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Das sind die Pläne des künftigen ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow

Der künftige ARD-Vorsitzende Buhrow will bei den Gemeinschaftseinrichtungen des Senderverbundes sparen. Einige davon sollen umziehen.

Tom Buhrow.

Tom Buhrow.

Foto: Bernd Lauter / imago/CoverSpot

Hamburg. Noch ist WDR-Intendant Tom Buhrow nicht ARD-Vorsitzender. Seine Amtszeit beginnt erst am 1. Januar. Doch schon jetzt treibt der 61-Jährige Pläne voran, mit denen er im neuen Amt Akzente setzen will.

So erhielten die ARD-Intendanten und das ARD-Generalsekretariat Ende Oktober ein Schreiben Buhrows, in dem sich der WDR-Mann kritisch mit den sogenannten ARD-Gemeinschaftssendungen, -einrichtungen und -aufgaben (GSEA) auseinandersetzt. Zu ihnen gehören so unterschiedliche Institutionen wie ARD-aktuell, wo „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ produziert werden, der Beitragsservice, die frühere GEZ, die für den Gebühreneinzug zuständig ist, oder aber die ARD-Filmeinkaufsorganisation Degeto. Insgesamt gibt es etwa 50 verschiedene GSEA.

Buhrow will die GSEA umbauen, auch um zu sparen: „Die Entscheidung für etwas Neues muss dabei aber auch mit dem Weglassen bisheriger Aufgaben einhergehen“, schreibt er. „Ein Grundsatz, der insbesondere in Zeiten knapper werdender Mittel gilt und eine Grundvoraussetzung ist, um den dringenden digitalen Wandel in der ARD mit voller Kraft anzugehen.“

Gemeinschaftseinrichtungen der ARD sollen nach Osten ziehen

Doch Buhrow verfolgt noch ein weiteres Ziel: „Dazu kommt eine von der Politik angestoßene Diskussion über die zu geringe Ansiedlung von Gemeinschaftseinrichtungen in den neuen Bundesländern“, heißt es in dem Schreiben.

Tatsächlich verantwortet die Drei-Länder-Anstalt MDR nur eine einzige GSEA, den in Erfurt angesiedelten KiKa, während der kleine Hessische Rundfunk auf zwölf solcher Einrichtungen kommt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es überhaupt keine GSEA. Wie es in Senderkreisen heißt, hat Buhrow mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer über das Thema gesprochen.

In der ARD sind die Pläne ihres künftigen Vorsitzenden nicht unumstritten. In manchen Anstalten heißt es, die meisten Gemeinschaftseinrichtungen seien zu klein, um dort nennenswerte Einspareffekte erzielen zu können. Der Umzug einzelner GSEA in die neuen Bundesländer würde wiederum viel Geld kosten.

Das ARD-Hauptstadtstudio kann nicht nach Leipzig umziehen

Bei manchen dieser Einrichtungen sei eine Verlagerung sinnlos, wenn nicht gar unmöglich. So könne das ARD-Hauptstadtstudio nicht aus Leipzig berichten. Und ARD-aktuell in den Osten zu verlegen sei angesichts der kürzlich am Standort Hamburg getätigten Millionen-Investitionen für ein neues Redaktionshaus unsinnig.

Dennoch standen auf der ARD-Intendantentagung in München Anfang der Woche die GSEA-Pläne Buhrows auf dessen Wunsch auf der Tagesordnung. Beschlossen wurde, dass jede ARD-Anstalt bis zum 14. Januar fünf bis zehn Einrichtungen benennen soll, die ihrer Ansicht nach auf den Prüfstand gehören. Die GSEA, die am häufigsten genannt werden, sollen anschließend überprüft werden.

Auch Buhrows Team für die ARD-Kommunikation steht bereits. Es ist, wohl auch wegen der anstehenden Beitragserhöhung, mit 15 Mitgliedern größer denn je. Das seines Amtsvorgängers Ulrich Wilhelm zählt nur vier Köpfe.

Zudem beraten Tom Buhrow während dessen Amtszeit die PR-Männer Wolfram Winter, einst Sky-Kommunikationschef, und Andreas Fünfgeld, früher RTL-2-Sprecher. Das Duo setzte sich in einer europaweiten Ausschreibung durch. Die beiden berieten den WDR-Chef bereits in der Affäre um sexuelle Belästigung im Sender, die die Trennung von einem ehemaligen Auslandskorrespondenten sowie vom damaligen WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke zur Folge hatte.