Technik-Verleih

Berliner Start-up Grover sammelt 41 Millionen Euro ein

Smartphone, Drohne oder E-Scooter: Das Berliner Start-up Grover verleiht Technik. Investoren ist das erneut viel Geld wert.

Michael Cassau hat Grover 2015 gegründet.

Michael Cassau hat Grover 2015 gegründet.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Im Büro des Start-ups Grover im Berliner Bezirk Mitte hängt der Spruch in heller Neonschrift wie ein Mantra an der Wand: „Re­think things“ (etwa: Dinge neu denken). Der Slogan ist gewissermaßen das Erfolgsrezept des jungen Unternehmens. „Unsere Kunden müssen sich nicht entscheiden, ob sie in den Urlaub fliegen oder das neue Smartphone kaufen. Es geht beides“, sagt Gründer Michael Cassau der Berliner Morgenpost.

Grovers Geschäftsmodell funktioniert so: Nutzer mieten Technik wie Smartphones, Spielekonsolen oder auch E-Scooter und überweisen monatlich dafür einen Betrag. Ist ein Gerät nicht mehr interessant, schicken es die Kunden einfach an Grover zurück. Aber auch ein Kauf ist nach dem Ende der Leihzeit möglich. Gründer Cassau verspricht den Verbrauchern nicht nur einen einfacheren Zugang zu neuer Technik. Nutzer würden durch dieses Konzept auch einen Beitrag für den Umweltschutz leisten. „Grover verändert die Art, wie wir mit Produkten umgehen“, sagt Cassau.

Die Idee ist Investoren nun erneut viel Geld wert. Grover verkündete am Dienstag den Abschluss einer neuer Finanzierungsrunde: 41 Millionen Euro sammelte das Unternehmen von verschiedenen Geldgebern ein, unter anderem steckt auch ein strategischer Frühphaseninvestor der Commerzbank Gruppe sowie der Investmentarm des Elektronikkonzerns Samsung Geld in das Geschäftsmodell der Berliner Firma.

Inklusive der jüngsten Finanzierungsrunde hat Grover seit der Gründung im Jahr 2015 nun bereits mehr als 100 Millionen Euro eingesammelt. Das zusätzliche Kapital läute eine neue Wachstumsphase für Grover ein, verkündet das Unternehmen. Mithilfe der neuen Finanzierung solle unter anderem in die Innovation und Erweiterung des eigenen Produktangebots investiert werden. Darüber hinaus nutze das Unternehmen die neuen Mittel zur internationalen Expansion. Seit Mitte September ist Grover in Österreich verfügbar, bis Anfang des kommenden Jahres plant die junge Firma den Markteintritt in zwei weitere europäische Märkte.

Verbraucherzentrale sieht auch Nachteile für die Kunden

Derzeit hat Grover nach eigenen Angaben rund 300.000 registrierte Nutzer, die mehr oder weniger regelmäßig Technik über das Berliner Portal anmieten. Zusätzlich arbeitet das Start-up mit Händlern zusammen. In mehr als 500 Elektronikmarkt-Filialen von MediaMarkt, Saturn, Gravis und Conrad ist das Grover-Angebot aktuell verfügbar.

Kannibalisierungseffekte, etwa dass Kunden keine Produkte mehr kaufen, sondern nur noch leihen, seien bislang nicht zu erkennen gewesen, erklärt Firmenchef Cassau.

Auch für Technikhersteller habe das Miet­angebot von Grover Vorteile, glaubt der Gründer. Gerade bei teurer neuer Hardware gelinge so viel einfacher als früher der Einstieg in den Markt. Möglicherweise ist das auch für Samsung ein Grund, sich finanziell bei den Berlinern zu engagieren.

Michael Cassau, der Grover vor vier Jahren unter dem Namen Byebuy aufgebaut hatte, sieht das neue Investment auch als Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs des Unternehmens: „Ich freue mich außerordentlich über das große Vertrauen unserer Investmentpartner in den langfristigen und nachhaltigen Geschäftserfolg von Grover. Unsere mehrstufige Gesamtfinanzierung im dreistelligen Millionen-Bereich beweist, dass Grover zur Liga der deutschen Top-Start-ups zählt“, erklärt Cassau. Die Investition ermögliche es Grover, Service- und Produktinnovationen voranzutreiben und neue und internationale Kundengruppen von zukunftsweisendem Miet-Service für Unterhaltungselektronik zu überzeugen, so der Unternehmer weiter.

Mit Blick auf die Kunden des Start-ups hatte die Berliner Verbraucherzentrale allerdings bereits im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, genau hinzuschauen. Denn „die Miete ist im Vergleich zum Kauf der Geräte, auf deren Lebenszeit gerechnet, in den meisten Fällen deutlich teurer“, teilten die Verbraucherschützer damals auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Für Verbraucher sei das Leihen vor allem dann sinnvoll, wenn die Geräte nur kurzzeitig gebraucht würden, beispielsweise nach einem Umzug.

Im Schadensfall trägt Grover 90 Prozent der Kosten

Das Mietangebot sei aber eine gute Möglichkeit, neue Produkte auszuprobieren. Die Einrichtung warnte allerdings davor, zu viele Geräte gleichzeitig anzumieten. „Verbraucher könnten sonst leicht den Überblick über die Kosten verlieren und so in eine Schuldenfalle geraten“, so die Verbraucherzentrale. Risiken sahen die Verbraucherschützer damals auch noch im Schadensfall. Mitte 2018 übernahm Grover lediglich die Hälfte der anfallenden Reparaturkosten, sollte ein Gerät während der Mietdauer kaputt gehen. Inzwischen ist das Unternehmen einen Schritt auf seine Kunden zugegangen: Nur noch zehn Prozent der Reparaturkosten müssen die Kunden noch selber tragen.