Wohnen

Mieten: Wo Studenten am günstigsten - und am teuersten leben

Studenten müssen fürs Wohnen immer mehr Geld ausgeben – ob WG-Zimmer oder Wohnung. Hier wohnen sie am günstigsten – und teuersten.

Ein Zettel mit der Aufschrift „Suche WG-Zimmer“ hängt an einem Schwarzen Brett in der Universität in Düsseldorf.

Ein Zettel mit der Aufschrift „Suche WG-Zimmer“ hängt an einem Schwarzen Brett in der Universität in Düsseldorf.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Berlin.  In Berlin sind die Preise explodiert, in NRW schwanken die abgefragten Beträge von Stadt zu Stadt. Dafür lebt es sich im Osten noch verhältnismäßig günstig: Die Mieten, die Studenten zahlen müssen, sind extrem unterschiedlich. Oft vor allem aber eins – teuer.

Das ist ein Problem: Denn gerade nach dem Abitur verfügen nur die wenigsten über das nötige Einkommen, um sich auch eine eigene Wohnung leisten zu können. Die Schwierigkeiten beginnen, wenn man einen Studienplatz bekommen hat und die künftige Uni in Städten wie München, Frankfurt oder Hamburg liegt.

Denn obwohl sich Studenten mit immer kleineren Wohnungen oder Zimmern begnügen, müssen sie immer mehr Geld dafür hinblättern. Allerdings gibt es bei den Mieten je nach Region und Stadt erhebliche Unterschiede.

Mieten: Was Studenten im Durchschnitte fürs Wohnen zahlen

Obwohl sich Studenten mit immer kleineren Wohnungen oder Zimmern begnügen, müssen sie immer mehr Geld dafür hinblättern. Studierende zahlen derzeit bundesweit im Schnitt 386,18 Euro Warmmiete für ihre Bleibe – und damit 16 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren mit 332,43 Euro. Dieser Preis wird durchschnittlich für 28,9 Quadratmeter Wohnfläche verlangt, während sie 2014 noch im Schnitt auf etwas größerem Raum – und zwar 29,3 Quadratmeter – lebten.

Dies geht aus einer repräsentativen Befragung unter 22.000 Studierenden in Deutschland hervor, die von dem Personaldienstleister Studitemps und der Maastricht University erhoben wurde. Die Mietpreise wurden für das Wintersemester 2018/19 abgefragt.

Die günstigsten Städte liegen in Ostdeutschland, die teuerste am Bodensee

Tendenziell gilt: Die günstigsten Unistädte liegen in Ostdeutschland, die teuersten sind westdeutsche Großstädte. Die Studentenstadt mit den höchsten Mieten ist Konstanz: In der Stadt am Bodensee müssen Studenten im Schnitt 20,12 Euro pro Quadratmeter hinlegen. Am günstigsten ist es in Halle (Saale) mit 11,26 Euro. Dies entspricht einer Differenz von etwa 80 Prozent.

Zu den teuersten Städten nach Konstanz zählen:

  • München (20,05 Euro pro Quadratmeter)
  • Hamburg (19,27)
  • Frankfurt (18,74)
  • Wiesbaden (17,96)
  • Berlin (16,53)

Besonders in München, wo die Mieten in den vergangenen Jahren explodiert sind, ist eine Singlewohnung für Studenten finanziell kaum noch zu stemmen, ergibt eine aktuelle Erhebung von immowelt.de: Für im Median 690 Euro werden Wohnungen in München bis 40 Quadratmeter aktuell angeboten.

Auch für die Studentenstadt Tübingen stellt die Suchplattform noch eine preisliche Steigerung fest. Dort hätten sich die Mieten innerhalb eines Jahres um 22 Prozent gesteigert. Aufgrund der Vielfalt des Studienangebotes und des hohen Forschungsniveaus ist die Universität Tübingen eine der renommiertesten Hochschulen Deutschlands. Aktuell studieren dort knapp 28.000 angehende Akademiker - somit ist rund jeder dritte Einwohner Tübingens an der Universität eingeschrieben.

Am günstigsten wohnen Studierende neben Halle in den ostdeutschen Städten Erfurt (11,78) und Leipzig (12,15), in Jena werden schon 13,21 Euro verlangt. Vergleichsweise preiswerter sind in Westdeutschland die Städte Essen (12,23) und Kassel (12,27), die auf den hinteren Plätzen der 50 ausgewählten Städte landen.

