Neueröffnung

Discounter-Duell – Lidl greift Aldi an Düsseldorfer „Kö“ an

| Lesedauer: 6 Minuten
ALDI vs. LIDL: Dieser Discounter ist wirklich besser – unser Test

ALDI vs. LIDL- Dieser Discounter ist wirklich besser – unser Test

Panorama Video

Beschreibung anzeigen

Lidl rückt Aldi immer mehr auf die Pelle. Wie sehr die Discounter unter Druck stehen, wird auch an der „Kö“ in Düsseldorf deutlich.

Düsseldorf. Sehen und gesehen werden in Shops von Prada, Chanel und Armani: Die Düsseldorfer Königsallee – meist einfach nur „Kö“ genannt – ist vor allem bekannt als Luxusmeile für Shoppingbegeisterte. Teuer darf es sein, für billig hat der Einkaufsboulevard nicht viel übrig. Fast wie zwei Fremdkörper wirken da die schnöden Logos der Lebensmittel Discounter Aldi und – neu seit diesem Donnerstag – Konkurrent Lidl.

Schon als Aldi im Sommer 2014 eine Filiale an einem Ende dieses renommierter Standorts eröffnete, staunten die Rheinländer nicht schlecht. Nun zieht Lidl nach, mit einem Geschäft in Sichtweite der Konkurrenz.

Für den Handelsexperten Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der „Lebensmittel Zeitung“ hat die Lidl-Eröffnung auf der „Kö“ symbolischen Charakter. Der immer schärfer werdende Zweikampf der Discounter werde dadurch ganz deutlich sichtbar. „Lidl rückt Aldi immer mehr auf die Pelle“, sagt der Experte. Seit Jahren verkleinert der Discounter aus Neckarsulm Schritt für Schritt die Distanz zum deutschen Marktführer Aldi.

Aldi und Lidl stehen unter erheblichen Druck

Die Konkurrenz zwischen den Discountern wird nicht nur auf der „Kö“ deutlich, sondern auch, wenn man betrachtet, wie Aldi und Lidl um billige Preise kämpfen. Zudem lassen sich die Discounter immer neue Produkt-Angebote einfallen, um Kunden zu gewinnen. So verkauft etwa Lidl, dessen Gründer Dieter Schwarz vor wenigen Tagen 80 Jahre alt wurde, seit August vegane Veggieburger und bringt fortan auch veganes Hack in die Kühltheke. Mit einem veganen Burger zum Dumpingpreis zog Aldi nach. Das Mülheimer Unternehmen setzt derweil auf einen neuen Anstrich und will mit neuem Filialdesign mehr Frische versprühen.

Und auch der Ton wird harscher: So reizte Lidl kürzlich den Rivalen mit Plakaten mit dem Motto: „Lidl lohnt sich. ALDI anderen sind teurer“. Aldi feierte sich im Gegenzug nur wenige Tage später in einer Digitalkampagne als der „Erfinder von günstig“. Die kaum versteckte Botschaft: Lidl sei eigentlich nur ein Nachahmer.

Beide Discount-Ketten stehen unter erheblichem Druck. Denn nach einer Marktanalyse der Gesellschaft für Konsumforschung verloren die Billiganbieter insgesamt in den ersten sechs Monaten spürbar Marktanteile an die großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe. „Während die Super- und Verbrauchermärkte ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2019 um gut zwei Prozent, die Drogeriemärkte sogar um knapp drei Prozent steigern konnten, müssen sich die Discounter um eine „schwarze Null“ bemühen“, berichtet die GfK.

Aldi, Lidl und Co. machen Abstriche bei Ladengröße

Dabei investieren die Discounter seit Jahren Milliarden, um ihre Geschäfte attraktiver zu machen und mehr Kunden anzulocken. Wo einst Holzpaletten und kaltes Neonlicht die Läden prägten, sorgen jetzt aufwendige Backstationen, immer mehr Obst und Gemüse und eine immer großzügigere Ladengestaltung für ein angenehmes Einkaufsambiente. Neueröffnete Discounter am Rand der Wohngebiete haben inzwischen oft Verkaufsflächen von 1200 Quadratmetern und mehr. Sie sind damit so groß wie klassische Supermärkte.

Gleichzeitig suchen die Discounter aber auch immer öfter nach neuen Standorten in den Innenstädten wie etwa an der Düsseldorfer „Kö“ – und nehmen dabei auch Abstriche bei der Ladengröße in Kauf. „Die Discounter müssen dahin gehen, wo die Kunden sind“, erklärt der Handelsexperte Queck die Entwicklung. Schließlich sei der Trend zur Urbanisierung gerade unter den jüngeren Leuten ungebrochen. Und die seien die Zukunft – auch für Aldi, Lidl und Co.

Erst im Februar eröffnete Lidl am Isartor in München eine Filiale mit gerade einmal 503 Quadratmetern. Das neue Geschäft sei damit „zwei Nummern kleiner“ als eine normale Filiale, berichtete damals die „Lebensmittel-Zeitung“. Dennoch ergibt die Neueröffnung in den Augen von Lidl Sinn. Durch den Zuzug in die Großstädte würden die Flächen knapper. „Wenn wir trotzdem nahe bei den Kunden sein wollen, müssen wir uns anpassen“, betonte damals ein Lidl-Manager.

Lidl profitiert von Aldi-Nachbarschaft an der „Kö“

Auch die neue Lidl-Filiale an der „Kö“ hat nur rund 700 Quadratmeter. Attraktiv sind für den Discounter vor allem die hohen Kundenfrequenzen in der belebten Innenstadtlage. Die Filiale liege ideal, um sich im Vorbeigehen schnell und unkompliziert mit frischem Obst und Gemüse, Fertigprodukten oder Waren für den täglichen Bedarf einzudecken, heißt es bei Lidl. Und dass der Konkurrent Aldi in direkter Nachbarschaft präsent sei, sei auch ein Vorteil. „Mehr Händler bedeuten eher, dass die Anziehungskraft dieses Standortes insgesamt noch weiter steigt.“

Dennoch sind derartige Filialen in den Innenstädten eine Herausforderung für Aldi und Lidl, ist Handelsexperte Queck überzeugt. „Innenstadtlagen sind für Discounter nicht einfach zu handhaben. Sie sind schwieriger zu bekommen, die Läden oft deutlich kleiner als üblich, die Mieten dafür in der Regel deutlich höher als an den klassischen Discounter-Standorten.“

Trotz aller Herausforderungen sind die Preise in den Innenstadtläden aber bislang die gleichen wie in den Filialen am Stadtrand. Ob dies allerdings auf Dauer so bleibt, daran hat Handelsexperte Queck seine Zweifel. „Mittel- oder langfristig könnte das Einkaufen in den Innenstadtläden durchaus etwas teurer werden als in den Geschäften auf der grünen Wiese“, glaubt er. Aldi habe ein solches Modell im besonders teuren London mit seinen „Aldi local“-Läden bereits vorexerziert. „Dort kosten die Produkte schon heute etwas mehr als im normalen Aldi.“ (jkali/dpa)