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Entlastung für Berliner Rentner bei der Krankenversicherung

Die Neuregelung zu den Zusatzkosten erspart bis zu 84 Euro im Jahr. Experten warnen jedoch vor steigenden Beiträgen.

Im Gegensatz zu den Männern fehlen Frauen bei der Rente oft mehrere Tausend Euro.

Im Gegensatz zu den Männern fehlen Frauen bei der Rente oft mehrere Tausend Euro.

Foto: Stephan Scheuer / dpa

Berlin. Die zum Jahreswechsel beschlossenen Änderungen für Versicherte bei den gesetzlichen Krankenkassen haben auch Rentner in Berlin deutlich entlastet. Das geht aus neuen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) vor. Demnach erspart die wieder eingeführte Parität in der gesetzlichen Krankenversicherung Rentner im Westen Berlins 66 Euro im Jahr. Rentner im Ost-Teil der Stadt sparen sogar 84 Euro jährlich.

Arbeitgeber müssen seit Anfang des Jahres wieder die Hälfte des Zusatzbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung übernehmen. Bei Rentnern kommt die Krankenversicherung der Rentner (KvdR) für die Hälfte des Zusatzbeitrags auf. Zuvor hatten Arbeitnehmer und Rentner den Beitrag in Höhe von durchschnittlich 1,0 Prozent allein aus ihrer Tasche bezahlt.

Zusätzliche jährlichen Kosten für die Rentenversicherung

Grundlage für die DIW-Berechnung ist die durchschnittlich gezahlte Bruttorente, die im Jahr 2018 im Ost-Teil Berlins bei etwa 1418 Euro lag. Sie ist derzeit so hoch wie nirgendwo sonst im Bundesgebiet. Das liegt auch an der hohen Zahl der Bestandsrentner im Osten der Stadt, die noch von der Anrechnung der Beschäftigungszeiten aus der DDR profitieren.

„Die seit 2019 wieder geltende paritätische Finanzierung der kassenindividuellen Zusatzbeiträge entlastet die Rentner, umgekehrt steigen dadurch aber die Ausgaben der Krankenversicherung der Rentner“, sagte DIW-Forscher Johannes Geyer der Berliner Morgenpost. Die Bundesregierung schätzt die zusätzlichen jährlichen Kosten für die Rentenversicherung auf 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Alle gesetzlich Versicherten, also Arbeitnehmer und Rentner, werden durch die Rückkehr zur Beitragsparität im Gegenzug jedes Jahr um etwa 6,9 Milliarden Euro entlastet.

Linke im Bundestag fordert weitere Entlastungen für Rentner

Perspektivisch könnten die gestiegenen Kosten aber zu höheren Beitragssätzen für die gesetzliche Rentenversicherung und zu weniger stark steigenden Renten führen, warnte Geyer. Derzeit ist der von Arbeitnehmern zu zahlende Beitragssatz zur Rentenversicherung mit 18,6 Prozent des Bruttoeinkommens auf dem niedrigsten Niveau seit zwei Jahrzehnten. In den nächsten Jahren dürfte der Beitragssatz durch den Eintritt geburtenstarker Jahrgänge in das Rentenalter allerdings wieder ansteigen.

Mit Blick auf die Krankenversicherung fordert die Linke im Deutschen Bundestag weitere Entlastungen für Rentner. So plädiert die Partei unter anderem für eine vollständige Kostenübernahme bei den bisher allein durch die Versicherten geleisteten Zuzahlungen und auch bei Selbstzahlerleistungen wie für Sehhilfen oder Zahnersatz. Ein Grund: Allein durch die Sonder- und Zusatzbeiträge hätten Versicherte seit Mitte 2005 rund 145 Milliarden Euro mehr in die Krankenversicherung eingezahlt als die Arbeitgeber, beklagte der rentenpolitische Sprecher der Links-Fraktion, Matthias W. Birkwald, und beruft sich dabei auf Angaben der Bundesregierung.

FDP lehnt weitere Entlastungen von Rentnern ab

Die SPD sieht vor allem in Fragen des Krankengelds noch Entlastungsspielraum. Im Gegensatz zu gesetzlich versicherten Arbeitnehmern bekommen Ruheständler bei längerer Krankheit kein Krankengeld. Trotzdem zahlen Rentner den gleichen Beitragssatz wie Berufstätige, beklagte Martin Rosemann, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der SPD-Fraktion. Daher sollten Rentner künftig nicht mehr den vollen Beitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 14,6 Prozent zahlen, sondern den ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent, so Rosemann.

Mit der Idee trifft die SPD auch den Nerv der Sozialverbände: Dass für Rentner, die keinen Anspruch auf Krankengeld haben, der gleiche Beitragssatz wie für Versicherte gilt, die bei längerer Krankheit Krankengeld erhalten, sei nicht fair, sagte die Sprecherin des Sozialverbands VdK Deutschland, Cornelia Jurrmann. Ein ermäßigter Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung würde die bestehende Ungerechtigkeit beseitigen, so Jurrmann.

Die FDP hingegen lehnt weitere Entlastungen von Rentnern ab. „Schon heute sind die Leistungsausgaben für Rentner deutlich höher, als deren Beiträge. Hier müssen wir die Generationengerechtigkeit im Auge behalten und dürfen sie nicht überdehnen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Christine Aschenberg-Dugnus. Eine Möglichkeit sieht die Partei aber in der Abschaffung der sogenannten Doppelverbeitragung von Betriebsrenten.

Seit einer Reform im Jahr 2004 fällt auf diese Vorsorgeart bei der Auszahlung der volle Krankenkassenbeitrag an. Das heißt, Empfänger müssen also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil an ihre Krankenkasse abführen.

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