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„Spiegel“ und Gruner + Jahr planen Wirtschaftsportal

Spiegel und Gruner + Jahr wollen den Wettbewerber „Handelsblatt“ 2020 mit einem Wirtschaftsportal attackieren. Wie soll das aussehen?

Der Sitz des „Spiegel“ in Hamburg.

Der Sitz des „Spiegel“ in Hamburg.

Foto: Chris Emil Janßenvia www.imago-images.de / imago images / Chris Emil Janßen

Berlin. Es ist nicht so, dass sie beim „Spiegel“ bei der Entwicklung neuer und der Überarbeitung alter Digital-Angebote untätig wären. Ganz im Gegenteil: Wie berichtet, wird Spiegel Online, das künftig – wie das Nachrichtenmagazin – nur noch „Spiegel“ heißen soll, komplett überarbeitet. Das Relaunch-Projekt „Next Gen“ – also nächste Generation – wird wohl im Januar 2020 abgeschlossen.

Danach will man im Verlagshaus auf der Hamburger Ericusspitze ein Vorhaben angehen, das selbst in Branchenkreisen noch weitgehend unbekannt ist. Es trägt den Arbeitstitel Wirtschaft+ und hat sich zum Ziel gesetzt, dem Wettbewerber Handelsblatt.com seine Spitzenstellung unter den deutschsprachigen Wirtschafts- und Finanzportalen streitig zu machen.

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, muss man Kräfte bündeln. Folglich haben sich für das Projekt Wirtschaft+ die Wirtschaftsredaktion das „Manager Magazin“ sowie der „Harvard Business Manager“ zusammengetan. Alle drei Titel gehören zur Spiegel Gruppe. Damit aber nicht genug: Bei Wirtschaft+ macht auch das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr mit – und zwar mit seinen Wirtschaftsmagazinen „Capital“ und „Business Punk“.

Neues Portal könnte Ende des zweiten Quartals 2020 online gehen

Im Gegensatz zu Handelsblatt.com, wo zuletzt nahezu alle Artikel hinter der Bezahlschranke verschwanden, soll Wirtschaft+ auch ein großes Kontingent an frei verfügbaren Stücken aufweisen. Dabei dürfte es sich im Wesentlichen um überarbeitete Agenturmeldungen sowie um Texte handeln, die ohnehin auf den Portalen der beteiligten Titel, die es weiterhin geben soll, gratis zu haben sind.

Auch hinter der Bezahlschranke von Wirtschaft+ sollen fast ausschließlich Artikel stehen, die von den fünf beteiligten Redaktionen bereits produziert wurden. Denn vorrangiges Ziel des Projekts ist es nicht, neue Inhalte zu erstellen. Vielmehr sollen Ressourcen gebündelt werden. Und für die besten Texte aus fünf Redaktionen, deren Marken auf Wirtschaft+ zu erkennen sein werden, wollen die beteiligten Verlage einen Preis verlangen, der über dem von MM Premium liegt. Das Bezahlangebot von managermagazin.de kostet monatlich 8,99 Euro.

Ein „Spiegel“-Sprecher bestätigt auf Anfrage, „dass es mit Gruner + Jahr gemeinsame Überlegungen zu einem digitalen Kombiangebot für Wirtschaftsthemen gibt“. Allerdings existierten weder „konkrete Pläne noch Geschäftsmodelle noch Beschlüsse dazu“.

Ein G+J-Sprecher schließt sich den Äußerungen seines Kollegen an. In Verlagskreisen hält man es wegen der vergleichsweise geringen Kosten von Wirtschaft+ für unwahrscheinlich, dass das Vorhaben noch gestoppt wird. Wenn alles klappe, könne das Portal Ende des zweiten Quartals 2020 online gehen.

  • Diese Kolumne pausiert urlaubsbedingt drei Wochen. Ihre nächste Ausgabe erscheint am 22. November