Innovationspreis 2019

Sema Gedik entwirft Designermode für Kleinwüchsige

Sema Gedik kreierte die erste Kollektion für Kleinwüchsige. Für diese Pionierarbeit gibt es nun eine Nominierung zum Innovationspreis

2015 präsentierte „Auf Augenhöhe“ die erste Kollektion für kleinwüchsige Menschen auf der Fashion Week in Berlin.

2015 präsentierte „Auf Augenhöhe“ die erste Kollektion für kleinwüchsige Menschen auf der Fashion Week in Berlin.

Foto: Anna Spindelndreier / Auf Augenhöhe

Berlin. Sema Gedik hat die Schwierigkeiten ihrer Cousine Funda beim Kaufen von Kleidung jahrelang beobachten können. Funda ist kleinwüchsig, die Mode von der Stange passte der jungen Frau schlichtweg nicht. Ständig ließ sie deshalb bereits gekaufte Hosen, Kleider und Shirts durch einen Schneider nachträglich ändern. So wie Funda geht es in Deutschland rund 100.000 weiteren Kleinwüchsigen.

„Kleinwüchsige Menschen haben nicht die Möglichkeit, passende Kleidung zu kaufen“, sagt Sema Gedik. Die Berliner Modedesignerin hat das allerdings mittlerweile geändert. Gedik hat in dem Bereich gewissermaßen Pionierarbeit geleistet: Bereits während ihres Studiums begann die heute 29-Jährige damit, kleinwüchsige Menschen zu vermessen. Später entwickelte sie die weltweit erste Konfektionsmaßtabelle und 2014 sogar die erste Mode-Kollektion für kleinwüchsige Menschen. Im vergangenen Jahr gelang Gedik auch die Premiere als Modedesignerin für Kleinwüchsige. Ihr Unternehmen „Auf Augenhöhe“ sitzt heute in einem Gründerzentrum in Karlshorst und hat weltweit Kunden.

Die junge Designerin ist für ihre Arbeit als eines von zehn Unternehmen in diesem Jahr für den Innovationspreis Berlin Brandenburg nominiert. Die offizielle Bekanntgabe erfolgt am Freitagmorgen. Eine 17-köpfige Jury hatte die Finalisten aus 206 Bewerbungen ausgewählt. Die Auszeichnung wird jährlich von den Wirtschaftsverwaltungen der Länder Brandenburg und Berlin ausgelobt. Mehr als 175 Preisträger wurden in den vergangenen 35 Jahren bereits für ihr herausragendes und innovatives Schaffen ausgezeichnet.

Senatorin Pop: Produkte stehen für eine bessere Zukunft

Mit dem Innovationspreis sollen innovative Unternehmen aus der Metropolregion Berlin-Brandenburg sichtbarer gemacht werden, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Unter den Nominierten seien Firmen, die mit neu gedachten Produkten auf die heutigen und zukünftigen Herausforderungen unserer Zeit eingehen, betont sie. „Die innovativen Ideen der zehn Nominierten sind so vielfältig wie die gesamte Region und zeigen ein breites Spektrum an Lösungsvorschlägen für eine bessere Zukunft“, erklärt Pop.

Sema Gedik hat mit ihrem Label „Auf Augenhöhe“ inzwischen vier Kollektionen für kleinwüchsige Menschen entwickelt. Gedik beschreibt ihre Kreationen als eher minimalistisch, sportlich und alltagstauglich. Die junge Designern greife aber durchaus auch Trends aus. In diesem Jahr sei etwa die Farbe orange gefragt, so Gedik. Seit der Gründung des Unternehmens sind die Verkäufe stark gestiegen. Die „Auf Augenhöhe“-Kleidung wird zudem nicht mehr nur in Deutschland getragen. „Wir haben auch Bestellungen aus Amerika, Frankreich, Spanien und Norwegen“, erzählt die Designerin. „Unsere Verkaufszahlen haben wir im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.“

Laut Gedik sei es zunächst vor allem darum gegangen, bei der potenziellen Kundschaft Vertrauen zu schaffen. Ähnlich wie auch ihre Cousine kennen kleinwüchsige Menschen schlichtweg das Gefühl nicht, in ein Geschäft zu gehen und Klamotten von der Stange zu kaufen, sagt die Berlinerin. Deshalb seien „Auf Augenhöhe“-Kunden bei der ersten Bestellung auch zunächst verunsichert. „Wir sehen aber, dass wir sehr mutige Kunden haben, die dann auch Freunden von ihrer Bestellung erzählen“, so Sema Gedik.

Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert

Die Mode des noch jungen Labels wird ausschließlich in Berlin hergestellt. Man arbeite mit verschiedenen Schneidern zusammen, so Gedik. Offiziell wird die Lieferzeit mit bis zu fünf Wochen angegeben. Häufig seien die bestellten Stücke aber schon in anderthalb Wochen beim Kunden, sagt die Designerin. Neben der Mode für kleinwüchsige Menschen hat „Auf Augenhöhe“ auch Sporttaschen oder T-Shirts im Angebot. Diese Produkte gibt es dann auch in den handelsüblichen Standardgrößen.

Für den Innovationspreis ist neben „Auf Augenhöhe“ unter anderem auch das Start-up Perto aus Berlin nominiert. Die von der Firma entwickelte Software soll den Austausch von Heizungspumpen erleichtern. Der Kunde fotografiert seine Pumpe und erhält mithilfe des Programms einen kostenlosen Effizienzbericht und das Festpreisangebot eines Handwerkers. Der Innovationspreis wird in diesem Jahr am 29. November im Potsdamer Hans Otto Theater vergeben. Bis zu fünf Nominierte werden dann mit einem der mit jeweils 10.000 Euro dotierten Preise geehrt.