Insolvenz

Thomas-Cook-Pleite: Hotel versperrt Essenern die Zimmer

Von wegen Bilderbuch-Urlaub: Eine Essener Familie sieht sich als Opfer der Thomas-Cook-Pleite. Sie muss ihr Hotelzimmer doppelt zahlen.

Das Gran Conil Hotel nahe Cádiz an der spanischen Costa del Sol: Die Essener Familie, die ihre 14-Tage-Pauschalreise bei der Thomas-Cook-Tochter Neckermann Reisen gebucht und bereits bezahlt hat, muss fürs Zimmer noch mal zahlen.

Das Gran Conil Hotel nahe Cádiz an der spanischen Costa del Sol: Die Essener Familie, die ihre 14-Tage-Pauschalreise bei der Thomas-Cook-Tochter Neckermann Reisen gebucht und bereits bezahlt hat, muss fürs Zimmer noch mal zahlen.

Essen. Das Gran Conil, eine schicke Hotelanlage nahe Cádiz in Andalusien, wirbt vollmundig mit seinem „einzigartigen Charakter“: Vier Sterne, avantgardistisches Design, „unvergesslicher Blick auf den langen Strand La Fontanilla“. Und ideal für den Familienurlaub, das wird besonders betont. Doch Andrea K. aus Essen und ihre Familie spüren von diesen vermeintlichen Vorzügen im Moment herzlich wenig. Die Essener sehen sich als Opfer der Thomas-Cook-Pleite und beschreiben das, was die Hotel-Direktion mit ihnen anstellt, mit einem einzigen Wort: „Terror“.

Zwei Wochen Andalusien, noch einmal richtig Sonne tanken und die Akkus aufladen. Andrea K. fährt schon zum zehnten Mal an die Costa del Sol, die Sonnenküste, davon zum vierten Mal ins Gran Conil. „Ich war dort immer zufrieden“, berichtet sie. Für die Neckermann-Pauschalreise – 14 Tage Hotel, zwei Zimmer, Halbpension und Flug – haben die Essener schon vor Reiseantritt rund 5000 Euro bezahlt.

Andrea K. teilt sich ein Zimmer mit ihrem Partner, das zweite Zimmer belegen ihre Tochter und die anderthalbjährige Enkelin. Die Kleine reist kostenlos mit. „Letzten Freitag sind wir angekommen.“ Die Koffer im Gran Conil sind gerade ausgepackt, da stürzt die Thomas-Cook-Pleite die Essener in jähe Turbulenzen. „Dabei haben wir bei Neckermann Reisen gebucht, das von der Insolvenz gar nicht betroffen ist.“ Die wichtigsten Fragen für Reisende mit Thomas Cook.

Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook
Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook

Thomas Cook pleite: Spanisches Hotel traut Neckermann-Reisenden nicht

Doch die feine Unterscheidung zwischen dem insolventen britischen Thomas-Cook-Konzern und seiner liquiden deutschen Tochter macht das von Spaniern geführte Hipotel Gran Conil ganz offenbar nicht. „Die Hotelleitung hat uns einen Zettel ins Zimmer gelegt mit der Aufforderung, das Zimmer sofort zu bezahlen.“ Eine Maßnahme, die zunächst nur irritiert, denn das Zimmer ist ja schon bezahlt. Aber die Neckermänner spüren eines: Sie werden mit Thomas Cook in einen Topf geworfen.

Montag, am Tag der spektakulären Thomas Cook-Pleite, trifft es die Essener – und mit ihnen schätzungsweise 40 weitere Gäste – dann knüppelhart. „Wir saßen beim Essen, als der Zugang zu den Zimmern gesperrt wurde.“ Die erste, die diese drakonische Maßnahme zu spüren bekommt, ist ihre Tochter. „Sie wollte der Kleinen die vollen Windeln wechseln, doch die Zimmertür ließ sich mit der Magnetkarte nicht mehr öffnen.“

An der Rezeption kommt es zu einem zweistündigen, erbitterten Gerangel zwischen Direktion und Ausgesperrten. Andrea K. telefoniert mit dem Essener Reisebüro, bei dem sie die Reise gebucht hat. Doch dort wird sie an die Neckermann-Reiseleitung vor Ort verwiesen. Weitere Telefonate mit der Rechtsschutzversicherung und mit dem Rechtsanwalt folgen.

Ein erboster Gast im Gran Conil droht mit der Polizei – und darf auf sein Zimmer

Die Reiseleiterin empfiehlt, auf die Forderung der Hoteldirektion einzugehen und zu zahlen. Das zu viel gezahlte Geld könne ja später von der Versicherung zurückgefordert werden. Rein rechtlich sieht es tatsächlich gut aus für die Essener. Wer Pauschalreisen bei Neckermann bucht, profitiert von dem dazu gehörenden Sicherungsschein. Doch die bange Frage, die sich die Reisenden stellen, ist: Werden die rund 110 Millionen Euro, die bei den Versicherungen hinterlegt sind, überhaupt reichen, um die Ansprüche aller Pleite-Opfer zu decken? Die Zweifel wachsen.

Die spanische Hotelleitung rechtfertigt sich gegenüber den aufgebrachten Gästen damit, dass sie seit Juni keinen Euro mehr erhalten habe – weder von Thomas Cook noch von Neckermann. Doch ein erboster Gast weigert sich hartnäckig, fürs bezahlte Zimmer ein zweites Mal zu zahlen. Er droht mit der Polizei – und setzt sich durch: Er darf nun doch auf sein Zimmer.

Die meisten jedoch glauben, dass sie in diesem zähen Ringen am kürzeren Hebel sitzen – und geben klein bei. Auch Andrea K. zahlt: 240 Euro am Montag und weitere 240 Euro am Dienstag. „Ich war total fertig.“ Peinlich: Das Gran Conil muss einen Techniker kommen lassen, der die verriegelten Zimmertüren wieder öffnet. „Sie haben die Sperrung nicht mehr rausgekriegt.“ Erst als die Türen wieder geöffnet sind, kann Andrea K. bezahlen. „Meine Kreditkarten lagen ja im Hotelzimmer im Tresor.“

Bundesregierung will in nächsten Tagen über Condor-Hilfen entscheiden
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Die Essenerin sagt: „Das Wetter ist spitze, aber die Stimmung im Eimer“

Und wie geht der Krimi im Gran Conil nun weiter? Die Essener hoffen, dass die Neckermann-Reiseleitung eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung findet. Die Vorstellung, die verbleibenden zehn Tage noch 2400 Euro hinblättern zu müssen, vermiest Andrea K. die Laune noch mehr. „Die Stimmung ist im Eimer“, sagt sie. Auch andernorts forderten Hotels nach der Thomas-Cook-Pleite von Urlaubern zusätzliches Geld.

Der Himmel an der Costa del Sol ist an diesem Dienstag azurblau und der Atlantik noch aufgeheizt vom Sommer. Bilderbuchwetter an der Sonnenküste. Doch die Urlaubsfreude ist für die Essener Familie wie weggeblasen. Andrea K. fügt kleinlaut hinzu: „Es gibt jetzt Gerüchte, dass Condor Kunden von Thomas Cook und vielleicht auch Neckermann nicht mehr im Flieger mitnimmt.“

Wegen der Thomas-Cook-Pleite bangt auch eine deutsche Urlauberin auf Rhodos um ihren Rückflug mit Condor.Und ein Brite namens Thomas Cook fürchtet sogar um seine Hochzeit. Wer alles zu Thomas Cook gehört: Das ist die Liste der Tochterunternehmen.