Condor

Thomas Cook: Deutsche Urlauberin bangt auf Rhodos um Condor

Eine Hamburgerin wollte ihren Urlaub auf der griechischen Ferieninsel genießen. Jetzt bangt sie, ob sie mit Condor zurückkommen kann.

Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook

Am Montag und Dienstag wollten von Deutschland aus 21.000 Menschen mit Thomas Cook abheben.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Zwei Wochen lang wollte Elena Rudolph zusammen mit ihrer Tochter den Spätsommer auf der Insel Rhodos genießen. Schon vor einem Jahr buchte die Hamburgerin die Pauschalreise mit Thomas Cook Signature, der Premiummarke des britischen Reisekonzerns.

Per Condor-Maschine ging es für die 53-Jährige zusammen mit ihrer 21-jährigen Tochter auf die griechische Ferieninsel ins Casa Cook Rhodos, einem Ressort von Thomas Cook. Doch mit dem entspannten Urlaub ist es seit Bekanntwerden der Insolvenz des ältesten Reiseveranstalters der Welt für die Hamburgerin zunächst vorbei.

An diesem Mittwoch hat auch die deutsche Tochter von Thomas Cook Insolvenz angemeldet. Nun muss vor allem die Rückkehr der rund 140.000 Urlauber organisiert werden, die in Hotels und Ferienclubs gestrandet sind. Alle neuen Reisen hatte Thomas Cook Deutschland bereits zu Wochenbeginn gestoppt.

Denn sie hofft darauf, dass ihr Rückflug mit Condor weiter stattfindet. Doch das ist noch unklar. Die Bundesregierung und das Land Hessen wollen den Ferienflieger trotzt der Pleite der britischen Mutter mit einem 380 Millionen Euro schweren Darlehen stützen. Da es sich dabei um Staatshilfe handelt, muss die EU-Kommission zustimmen.

Thomas-Cook-Pleite – Darum geht es:

  • Kunden von Thomas Cook sind wegen der Pleite verunsichert
  • Denn sie hat große Auswirkungen auch auf andere Unternehmen und die vielen Tochterfirmen des Reisekonzerns
  • Eine Urlauberin schildert, was sie auf Rhodos erlebt und wie sie um ihren Rückflug mit Condor bangt

Sie würden in Übereinstimmung mit der Bundeshaushaltsordnung geprüft. Das Wirtschaftsministerium stehe in engem Kontakt mit dem Finanz- sowie Verkehrsministerium. Der Ferienflieger, der etwa 4900 Menschen beschäftigt und seinen Flugbetrieb aufrecht hält, erklärte: „Wir freuen uns über jedes positives Signal.“ Man sei überwältigt von dem Zuspruch von Mitarbeitern, Kunden, Partnern und Lieferanten.

Bundesregierung will in nächsten Tagen über Condor-Hilfen entscheiden
Bundesregierung will in nächsten Tagen über Condor-Hilfen entscheiden

Altmaier sendet zwar positive Signale. Dennoch ist unsicher, ob die Airline das Geld auch bekommt. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen kommt. Am Dienstag hielt Condor seinen Betrieb weiter aufrecht. Alle Flüge sollten wie geplant durchgeführt werden, hieß es. Ob das auch für Elena Rudolph zählt, ist noch ungewiss.

Condor: Fliegt die Airline am Donnerstag noch?

„Ich habe schon im Vorfeld gehört, dass es bei Thomas Cook und Condor eine finanzielle Schieflage gibt. Aber ich habe gedacht, dass der chinesische Investor Fuson es schon hinbekommt“, berichtet Rudolph.

Eineinhalb Wochen lang verbrachte sie einen schönen Urlaub am Meer, mit viel Sonnenschein. Dann kam am Freitagabend die Meldung, dass die Rettung des ältesten Reisekonzerns der Welt zu scheitern drohe.

Als Rudolph am Montagmorgen auf ihr Handy sah, war aus der Befürchtung Gewissheit geworden: Thomas Cook ist pleite. Da Condor aber den Flugbetrieb aufrecht erhält, hofft die 53-Jährige, am Donnerstag doch noch wie geplant zurück in die Hansestadt fliegen zu können. „Am Montag habe ich wichtige berufliche Termine, da muss ich zurück sein“, sagt Rudolph.

Thomas Cook ist pleite
Thomas Cook ist pleite

Viele Flieger waren am Montag bereits ausgebucht

Daher habe sie bereits nach Alternativen gesucht. Am Sonntagabend hätten zwei Flugtickets von Rhodos nach Hamburg noch 199 Euro gekostet. Doch nach der Insolvenz-Meldung sei der Andrang enorm gewesen, viele Flieger ausgebucht, die Ticketpreise hoch. „Stündlich wird es schwieriger“, berichtet Rudolph. Auch interessant: Das sind die Tochterfirmen von Thomas Cook.

Würde Rudolph sich und ihrer Tochter selbst einen Rückflug organisieren, müsste sie den aus eigener Tasche bezahlen. Anspruch auf Erstattung hätte bei einem selbstgebuchten Rückflug nur, wenn der geplante Rückflug am Donnerstag nicht stattfindet und ihr seitens des Veranstalters oder des Pauschalreisen-Versicherers kein Ersatzflug vermitteln würde. Was Reisende nach der Insolvenz von Thomas Cook jetzt wissen müssen.

Der Urlaubseffekt sei jedenfalls dahin. „Natürlich kann ich die Zeit jetzt nicht mehr so gelassen am Swimming Pool verbringen“, sagte Rudolph. Stattdessen überprüfe sie regelmäßig, wie der aktuelle Stand zu Condor ist. Die hessische Fluglinie hat die Bundesregierung um einen Kredit gebeten.

Von Condor gab es keine direkte Benachrichtigung

Eine direkte Benachrichtigung, wie es weitergeht, gab es von Condor bisher nicht. „Klar wäre eine SMS schön gewesen“, meint Rudolph. Alleine gelassen fühle sie sich aber nicht, über die Medien informiere sie sich über den gegenwärtigen Stand. Die Ungewissheit sei zwar „nervig“, andererseits „bin ich an einem wunderschönen Ort mit strahlendem Sonnenschein.“

Und im Gegensatz zu einem Hotel in Tunesien, wo laut BBC Gäste am Auschecken gehindert worden seien, sei auch das Hotelpersonal ausgesprochen freundlich. Ein Thomas-Cook-Reiseleiter, seit Montag arbeitslos, habe beschlossen, die Gäste nicht im Stich zu lassen und hätte sich den Tag über „rührend“ um die Urlauber gekümmert. Das ist die Liste von Tochterfirmen von Thomas Cook.

Eine Notlösung hat die Hamburgerin auch schon parat

Leid täten ihr vor allem die vielen Mitarbeiter des Unternehmens, sagt Rudolph. Aber auch für die zahlreichen Briten, die gerade angekommen seien und für die der Urlaub quasi schon beendet sei, bevor er angefangen habe, sei die Pleite sehr ärgerlich. Insgesamt sei die Stimmung aber gelassen, berichtet Rudolph. Lesen Sie hier: Die Thomas-Cook-Pleite zeigt, dass Reisende mehr Schutz brauchen.

Und wenn am Donnerstag Condor den Flugbetrieb eingestellt haben sollte? „Zur Not muss ich halt nach Hamburg trampen“, hat Rudolph eine Lösung parat. Es wäre nicht das erste Mal. Im Alter von 18 Jahren war sie schon einmal getrampt – damals von Hamburg nach Griechenland.