Mieten in Berlin stiegen in fünf Jahren um 31 Prozent

„Wir sehen in den größten Städten, also Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt, seit 2014 eine Mietpreissteigerung“, sagt der Chef des Personaldienstleisters Studitemps, Eckhard Köhn. In Berlin stiegen die Warmmieten dabei seit 2014 mit am stärksten – und zwar um 31 Prozent.

„War Berlin in den letzten Jahren noch die günstigste Metropolstadt, hat die Hauptstadt in diesem Jahr Köln überholt. Köln bietet jetzt mit durchschnittlich 15,88 Euro den günstigsten Quadratmeterpreis unter den fünf bevölkerungsreichsten deutschen Städten.“

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Stundenlöhne für Studentenjobs sind gestiegen

In Nordrhein-Westfalen variiert das Mietniveau je nach Stadt: Die höchsten Preise werden in Bonn und Düsseldorf erzielt. Etwas günstiger ist es in Dortmund, Bochum oder Wuppertal. Berliner Studenten finden wiederum im benachbarten Potsdam (14,06) die günstigeren Residenzen. In Braunschweig zahlen die Studierenden im Schnitt 14,35 Euro je Quadratmeter. In klassischen Uni-Städten wie Freiburg (17,30), Heidelberg (16,19) oder Tübingen (15,83) muss man ebenfalls tief in die Tasche greifen.

Das vielleicht einzig Positive an der Entwicklung ist, dass zumindest auch die Stundenlöhne für Studentenjobs in den vergangenen Jahren gestiegen sind – und zwar laut Befragung um rund 22 Prozent von 9,23 Euro auf 11,29 Euro je Stunde. Damit müssen Studenten aktuell laut Studie noch 34,2 Stunden für ihre Miete arbeiten, 2014 mussten sie noch 36 Stunden dafür malochen. Zwei Drittel der Studierenden haben Nebenjobs: So unterschiedlich verdienen Studenten.

Jeder Vierte wohnt im Studium bei den Eltern, in Hamburg sogar jeder Dritte

Die Mietpreisentwicklung ist wohl auch ein Grund dafür, weshalb bundesweit jeder vierte Studierende auch während des Studiums weiterhin bei seinen Eltern oder Verwandten wohnen bleibt. „Wer aus der Großstadt kommt und dort auch zum Studieren bleibt, wohnt einfach weiter bei den Eltern. Die hohen Mieten lassen den Schritt zu mehr Selbstständigkeit oftmals nicht zu“, sagte Geschäftsführer Eckhard Köhn.“

Aktuelle Zahlen aus dem vergangenen Wintersemester 2018/19 zeigen, dass beispielsweise in Frankfurt am Main weit mehr als jeder dritte Student (37,2 Prozent) noch zu Hause wohnt. Auch in Hamburg (28 Prozent) und München (33,3 Prozent) ist dies die beliebteste Art für Studenten unterzukommen.

Die meisten Studenten (29,7 Prozent) leben wiederum in Wohngemeinschaften, weitere 26,4 Prozent haben eine eigene Wohnung. Eine Minderheit von 3,9 Prozent lebt zur Untermiete. In Studentenwohnheimen finden bundesweit lediglich 15,5 Prozent eine Bleibe. Denn es fehlt schlichtweg an genügend Plätzen, berichtet Köhn: „Das Extrembeispiel München zeigt, wie angespannt die Lage der Wohnheimplätze ist: Hier waren im Wintersemester 2018/19 insgesamt 10.000 Studierende auf der Warteliste.“

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Mehr Sozialwohnungen für Studenten?

Der Mieterbund kritisiert seit Langem, dass Geringverdiener immer schlechtere Karten haben, eine Wohnung zu finden. Dazu zählen neben Alleinerziehenden, Älteren und Behinderten auch Studenten. Selbst Durchschnittsverdiener stoßen in vielen Städten auf Probleme bei der Wohnungssuche. So könne sich auch die Mittelschicht teils Neubaumieten nicht mehr leisten.

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Der Mieterbund fordert deshalb vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum – unter anderem deutlich mehr Sozialwohnungen. Auch das Bundesinnenministerium appelliert an die Länder, studentisches Wohnen im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung zu fördern. Der Bund will dazu in den Jahren 2020 und 2021 jeweils eine Milliarde Euro beisteuern. Zudem sollen die Länder ab 2020 über die Umsatzsteuerverteilung 500 Millionen Euro zusätzlich erhalten.

Wo das Geld konkret eingesetzt wird, bestimmen jedoch die Länder.