Datenschutz-Verstoß

Deutsche Wohnen muss 14,5 Millionen Euro Strafe zahlen

Der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat gegen die Datenschutz-Grundverordnung verstoßen. Diese Daten wurden gefunden.

Die Deutsche Wohnen hat gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)  verstoßen und muss eine Rekordstrafe in Millionenhöhe zahlen.

Die Deutsche Wohnen hat gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen und muss eine Rekordstrafe in Millionenhöhe zahlen.

Foto: pa

Berlin. Der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen muss 14,5 Millionen Euro Strafe wegen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zahlen. Das teilte die Berliner Beauftragte für Datenschutz, Maja Smoltczyk, am Dienstag mit.

Demnach soll die Deutsche Wohnen von ihren Mietern personenbezogene Daten gespeichert haben, ohne dass es die Möglichkeit dafür gegeben habe, erhobene, aber nicht mehr benötigte Informationen später wieder zu löschen. Die Strafe gegen den Konzern sei bereits am 30. Oktober verhängt worden.

Deutsche Wohnen geht gegen das Bußgeld juristisch vor

In einer ersten Reaktion kündigte die Deutsche Wohnen am Nachmittag an, gegen den Bußgeldbescheid vorgehen zu wollen. „Die Deutsche Wohnen teilt die rechtliche Bewertung der Berliner Datenschutzbeauftragten nicht und wird den Bußgeldbescheid gerichtlich überprüfen lassen“, hieß es in einer Stellungnahme.

Das Unternehmen betonte, dass sich die erhobenen Vorwürfe auf eine altes Datenarchivierungs-System bezögen, das mittlerweile nicht mehr benutzt werde. Es seien zudem keinerlei Daten von Mietern datenschutzwidrig an unternehmensfremde Dritte gelangt, so der Konzern. „Vielmehr hat die Deutsche Wohnen bereits im Jahr 2017 umfangreiche personelle und prozessuale Veränderungen eingeleitet, um den aktuellen Datenschutzanforderungen vollumfänglich gerecht zu werden“, erklärte das Unternehmen.

In Berlin hat die börsennotierte Deutsche Wohnen SE etwa 111.000 Wohnungen in ihrem Besitz. Bundesweit gehören dem Unternehmen etwa 163.000 Wohnungen und 2.600 Gewerbeimmobilien.

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Datenschutzbeauftragte: „Eklatanter Verstoß gegen die Grundsätze des Datenschutzes“

Nach Angaben der Berliner Datenschutzbeauftragen sei die Deutsche Wohnen bereits im Juni 2017 auf die Versäumnisse aufmerksam gemacht worden. Bis zu einer Untersuchung vor Ort im März dieses Jahres habe sich an dem Zustand trotz Aufforderung allerdings kaum etwas geändert.

So soll die Deutsche Wohnen unter anderem auch Daten gespeichert haben, ohne zu überprüfen, ob eine Speicherung zulässig oder überhaupt erforderlich ist. Bei den gespeicherten Daten soll es sich um Informationen zu persönlichen und finanziellen Verhältnissen der Deutsche-Wohnen-Mieter gehandelt haben. Bei einer Überprüfung habe die Datenschutzbeauftragte unter anderem folgende Daten gefunden:

  • Gehaltsbescheinigungen
  • Selbstauskunftsformulare
  • Auszüge aus Arbeits- und Ausbildungsverträgen
  • Steuer-, Sozial- und Krankenversicherungsdaten
  • Kontoauszüge gefunden.

„Datenfriedhöfe, wie wir sie bei der Deutsche Wohnen SE vorgefunden haben, begegnen uns in der Aufsichtspraxis leider häufig. Die Brisanz solcher Missstände wird uns leider immer erst dann deutlich vor Augen geführt, wenn es, etwa durch Cyberangriffe, zu missbräuchlichen Zugriffen auf die massenhaft gehorteten Daten gekommen ist“, sagte Smoltczyk.

Aber auch ohne derartige Folgen handele es sich im aktuellen Fall bei Deutsche Wohnen um einen eklatanten Verstoß gegen die Grundsätze des Datenschutzes, so die Berliner Datenschutzbeauftragte weiter.

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SPD-Politiker: Deutsche Wohnen muss Rekordstrafe zahlen

Der SPD-Politikers Sven Kohlmeier hatte das Bußgeld zunächst bei Twitter öffentlich gemacht. Laut Kohlmeier handele es sich bei der Strafe gegen die Deutsche Wohnen um das höchste jemals in Deutschland verhängte Bußgeld für Datenschutzverstöße. „Das Rekordbußgeld der Berliner Datenschutzbeauftragten ist eine angemessene Reaktion auf die erheblichen Datenschutzverstöße der unkontrollierten Sammlung von Mieterdaten“, erklärte der SPD-Abgeordnete am Nachmittag.

Kohlmeier zufolge hätte die Deutsche Wohnen die gespeicherten Daten auch missbräuchlich verwenden können, etwa, um anhand des Einkommens der Mieter Klagerisiken zu kalkulieren oder die Einkommenssituation für Mietpreiskalkulationen zu verwenden. Der Politiker kündigte an, die Deutsche Wohnen in den Datenschutzausschuss des Abgeordnetenhauses vorladen zu wollen.

Der Bußgeldbescheid der Datenschutzbeauftragten zeige, wie wirksam die Datenschutz-Grundverodnung, erklärte Stefan Ziller, Sprecher für Digitalisierung und Datenschutz der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. „Der sorglose Umgang mit personenbezogenen Daten hat heute Konsequenzen. Unternehmen sollten den Bescheid zum Anlass nehmen, den eigenen Umgang mit Daten überprüfen“, so Ziller weiter.

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