Berliner Wirtschaft

Investition in die Zukunft: Das plant das Batteriewerk BAE

Kunden schätzten die hohe Qualität. Damit das in Zukunft so bleibt, will der Geschäftsführer nun investieren. Das sind die Vorhaben.

Will mit den Investitionen auch die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens langfristig absichern: BAE-Geschäftsführer Jan Ijspeert.

Will mit den Investitionen auch die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens langfristig absichern: BAE-Geschäftsführer Jan Ijspeert.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Wenn BAE-Geschäftsführer Jan Ijspeert Besucher am Sitz seines Unternehmens in Oberschöneweide empfängt, erklärt er gerne ausgiebig, welch lange Tradition die Fertigung von Batterien an dem Standort bereits hat. Mitunter zeigt er seinen Gästen dann auch die alte Tischlerei, denn früher wurden die Akkumulatoren für den Transport auch in Holzkisten verschickt. Schon seit Beginn des 20. Jahrhundert werden auf dem rund 40.000 Quadratmeter großen Industriegelände, das heute die Heimat von BAE ist, Batterien gefertigt.

Zunächst baute ein Ableger der einstigen Akkumulatorenwerke Oberspree AG von dort das Geschäft auf. Seit 1958 trägt das Unternehmen den Namen Berliner Akkumulatoren- und Elementefabrik (BAE). Ijspeert ist seit 2005 der starke Mann bei dem Berliner Mittelständler. Der gebürtige Niederländer führte die Firma aus der Krise. Heute sind die Produkte aus Oberschöneweide weltweit gefragt.

„Made in Germany“ öffnet die Türen im Ausland

BAE stellt große Bleibatterien her. Mit den Akkus kann zum Beispiel Solarstrom zwischengespeichert werden, Kunden verwenden die Batterien von BAE aber auch als Absicherung für Notstromaggregate. Häufig überbrücken die Akkus die Zeit, bis bei den Geräten der Dieselgenerator anspringt. Abnehmer sind etwa große Rechenzentren, aber auch die Betreiber von kritischen Infrastrukturen setzen auf die Berliner Technik.

Zuletzt gewann BAE unter anderem auch einen Auftrag für den größten Telekommunikationsanbieter Ägyptens, Telecom Egypt. Etwa 32 Millionen Euro Umsatz peilt BAE in diesem Jahr an. Kunden schätzten die hohe Qualität, die Zuverlässigkeit und natürlich das Siegel „Made in Germany“, sagt Firmenchef Ijspeert.

Damit das so bleibt, will der Geschäftsführer nun investieren. Etwa neun Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in den Standort fließen. Erst später steht der Neubau einer Halle an. Zunächst wird BAE nach eigenen Angaben für rund fünf Millionen Euro die Produktionsmittel auf den heutigen Stand der Technik bringen. Unter anderem schafft das Unternehmen dafür eine computergesteuerte Produktionsanlage an.

BAE erhält Fördermittel

Einen Teil der Investition fördert auch das Land Berlin: Dafür erhält BAE aus dem Topf „Gemeinschaftsaufgabe - Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) einen Zuschuss von 600.000 Euro. Damit sei die Sicherung der 171 Dauerarbeitsplätze sowie die Schaffung von 12 neuen Arbeitsplätzen bei dem Unternehmen in Oberschöneweide verbunden, so die Senatsverwaltung für Wirtschaft.

Zudem habe BAE im Rahmen des Programms KMU Mittelstand 4.0 einen Kredit in Höhe von 2,4 Mio. Euro erhalten. Die Wirtschaftsstaatssekretärin Barbro Dreher (Grüne) nennt die Investitionen wegweisend für den Industriestandort Schöneweide. „Das mittelständische Traditionsunternehmen BAE zeigt auf beeindruckende Weise wie die Transformation auf zukunftsfähige Produkte und Technologien im Bereich Erneuerbare Energien gelingen kann“, so Dreher weiter.

Kleinere Unternehmen wie BAE müssten sich allerdings ins Zeug legen, um auch bei internationalen Kunden punkten zu können, so Firmenchef Ijspeert, der Mitte Oktober mit einer Berliner Wirtschaftsdelegation nach Singapur gereist war, um neue Kontakte zu knüpfen. „Die Investitionen sichern langfristig eine hohe Qualität in der Produktion und damit unserer Wettbewerbsfähigkeit“, so der Geschäftsführer. Im Rahmen des Investitionsprogramms will BAE zudem daran arbeiten, die Produktion stärker zu bündeln. Derzeit seien die Produktionsmittel auf dem Industriegelände eher verteilt. Die frei werdenden Flächen will BAE künftig anders nutzen.

Mittelständler will von Start-up-Ideen profitieren

Auf bis zu 20.000 Quadratmetern wollen die Batterie-Experten ein Co-Working-Space für Start-ups und Unternehmensgründer errichten. Für Aufbau und Betrieb des Zentrums ist Ijspeert derzeit mit möglichen Partnern im Gespräch. Eine Bank habe bereits Interesse signalisiert, so Ijspeert. Etwa 100 einzelne Arbeitsplätze soll es künftig in dem BAE-Co-Working-Space geben. Ijspeert will vor allem Gründer, die Ideen für das Geschäft mit erneuerbaren Energien haben, dafür gewinnen und hofft, dass langfristig so auch sein eigenes Unternehmen vom Austausch mit den Start-ups profitieren kann.

BAE plant unterdessen auch selbst, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Ijspeert kündig zwar an, auch weiterhin auf die bewährte Bleibatterie setzen zu wollen. Künftig werde BAE aber auch sogenannte Zebra-Batterien produzieren. Dafür sei es auch möglich, dass BAE gemeinsam mit einem Kooperationspartner in Deutschland einen neuen Standort aufbaue, so Ijspeert. Zebra steht für Zero Emission Battery Research Activities.

Die Zebra-Akkus arbeiten mit Kochsalz und basieren auf einer Technologie, die bereits in den 80er-Jahren von AEG und Daimler entwickelt wurde. Ijspeert will die Technik nun neu beleben und betont vor allem die Umweltverträglichkeit der Zebra-Batterien, die zu einhundert Prozent recycelbar und zudem nicht-explosiv seien. Zebra-Batterien werden unter anderem in Elektroautos und Hybridbussen eingesetzt. Mitunter ist die Technik aber auch Teil von Waffensystemen.