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Ryanair streicht Verbindungen – auch Deutschland betroffen

Die Fluglinie Ryanair aus Irland betreibt in Europa mehrere Basen. Von einer Schließung dürfte vor allem ein Flughafen betroffen sein.

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Hamburg. Ryanair ist vor allem für seine billigen Flugtickets bekannt. Doch nun drückt die Fluglinie ihre Kosten und will ihre Präsenz in Europa deutlich auszudünnen. Einige Basen sollen laut ersten Informationen geschlossen werden, wodurch Ziele wegfallen. Wie der Hamburger Flughafen am Mittwoch auf Twitter mitteilte, werde der Ryanair-Standort Hamburg geschlossen. Der Airport Hamburg erklärte auch, was dies für den Flugbetrieb bedeute.

Ryanair begründete den Schritt allgemein mit unterdurchschnittlichen Erlösen. Die Gesellschaft hat ihren Flugplan laut eigenen Angaben nach ertragsschwächeren Verbindungen durchgesehen. Ob weitere Flughäfen in Deutschland betroffen sind, teilte das Unternehmen am Mittwoch nicht mit.

Dafür gab es für Flugreisende am Freitag eine neue negative Nachricht und Verwirrungen um einen Flug-Streik. Die Gewerkschaft UFO bestreikt am Sonntag die Lufthansa-Töchter Eurowings, Germanwings und SunExpress. Es wird deshalb zu Ausfällen kommen.

Ryanair schließt Standorte – Das muss man wissen:

  • Die Billig-Airline Ryanair hat angekündigt, mehrere Base zu schließen
  • In Deutschland ist Hamburg betroffen
  • Grund dafür sind mäßige Ertragszahlen an den jeweiligen Standorten
  • Auch Teneriffa und andere Urlaubsorte sind von der Schließung betroffen

Zu den Einschränkungen im Flugplan bei Ryanair trägt bei, dass die Airline nicht wie geplant neue Flugzeuge erhält. Die neueste Ausgabe des Ryanair-Standard-Jets Boeing 737 Max wartet nach zwei Abstürzen immer noch auf die Wiederzulassung durch die Flugaufsichtsbehörden in den USA und Europa.

Seit dem 1. November 2016 hatte Ryanair zwei Boeing B737-800 fest in Hamburg stationiert. Von Hamburg aus hatte die Fluggesellschaft ihren Erstflug am 26. Oktober 2014 nach Lissabon. „Der Luftfahrtmarkt ist in Bewegung und die Fluggesellschaften auf Konsolidierungskurs“, erläuterte Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler.

Er bedauerte, „dass Ryanair zahlreiche Basen in Europa schließt und auch Hamburg davon betroffen ist“. Für den starken Hamburger Markt werde er daran arbeiten, „die Auswahl auf den entfallenen Ryanair-Strecken zu ersetzen“.

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Ryanair plant die Streichungen demnach ab dem Jahr 2020. In Hamburg würden sieben Verbindungen wegfallen. Die Auflösung der Basis bedeutet nicht, dass Hamburg nicht mehr angeflogen würde.

  • Faro,
  • Krakau,
  • Lissabon,
  • Gran Canaria,
  • Oslo-Torp,
  • Verona und
  • Zadar.

Allerdings würden im konkreten Fall bis auf die Verbindungen nach Krakau und Verona andere Fluglinien die bisher von Ryanair angeflogenen Ziele ebenfalls ab Hamburg aus anbieten.

14 weitere Ziele werde Ryanair im Sommer weiterhin von Hamburg bedienen – mit Maschinen, die an anderen Flughäfen stationiert sind. Für den Ende Oktober beginnenden Winterflugplan hatte die Airline ihre Hamburger Ziele schon um 3 auf 17 reduziert.

Ryanair verwies nach der Mitteilung des Hamburger Flughafens auf Meldungen vom Juli. Darin hatte die Airline schon angekündigt, dass Probleme durch die verzögerte Inbetriebnahme neuer Flugzeuge entstehen könnten. In der Mitteilung im Sommer hieß es, dass auch über Schließungen von Basen diskutiert werde. Es war die Rede davon, dass diese Schließungen schon ab November 2019 greifen könnten.

Bereits im August war bekannt geworden, dass Ryanair zu diesem Winter hin den letzten innerdeutschen Flug streicht. Die Airline bietet in Zukunft nur noch Flüge zu oder ab deutschen Flughäfen ab. Diese werden aber nicht mehr untereinander bedient.

Ryanair will „eine Reihe von defizitären Ryanair-Basen“ abbauen

Welche weiteren deutschen Flughäfen von der Streichung der Basen betroffen sind, stand zunächst nicht fest. Offensichtlich haben aber Verzögerung bei der Anschaffung von neuen Flugzeugen zu dem Schritt geführt.

So würden „aufgrund der verspäteten Auslieferung von bis zu 30 Boeing MAX-Flugzeugen in diesem Winter eine Reihe von defizitären Ryanair-Basen abgebaut oder geschlossen“, hieß es von Ryanair auf eine Anfrage unserer Redaktion. Die Fluglinie scheint aber weiter auf Flugzeuge von Boeing zu setzen und scheint weiter auf eine Inbetriebnahme der bestellten Maschinen zu hoffen.

Boeing hat bei dem Modell 737 Max aktuell immer noch mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen – dadurch ist der Flugzeugbauer Boeing generell im Sinkflug. Zwei Maschinen des Typs 737 Max waren im Oktober 2018 und im März 2019 vor Java bzw. in Äthiopien abgestürzt. Insgesamt kamen dabei 346 Menschen ums Leben. Flugsicherheitsbehörden und mehrere Staaten erteilten danach Flugverbote für diese Boeing-Maschinen, was einen Milliardenschaden für Boeing bedeutete.

Ryanair arbeite nun hart daran, „die Auswirkungen auf unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu minimieren“. Man wolle versuchen, die bisherigen Verbindungen möglichst von anderen Basen aus zu bedienen.

Kanarische Inseln von Ryanair-Streichungen betroffen

Sicher ist bereits, dass Spanien von den Umstrukturierungen hart getroffen wird. Die spanische Gewerkschaft USO teilte am Mittwoch mit, dass sich vor allem die Flughäfen der kanarischen Inseln Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote auf Umstellungen einstellen müssten.

Auch die Basis im katalonischen Girona werde geschlossen, hieß es. In Spanien gehen die Sparmaßnahmen offensichtlich mit der Entlassung von 432 Mitarbeitern einher.

Zuletzt gab es Diskussionen um Ryanairs Geschäftspraktiken wegen eines Investigativprojektes mehrerer Journalisten. So hatte das „Team Wallraff“ für RTL unzumutbare Zustände bei Ryanair aufgedeckt. (ac)