Wirtschaft

Berliner Wirtschaft wächst weiter

Die Berliner Wirtschaft wächst auch im dritten Quartal. Doch Firmen beklagen den Kurs der Politik.

Ein Großteil der Branchen in Berlin kann zufrieden mit den Geschäften in den ersten neun Monaten dieses Jahres sein. Im Einzelhandel legten die Umsätze um 2,5 Prozent zu.

Ein Großteil der Branchen in Berlin kann zufrieden mit den Geschäften in den ersten neun Monaten dieses Jahres sein. Im Einzelhandel legten die Umsätze um 2,5 Prozent zu.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Die Berliner Wirtschaft ist auch im dritten Quartal dieses Jahres gewachsen. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten Konjunkturbericht der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hervor. Demnach können die meisten Wirtschaftszweige in der deutschen Hauptstadt zufrieden mit den Geschäften in den ersten neun Monaten sein: Im Industriesektor stiegen die Umsätze trotz des unsicheren globalen Umfelds um 3,9 Prozent, im Einzelhandel um 2,5 Prozent. Auch in den tourismusnahen Geschäftsfeldern konnten die Unternehmen Wachstum verzeichnen: Wegen zunehmender Tourismuszahlen konnten Hotels und Herbergen ihre Umsätze um 3,6 Prozent steigern. In der Gastronomie legten die Erlöse im ersten Halbjahr um 2,4 Prozent zu.

Einzig im Bau stagnierten die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Auftragseingänge gingen bezogen auf Betriebe mit mindestens 20 Beschäftigten um 8,5 Prozent zurück. „Allerdings sind Basiseffekte in Form sehr hoher Vorjahreswerte zu berücksichtigen, womit weitere Steigerungsraten nun insgesamt schwerer zu erreichen sind“, heißt es in dem Bericht.

Wirtschaftswachstum von zwei Prozent erwartet

Die wirtschaftliche Entwicklung Berlins falle ungeachtet der konjunkturellen Risiken weiterhin günstig aus, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) mit Blick auf die neuen Zahlen. „Ich rechne für das Jahr 2019 mit einem Wachstum von etwa zwei Prozent. Damit liegen wir das sechste Jahr in Folge über dem Bundesdurchschnitt. Für die mittel- und langfristig erfolgreiche Entwicklung wollen wir vor allem die ökologische Modernisierung der Wirtschaft und die Positionierung Berlins als Standort für innovative Industrie voran treiben“, erklärte Pop. Als „wichtige Signale für die wirtschaftliche Zukunft Berlins“ bezeichnete die Politikerin etwa die Siemensstadt 2.0, die Entscheidung von Tesla für die Hauptstadtregion, aber auch die zahlreichen innovativen Start-ups.

Kritik gab es von der Opposition. Die aktuellen Wirtschaftsdaten seien eine positive Momentaufnahme, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Florian Swyter. „Leider glaubt die Linkskoalition offenbar, dass die Berliner Konjunktur ein Selbstläufer sei, für die es keiner weiteren Anstrengungen bedarf. Tatsächlich stehen wir vor unsicheren Zeiten. Dies zeigt sich bereits beim stark gebremsten Wachstum des Bauhauptgewerbes“, sagte Swyter.

Mietendeckel verunsichert die Wirtschaft

Das gebremste Wachstum der Baubranche sei in Anbetracht des Wohnungsbedarfs in Berlin überraschend und belege in erschreckender Weise die Untätigkeit des Senats, so der FDP-Politiker. „Statt für schnelleres Bauen zu sorgen, verunsichert dieser Senat mit seinem ökonomisch unsinnigen Mietendeckel die Bauindustrie und das Handwerk“, kritisierte Swyter.

Auch die Industrie- und Handelskammer hatte zuletzt immer wieder den Senat kritisiert. Laut einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen der Kammer betrachteten zuletzt fast 70 Prozent der Firmen in Berlin die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der rot-rot-grünen Koalition als größtes Risiko für ihre weitere unternehmerische Entwicklung. Vor allem den vom Senat beschlossenen Mietendeckel hatten Firmen stark kritisiert.