Außenhandel

Minister Müller ruft Firmen zu Investitionen in Afrika auf

Mittels Förderprogrammen will die Bundesregierung mehr Unternehmen nach Afrika locken. Dort ist China den Firmen aber weit voraus.

Deutsche Industriegüter sollen auch in Afrika verstärk zum Einsatz kommen.

Deutsche Industriegüter sollen auch in Afrika verstärk zum Einsatz kommen.

Foto: Christian Vorhofervia www.imago-images.de / imago images / Westend61

Berlin. Der deutschen Wirtschaft geht die Puste aus, im letzten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent und bei Ökonomen wachsen die Befürchtungen vor einer Rezession. Abhilfe soll nun nach Vorstellung der Bundesregierung ausgerechnet der Kontinent schaffen, der bisher nicht gerade für Wirtschaftskraft stand: Afrika.

„Afrika ist ein riesiger Markt mit großen Chancen für deutsche Unternehmen“, sagte Gerd Müller (CSU), Bundesminister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, unserer Redaktion. Bereits vor zwei Jahren versuchte Müller mit seinem sogenannten „Marshallplan für Afrika“, deutsche Unternehmen nach Afrika zu locken.

Der Erfolg hielt sich in Grenzen, bisher sind laut Afrikaverein der deutschen Wirtschaft nur 850 deutsche Unternehmen als Investoren in Afrika tätig. Im deutschen Außenhandel wurden im vergangenen Jahr in alle 54 afrikanischen Staaten Waren im Wert von 22,6 Milliarden Euro exportiert – selbst nach Ungarn verschickten deutsche Unternehmen mehr Güter. An der Vision, deutsche Unternehmen am afrikanischen Aufschwung zu beteiligen, hält die Regierung dennoch fest – und verstärkt sie.

Wirtschaftsnetzwerk soll deutsche Firmen besser vernetzen

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) richtet dafür ein „Wirtschaftsnetzwerk Afrika“ ein. Unternehmen sollen künftig einen Berater an die Seite gestellt bekommen, der sie von der Planung bis zum Markteintritt unterstützt. Dabei müssen die Unternehmen noch nicht einmal Eigeninitiative zeigen, das BMWI will sie aktiv ansprechen. So sollen die Firmen besser auf Außenwirtschaftsförderungen aufmerksam gemacht werden.

Auf die Antragsgebühren für die ersten drei Anträge verzichtet das Ministerium. Auch sollen die Unternehmen besser abgesichert werden. Dafür senkt das BMWI die Exportkreditgarantien. In Ländern wie der Elfenbeinküste oder dem Senegal haften Unternehmen nur noch mit fünf statt bisher zehn Prozent, wenn es zu Schadensfällen mit öffentlichen Bestellern kommt.

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Rezession könnte Blick nach Afrika lenken

Während DAX-Unternehmen bereits seit Jahren Standorte in Afrika unterhalten, richtet sich die Initiative aus dem Wirtschaftsministerium vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). „Bisher hatten deutsche Unternehmen volle Auftragsbücher und damit wenig Appetit auf neue, unbekannte Märkte in Afrika“, sagte Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft.

Der Appetit könnte in Zeiten der drohenden Rezession aber steigen, glaubt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft: „Gerade in einer Rezessionsphase in Deutschland sind die Wachstumspotenziale auf den afrikanischen Märkten von hohem Interesse auch für Mittelständler“, sagte Ohoven unserer Redaktion.

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Maschinenbau boomt in Afrika

Schon im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hat Afrika an Interesse gewonnen: Der deutsche Außenhandel mit Afrika legte um 8,5 Prozent zu. Wichtigster Absatzmarkt für deutsche Unternehmen ist Südafrika, wo im ersten Halbjahr Exporte in Höhe von 4,8 Milliarden Euro zu Buche standen.

Auffällig: Während Maschinenbauer in Deutschland im ersten Halbjahr neun Prozent weniger Aufträge als im Vorjahr verbuchten, legen sie in afrikanischen Ländern zu. Nigeria investierte 67 Prozent mehr in deutsche Maschinen als noch im Vorjahr, nach Ägypten wurden Maschinen im Wert von 431 Millionen Euro geliefert – ein Fünftel mehr als zur selben Zeit im Jahr 2018.

China ist den deutschen Unternehmen voraus

Einer jüngsten Eliten-Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach unter 521 Entscheidern aus Politik und Wirtschaft zufolge rechnen 65 Prozent damit, dass der afrikanische Absatzmarkt in Zukunft wichtiger wird. In einigen Bereichen scheint die deutsche Wirtschaft mit dieser Erkenntnis aber zu spät zu sein.

China verkündete im Vorjahr, 60 Milliarden Dollar in Afrika investieren zu wollen – vor allem im Ausbau der afrikanischen Infrastruktur legen die Chinesen ein hohes Tempo vor und sichern sich mit Exklusivverträgen den Markteintritt. Prestigeprojekt wie die 472 Kilometer lange Bahnstrecke von Mombasa nach Nairobi wurden binnen vier Jahren gebaut.

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Entwicklungsminister Müller kritisiert China

„Gegenüber den Chinesen hat die deutsche Wirtschaft in Afrika erheblichen Nachholbedarf“, sagt Mittelstandspräsident Ohoven. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ist zwiegespalten: „Ich sehe es durchaus positiv, dass die Chinesen in Afrikas Infrastruktur investieren.“

Aber das Geld werde nicht überall nachhaltig eingesetzt, bemängelt der CSU-Politiker: „Es geht China vor allem um die Ressourcen Afrikas, nicht darum, dass die Menschen auf dem Kontinent faire Löhne erhalten und Wertschöpfung vor Ort geschaffen wird. So bringen die Chinesen für Bauprojekte oft ihre eigenen Arbeiter mit und es entstehen keine Jobs für die lokale Bevölkerung.“ Dieser Umstand sollte laut Müller „ein Warnsignal für afrikanische Staaten sein.“

Die deutschen Unternehmen sollen nach Wunsch der Bundesregierung dagegen bei afrikanischen Partnern punkten, indem sie vor Ort Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitskräfte schaffen. Müller ist sich sicher: „Die Chancen für deutsche Unternehmer in Afrika waren nie besser als jetzt.“