Messe in Berlin

IFA will den internationalen Krisen trotzen

Auch wenn sich die Kauflaune leicht eingetrübt, hat ist die Berliner Funkausstellung erneut ausgebucht.

Der Markt für Unterhaltungselektronik verzeichnet kurz vor dem Start der IFA in Berlin weiter teils kräftige Umsatz-Rückgänge.

Der Markt für Unterhaltungselektronik verzeichnet kurz vor dem Start der IFA in Berlin weiter teils kräftige Umsatz-Rückgänge.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Die Kauflaune der Deutschen hat sich vor dem Start der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin (6. bis 11. September) leicht eingetrübt.

„Es steht außer Zweifel, dass anhaltende Diskussionen zu globalen Handelskonflikten, politischen Streitigkeiten und auch zum Brexit ihren Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten bei Neuanschaffungen haben“, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der Branchengesellschaft und IFA-Veranstalterin gfu am Donnerstag in Berlin.

Verbraucher sehen Wirtschaft weniger krisenfest aufgestellt

Die Zurückhaltung der Konsumenten belegt auch eine aktuelle Umfrage der gfu. Demnach sehen viele Verbraucher die Wirtschaft weniger krisenfest aufgestellt als noch 2018. Die Konjunkturerwartung durch die Konsumenten sei so schlecht wie seit sechs Jahren nicht mehr, sagte Kamp.

Anschaffungsneigung und Konsumklima bewegten sich aber noch auf einem stabilen Niveau. „Die Niedrigzinsen sorgen weiter dafür, dass die Verbraucher ihr Geld nicht verstärkt auf die Bank tragen, sodass wir für das zweite Halbjahr, auch durch die Impulse der IFA, positiv gestimmt sind“, erklärte Kamp.

Trends sind Künstliche Intelligenz und Mobilfunkstandard 5G

Zuletzt verzeichnete die Branche weiter teils kräftige Umsatz-Rückgänge. Im ersten Halbjahr 2019 ging dem maßgeblichen Hemix-Index zufolge der Umsatz mit klassischer Unterhaltungselektronik um 7,1 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zurück. Während der Absatz halbwegs stabil ist, leidet die Branche unter einem schnellen Preisverfall ihrer Produkte.

Zu den großen Trends in der Unterhaltungselektronik und bei Hausgeräten gehören in diesem Jahr Künstliche Intelligenz zum Beispiel für die Sprachsteuerung sowie der neue Mobilfunkstandard 5G. Die IFA wolle Ausblicke auf Produkte und Technologien geben, „die künftig unseren Lebensstil beeinflussen werden“, sagte Hans-Joachim Kamp.

IFA will auch Plattform für Vernetzung sein

Gleichzeitig sei die IFA stets Treffpunkt aller Beteiligten im Markt, so Kamp. Dazu gehörten Industrie und Handel, Fachbesucher, Medien und das breite Publikum – „für die alle Produkte letztendlich entwickelt und produziert werden“. Anders als die CES in Las Vegas, die sich als reine Fachmesse versteht, hat die IFA stets an dem Konzept der Publikumsmesse festgehalten.

Mit Blick auf den anklingenden Handelsstreit zwischen den USA und China, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker, dass die Internationale Funkausstellung seit jeher auch für Vernetzung stehe. Heutzutage würden viele Produkte wie Smartphones und Fernseher mit Komponenten aus unterschiedlichen Ländern zusammengebaut. Handelsbarrieren würden zu weniger Dynamik im Markt führen, sagte Heithecker. Es werde unterschätzt, wie global die Industrie heute arbeite, betonte der Direktor der Funkausstellung.

Erstmals steht die neue Messehalle „Hub27“ zur Verfügung

Für stärkeren Austausch zwischen einzelnen Nationen will die IFA auch mit ihrem eigenen Programm sorgen. So wird etwa Richard Yu, Vorsitzender der Technologies Consumer Business des umstrittenen chinesischen Konzerns Huawei, die Opening-Keynote bei der Konferenz IFA Next halten. Auch der Präsident des amerikanischen Chipherstellers Qualcomm wird erwartet.

Die IFA selbst spüre bereits seit Monaten die Schwierigkeiten im Markt, sagte Heithecker. Dennoch ist die Messe erneut ausgebucht. In diesem Jahr steht auch erstmals die neue Messehalle „Hub27“ zur Verfügung. Dort sollen vor allem Vorträge und Pressekonferenzen stattfinden, kündigte Heithecker an. In den vergangenen Jahren hatte die IFA bereits ihr Veranstaltungsportfolio während der Messetage erweitert.

Besuchertage in Berlin vom 6. bis zum 11. September

Neu hinzugekommen war unter anderem die Mobility-Convention „Shift“. Man wolle keine klassische Auto-Ausstellung bei der IFA, sagte der Messe-Direktor. Auf der „Shift“ würden Innovationen für den Bereich Mobilität vom Konsumenten her gedacht. „Vernetzung hört nicht im Haus auf, sondern geht im Auto und auf dem Weg dorthin weiter“, sagte Heithecker.

Die IFA öffnet für alle Besucher in diesem Jahr vom 6. bis zum 11. September in Berlin. Die IFA Global Market in der Station Berlin richtet sich speziell an Fachbesucher. Japan ist in diesem Jahr Partner für die IFA Next, ein Format speziell für technische Innovation. Ab Sonntag will Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär (CSU) ihr Büro auf dem Messegelände aufschlagen und für Gespräche mit Besuchern und Branche zur Verfügung stehen.