Energieversorgung

Fernwärme für Berlins Südosten

Das Energieversorger BTB will sein 140 Kilometer langes Fernwärmenetz zwischen Plänterwald und Schönefeld weiter ausbauen.

David Weiblein, kaufmännischer Geschäftsführer des Berliner Energieversorgers BTB, im Blockheizkraftwerk Adlershof.

David Weiblein, kaufmännischer Geschäftsführer des Berliner Energieversorgers BTB, im Blockheizkraftwerk Adlershof.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. David Weiblein öffnet die schwere Stahltür nur einen Spalt. Aus dem Inneren des Raums tönt ohrenbetäubender Lärm. „Das Modul läuft, da kommen wir nicht rein“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Blockheizkraftwerks-Träger- und Betreibergesellschaft (BTB). Die Kräfte der sich bewegenden Teile seien zu gefährlich. Auch die anderen drei baugleichen Module des Blockheizkraftwerks (BHKW) Adlershof sind an diesem Tag in Betrieb.

In den vier BHKW-Modulen wird durch Verbrennung eines Erdgas-Luft-Gemischs elektrischer Strom erzeugt und direkt ins Netz eingespeist. Jedes der Module hat eine Leistung von zwei Megawatt. Die dabei entstehenden Abgase erreichen Temperaturen von 650 Grad Celsius. Sie werden über ein großes Rohr in einen der vier in einer Halle stehenden Abgaswärmetauscher geführt. In den Tanks wird dadurch Wasser erhitzt, das wiederum ins von der BTB betriebene, 140 Kilometer lange Fernwärmenetz eingespeist wird. Das erstreckt sich von der Gropiusstadt bis nach Köpenick und von Plänterwald bis nach Schönefeld. Laut Weiblein werden dadurch etwa 80.000 Endkunden im Südosten der Hauptstadt versorgt.

Jahresumsatz lieg bei 55 Millionen Euro

Der Energielieferer BTB wurde 1990 in Berlin gegründet und hat heute circa 120 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei rund 55 Millionen Euro. Mehr als 90 Prozent der Energie wird in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt – die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Variante, sagt Weiblein. „Das spart 50 bis 60 Prozent Primärenergie ein, die man sonst aufwenden müsste, wenn man die gleiche Strom- und Wärmemenge getrennt erzeugt.“ Das wirke sich positiv auf die CO2-Bilanz aus.

Das BHKW in Adlershof arbeitet im Verbund mit zwei weiteren, die ebenfalls in das Fernwärmenetz einspeisen. Das in Neukölln wird mit Altholz betrieben, dass in Schöneweide mit Steinkohle. Dort suche man derzeit nach Nachfolgetechnologien, so Weiblein weiter. „Klar ist, dass wir 2030 kein Steinkohlekraftwerk mehr betreiben.“

Leitungen zum Flughafen BER liegen bereits seit 2017

Ins Einzugsgebiet des Flughafens BER führt bislang nur eine Hauptleitung. Die strategische Trasse in ein Gebiet, das in den nächsten Jahren näher erschlossen werden soll, wurde bereits 2017 fertiggestellt. „Wir hätten natürlich eine andere Zeitschiene begrüßt“, sagt Weiblein in Hinblick auf die Verzögerung am BER. Aber als Pionier müsse man Lehrgeld in der Tasche haben. Perspektivisch werde sich das refinanzieren.

In den kommenden Jahren will BTB ihr bestehendes Netz weiter verdichten und mehr Kunden an die Fernwärme anschließen, so Weiblein weiter. Um das stemmen zu können, wolle man auch die Kraftwerke ausbauen und etwa im Süden Rudows ein weiteres ans Netz nehmen. „Wir rechnen mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag, den wir in den nächsten sieben bis acht Jahren im Südosten Berlins investieren.“ Außerdem setze man auch auf dezentrale Energieversorgung – also kleinere, maßgeschneiderte Blockheizkraftwerke für Neubauquartiere oder Gewerbestandorte, zunehmend kombiniert mit Photovoltaikanlagen oder Ladesäulen für E-Autos.

BTB arbeitet an unterirdischem Wärmespeicher

„Wenn man es effizient und umweltschonend machen möchte, muss man ganzheitlicher drauf blicken“, sagt Weiblein. Entsprechend spiele Innovation eine große Rolle. So sollen Wärmepumpen – also Anlagen, die ausschließlich in der Umwelt vorhandene Energie nutzen und sie in thermische umsetzen – in Zukunft wesentlicher Teil der Erzeugung werden. Außerdem wolle man überschüssige thermische Energie langfristig speichern können, so der Geschäftsführer. Zwar gibt es in Adlershof bereits fünf 18 Meter hohe Tanks. Darin könne man das Waser aber nur wenige Tage heiß halten. Mit dem Geoforschungszentrum Potsdam arbeite man daher an Technologien, um Wasser über Monate unterirdisch warm zu halten.