„Berliner Berg“

Berliner Traditionsbier bekommt neue Brauerei

Bierhersteller „Berliner Berg“ baut neue Brauerei in Neukölln und möchte den Großen der Branche Konkurrenz machen.

So soll sie aussehen, die neue "Berliner Berg"-Brauerei an der Treptower Straße in Neukölln.

So soll sie aussehen, die neue "Berliner Berg"-Brauerei an der Treptower Straße in Neukölln.

Foto: Berliner Berg

Berlin. Rund zwei Jahre hat es gedauert, jetzt sind sie endlich fündig geworden: Die Braumeister von „Berliner Berg“ haben einen Standort für ihre neue Brauerei gefunden. An der Treptower Straße in Neukölln soll ab Herbst eine neue Halle gebaut werden.

Bisher ist hier nichts als eine Brachfläche zu sehen, aber schon ab dem Sommer 2020 soll hier Bier gebraut und ausgeschenkt werden. Nun haben die drei Geschäftsführer von „Berliner Berg“, Robin Weber, Uli Erxleben und Michéle Hengst, den Pachtvertrag für das Gelände unterschieben.

Ziel: Jedes Jahr fünf Millionen Liter Bier brauen

Das Vorhaben des 15 Kopf starken Brauerei-Teams ist ambitioniert: Auf 3000 Quadratmetern Fläche wollen sie künftig fünf Millionen Liter Bier jährlich brauen. Zum Vergleich: Berlins größte Brauerei, die „Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei“, braut jedes Jahr 150.000.000 Liter Bier.

Trotzdem gibt sich Geschäftsführerin Hengst optimistisch. „Wir sehen eine Lücke auf dem Berliner Markt: Eine unabhängige Berliner Brauerei für Pils gibt es faktisch nicht. Diese Lücke wollen wir schließen“, sagt sie der Berliner Morgenpost.

Investitionssumme liegt im siebenstelligen Bereich

Eine wirkliche Konkurrenz für „Berliner-Kindl-Schultheiss“ wird „Berliner Berg“ wohl nicht werden, das weiß auch Hengst. „Wir wollen eine mittelständige unabhängige Berliner Brauerei sein“, erklärt sie das Ziel. Über die genaue Investitionssumme möchte Hengst zwar nicht sprechen. Nur soviel: In Halle und Brautanks wird jeweils im siebenstelligen Bereich investiert.

Bisher braut „Berliner Berg“ an der Kopfstraße im Neuköllner Rollbergkiez Bier, vor allem Craft Beer und Berliner Weisse. 400.000 Liter pro Jahr, aber dennoch sei die Expansion nun „der nächste logische Schritt“, sagt Hengst. „Die Zahlen stimmen einfach.“

Tatsächlich ist die Zahl der Brauereien in Berlin in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und hat sich seit 2011 sogar fast verdoppelt, wie Auswertungen des Statistischen Bundesamtes Anfang des Jahres zeigten. Die Region Berlin/Brandenburg hatte in den vergangenen Jahren den stärksten Zuwachs an kleinen Brauereien bundesweit.

70 Craft-Beer-Brauereien in Berlin

Im vergangenen Jahr wurde in der Hauptstadt an 70 Orten gebraut. Dieser Aufschwung ist insofern bemerkenswert, als der Bierkonsum insgesamt sinkt. 2017 war das bisher schwächste Absatzjahr der Brauwirtschaft.

In der neuen Brauerei soll neben Lager und Pale Ale künftig auch Pils gebraut werden. Ein Novum für „Berliner Berg“. Verköstigt werden kann das Bier dann direkt vor Ort in einem kleinen Biergarten. Außerdem soll es Tastings und Brauereiführungen geben. „Aber wir konzentrieren uns an dem Standort aufs Bierbrauen, es ist vorrangig eine Produktionsstätte“, unterstreicht Hengst.

„Berliner Berg“ behält erste Brauerei

Die ursprüngliche Brauerei samt Schankraum an der Kopfstraße will „Berliner Berg“ behalten und hier weiterhin Berliner Weisse brauen. Jedoch wird, sobald die neue Braustätte an der Treptower Straße fertig gebaut ist, die bisherige Kooperation mit der bayerischen Hohenthanner Schlossbrauerei wegfallen. „Die Kapazitäten, die wir dann in Berlin haben, sind ausreichend“, erklärt Hengst.

Zu kaufen geben wird es das „Berliner Berg“-Pils dann übrigens nicht nur in Bars und Restaurants, sondern auch an Spätis und in Lebensmittelgeschäften. Schon heute gibt es „Berliner Berg“- Bier bei Edeka und Rewe sowie an Spätkaufen vor allem in den „Ausgehbezirken Neukölln, Mitte und Kreuzberg“ zu kaufen, wie Hengst erklärt. „Aber wir sind noch ein Nischenprodukt“, sagt Hengst. Das wollen sie mit dem Pils ändern.

Spezialitätenbrauereien liegen im Trend

Neben der „Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei“ gibt es in Berlin noch rund 25 kleinere Gasthaus- und Craft-Brauereien. Damit liegt Berlin im nationalen Vergleich im Trend. Laut Statistischem Bundesamt sind inzwischen mehr als die Hälfte der Anbieter in Deutschland Braustätten mit jeweils weniger als 100.000 Litern Produktion pro Jahr. Trotzdem: Das Geschäft mit insgesamt knapp 6000 verschiedenen Bieren ist in Deutschland immer noch weitgehend unter wenigen Großkonzernen aufgeteilt.

Und: Mehr als 98 Prozent des angebotenen Biers stammt nicht von Kleinbrauereien. In Berlin und Brandenburg werden jedes Jahr insgesamt insgesamt 390.000.000 Millionen Liter Bier gebraut.

Die Suche nach einer neuen Produktionsstätte habe sich als schwierig erwiesen, erklärt Hengst. Mehr als zwei Jahre sei man auf der Suche gewesen, zweimal platzte kurz vor Vertragsunterzeichnung der Pachtvertrag.

Dass nun die neue Braustätte auch wieder in Neukölln liegt, freut das Bier-Team besonders. „Wir haben jetzt den schönsten Standort gefunden, den wir uns überhaupt nur vorstellen konnten“, freut sich die Geschäftsführerin. „Das Warten hat sich absolut gelohnt.“