Hunde

Dogwalker: Warum Gassigehen immer lukrativer wird

In Deutschland werden immer mehr Hunde gehalten. Das beschert professionellen Dogwalkern gute Geschäfte mit dem Gassigehen.

Zwei Stunden im Wald, bei Wind und Wetter: Katja Roggenthin bei ihrer täglichen Gassi-Runde.

Zwei Stunden im Wald, bei Wind und Wetter: Katja Roggenthin bei ihrer täglichen Gassi-Runde.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Wer mit Katja Roggenthin während ihrer Arbeitszeit sprechen will („Olga!“), der muss sich daran gewöhnen („Halt! Halt!“), dass sie mitten im Satz einen der zwölf Hunde („Lucy!“) zur Ordnung ruft. Es ist bemerkenswert, dass die Mittfünfzigerin es schafft, dabei sehr laut zu sein („Hugo, da ist kein Wildschwein!“), aber nichts Aggressives mitschwingen zu lassen. „Die Hunde merken jede Veränderung in der Stimme“, sagt sie, „und auch, wenn ich nicht aufmerksam bin, dann nutzen sie das schamlos aus – Olga! Nicht so weit weg.“

Olga ist ein kleiner Westphalen-Terrier, den Katja Roggenthin seit mehreren Jahren betreut. Sie kennt den Hund und hat ihm ein langes Band in Neon-Grün umgebunden. Es ist 11 Uhr und während der Woche ist Roggenthin täglich um diese Zeit im Wald. Sie ist professionelle Dogwalkerin und achtet auf die Hunde von Menschen, die nicht genug Zeit für ihr Haustier haben oder ihm nicht genug Auslauf bieten können. Roggenthin holt die Tiere ab, läuft mindestens zwei Stunden durch die Natur und liefert sie wieder bei den Besitzern ab. Ihre Firma heißt „Allwetterhunde-Ausführservice“ und das heißt, dass sie bei jedem Wetter mit den Tieren unterwegs ist.

9,2 Millionen Hunde in deutschen Haushalten

In ganz Deutschland boomt dieser Geschäftszweig, der überall anders heißt: Gassiservice, Hundeausführer, Dogwalker. Gab es vor 15 Jahren noch fünf Millionen Hunde in Deutschland, zählt der Industrieverband Heimtierbedarf heute 9,2 Millionen. Der Markt für professionelle Hundebetreuer wächst stark.

Hundehotelbesitzer verwandelt Hunde in Pandas
Hundehotelbesitzer verwandelt Hunde in Pandas

Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) sieht in dem Anstieg eine Gegenbewegung zur Digitalisierung im Alltag. „Die Menschen möchten wieder ein analoges Erlebnis haben“, sagt er, „und das führt zu einem großen Anstieg von Hundehaltern vor allem in Städten, den wir beobachten.“ Das habe aber zur Folge, dass nicht alle dem Tier genügend Auslauf oder soziale Kontakte bieten können. „Einem Hund geht es aber letztlich nur gut, wenn er in Gesellschaft ist“, sagt Kopernik, „und da ist es nur natürlich, wenn sich ein wachsender Gewerbezweig darum kümmert, dass der Hund gut betreut ist.“

Es lief nicht immer nach professionellen Standards

Wie viele Hundeausführer es gibt, lässt sich schwer herausfinden. Neben Firmen wie „Allwetterhunde“, „Braver Hund“ oder „Hannah und die Hunde“ gibt es mehrere Portale, auf denen Hundehalter und -ausführer ins Geschäft kommen. Das lief in der Vergangenheit nicht immer mit Steuernummer und professionellen Standards, was die Branche in Verruf brachte.

„Es gab viele schwarze Schafe“, sagt Katja Roggenthin, „die zum Teil mit Hunden überfordert waren oder nicht darauf achteten, dass die Hunde gut in der Gruppe funktionieren.“ Deshalb wurde in vielen Bundesländern der Beruf geschützt und professionalisiert. Wer keinen Hundeführerschein oder eine Ausbildung als Hundeausführer nachweisen kann, darf nicht mehr als vier Hunde ausführen. „Aber mit vier Hunden kann ich kein Geschäft machen“, sagt Roggenthin und in eine andere Richtung: „Maya! Lucy!“

Dogwalker nehmen Preise zwischen fünf und 25 Euro

Sie nimmt 25 Euro pro Hund und Tag. Heute hat sie also rund 300 Euro verdient, muss davon Steuern, Krankenkasse und Benzin bezahlen und das Hunde-Auto in Schuss halten. Sorgen um zu wenig Nachfrage muss sie sich nicht machen. Im Gegenteil, sie sagt eher ab, wenn Hunde nicht zu ihrer Route passen.

Die Konkurrenz ist vor allem online zu finden. Unter Portalen wie „gudog.de“, „Leinentausch.de“ oder dem Marktführer „dogbuddy.de“. Ausführer haben dort ein Profil mit Bewertungen und einem Hinweis, wie viele Stammkunden sie haben. Transparent werden die Preise angegeben: Im Durchschnitt liest sind es 15 Euro pro Gassi-Gehen, auf Ebay-Kleinanzeigen können es auch nur fünf sein – verbunden mit dem Hinweis: Ich liebe seit meiner Kindheit Hunde.

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Hundehalter sagen, ihre Tiere seien deutlich entspannter

VDH-Sprecher Uno Kopernik warnt aber davor, sich auf solche Services zu sehr zu verlassen. „Wenn jemand voll berufstätig ist, sollte er sich gut überlegen, ob er einen Hund halten kann.“ Die Tiere brauchen eine Bezugsperson und die sollte nicht der Gassigänger sein. „Da holt man sich besser ein Steiff-Tier.“ Hundehalter äußern dagegen in Online-Foren, dass der regelmäßige Kontakt mit anderen Hunden ihr Tier entspannt habe. Sie reagierten entspannter bei zufälligen Kontakten auf der Straße. Daher geben selbst Halter mit viel Zeit regelmäßig ihren Hund zur Betreuung.

„Natürlich liefere ich ganz nebenbei auch eine grundlegende Erziehung“, sagt Roggenthin, „denn manche Hunde, die zuhause nicht so gut hören, müssen sich hier anpassen.“ Für ihre Ausbildung hat sie mehrere Wochen investiert, in Berlin fast 200 Stunden, in Bayern bis zu 300. Im Frühjahr hat Roggenthin ihre Prüfung absolviert. Sie musste 19 Hunde aus dem Auto geordnet aussteigen und sitzen lassen – und sie mussten gehorchen, als ein Jogger vorbeiläuft. Das sind Alltagssituationen für einen Dogwalker, sagt sie.

Dogwalker – ein Beruf an der frischen Luft

Als Roggenthin fast auf dem Parkplatz ist, kommen ihr andere Auslauf-Service-Männer entgegen. Einer mit 16 Hunden, ein anderer mit 20, dann ein älterer Herr mit seiner Dogge. Sie stellt sich mit den Hunden abseits des Wegs und lässt passieren. Sie sagt, dass sie das An-der-Luft-sein mag. Wenn ist mal krank ist, hat sie ein Netzwerk von anderen Dogwalkern, die im Notfall übernehmen. Das sei das angenehme, sagt sie, dass die Menschen, die mit Hunden gut klar kommen, irgendwie grundsätzlich angenehmere Zeitgenossen seien.