmen Thomas Cook und dessen deutsche Tochter hatten Ende September Insolvenz angemeldet. Nachdem zunächst versucht worden war, die deutsche Thomas-Cook-Tochter zu retten, stand Ende November das endgültige Aus für den Reiseveranstalter auch hierzulande fest.

Inzwischen sind auch alle ab 1. Januar 2020 geplanten Reisen abgesagt. In Deutschland sind Pauschalreisen der Veranstaltermarken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin betroffen, aber auch über Thomas Cook International gebuchte Trips.

Hintergrund: Reiseverbandschef will Pauschaltouristen besser absichern

Wie viele Urlauber davon betroffen waren, teilte das Unternehmen nicht mit. Für den Zeitraum seit dem Insolvenzantrag im September 2019 bis September 2020 gab es früheren Angaben zufolge insgesamt etwa 660.000 Buchungen.

(moi/mit dpa)