Mehrweg

Brauereien wollen höheres Pfand für Bierflaschen und -kästen

Steigt das Pfand auf Bier? Das Umweltbundesamt hält den Vorstoß der Brauereien für sinnvoll. Doch die Umsetzung ist nicht leicht.

Bierkästen gibt es bisher für 1,50 Euro Pfand, Brauereien wünschen sich bis zu 6 Euro.

Bierkästen gibt es bisher für 1,50 Euro Pfand, Brauereien wünschen sich bis zu 6 Euro.

Foto: istock / iStock

Berlin.  Die Revolution beginnt in Bayern. Die Unruhestifter sind kleine Brauereien im Freistaat. Sie wollen etwas durchsetzen, was es seit Jahrzehnten nicht gab: ein höheres Pfand auf Bierflaschen und -kästen.

Vier, fünf oder gar sechs Euro sollen Kunden künftig für das Tragegerät aus Kunststoff zahlen, wenn sie Bier kaufen. Bis jetzt sind es 1,50 Euro pro Kasten. Auch das Pfand für die einzelnen Flaschen könnte steigen – von derzeit acht Cent auf 15 Cent.

Beschlossen ist noch nichts. Die Verhandlungen zwischen den Brauereien und dem Handel laufen. Es gebe „keine Vorfestlegungen“, teilt der Deutsche Brauer-Bund mit. Man warte auf Ergebnisse einer Arbeitsgruppe.

Anteil der Pfandflaschen geht zurück

Bier ist das Getränk, das in Deutschland am häufigsten in Mehrwegflaschen verkauft wird. Mehr als 80 Prozent des Gerstensafts wird in braune oder grüne Flaschen gefüllt. Das ist zwar viel mehr als bei Mineralwässern und Erfrischungsgetränken, die auf eine Mehrwegquote von knapp 40 beziehungsweise knapp 30 Prozent kommen.

Doch der Anteil der Pfandflaschen geht in allen Bereichen seit Jahren zurück. Das Ziel, 70 Prozent aller Getränke in Mehrwegflaschen zu verkaufen, wird meilenweit verfehlt. Am Ende der nächsten Woche wird das Umweltbundesamt die jüngsten Zahlen dazu veröffentlichen. Klar ist schon: Sie werden nicht besser.

Umweltbundesamt begrüßt die Initiative

Beim Umweltbundesamt begrüßt man die Initiative der kleinen Brauereien: „Umweltpolitisch ist ein höheres Pfand auf Flaschen und Kästen sinnvoll“, sagt Gerhard Kotschik, der Verpackungsexperte der Behörde. Kunden hätten dann „einen Anreiz, Flaschen und Kästen zügig zurückzubringen“.

Wenn Flaschen möglichst oft wieder befüllt würden, sei das ein Vorbild für Abfallvermeidung, sagt Kotschik. Das Pfand auf Mehrwegflaschen und -kästen sei lange nicht erhöht worden. Weil andere Preise gestiegen seien, sei es nun relativ sehr niedrig. Kotschik betont aber: „Die Getränkehersteller und der Handel müssen überlegen, mit welchen Pfandbeträgen sie hohe Rücklaufquoten sicherstellen.“

Auch Philipp Sommer, Experte für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe, glaubt an die positive Wirkung eines höheren Pfands auf Bierkisten: „Es würde dazu führen, dass die Brauereien mehr Leergut zurückbekämen.“

Warum Alkohol Lust auf Zigaretten macht

Viele Biertrinker bringen Flaschen nicht zurück

Tatsächlich bringen viele Biertrinker die Verpackung nach vollendetem Genuss nicht wieder zurück. Die Brauer müssen deshalb immer wieder neue Flaschen und Kisten kaufen. Das geht ins Geld. „Privatleute vergessen die Kisten im Keller oder basteln sich daraus Möbel“, klagt Georg Rittmayer, Präsident der bayerischen Privatbrauereien.

Er berichtet auch von Urlaubern, die ihr Bier im Süden der Republik kaufen und dann das Leergut im Norden nicht wieder loswerden. Getränkehändler würden die Kästen dort zu Plastikgranulat verarbeiten lassen und sie nicht wieder nach Bayern zurückschicken.

Darum wäre eine Pfand-Erhöhung gar nicht so einfach

Doch so einfach der Gedanke auch ist: Das Pfand lässt sich nicht so leicht erhöhen. Würden die Brauereien die Leihgebühr von heute auf morgen heraufsetzen, müssten sie viel Geld zahlen. Denn Kunden, die sich vor der Erhöhung einen Bierkasten für 1,50 Euro ausgeliehen haben, könnten ihn anschließend für vier Euro zurücktauschen – und 2,50 Euro Gewinn machen.

Bei 200 Millionen Bierkästen und drei bis vier Milliarden Bierflaschen, die im Umlauf sind, würde das viele Millionen Euro kosten. Die Lösung könnten neue Kästen sein, die nur gegen höheres Pfand ausgegeben werden. Dafür aber müssten nicht nur die Rückgabeautomaten in Supermärkten umprogrammiert werden. Die Brauereien müssten auch diese Kästen neu kaufen – für rund drei Euro pro Stück.

Zustimmung in der Politik – Thema soll ernst genommen werden

Aus der Politik gibt es trotzdem Unterstützung für ein höheres Pfand: „Die Forderung der Privatbrauereien ist ein Hilfeschrei, den die Bundesregierung sehr ernst nehmen muss“, sagt die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Bettina Hoffmann. Es sei „ein umweltpolitisches Desaster“, dass der Anteil der Getränke in Pfandflaschen Jahr für Jahr sinke.

Hoffmann fordert Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf, „einen Mehrweg-Gipfel einzuberufen, um zusammen mit der Mehrweg-Branche Lösungen zur Rettung des Mehrwegsystems in ganz Deutschland zu entwickeln“.

Mineralwasser wird in standardisierten Kästen verkauft

Die Abfüller von Mineralwasser übrigens haben bisher keine Schwierigkeiten mit dem Pfand. Sie verwenden überwiegend standardisierte Kästen und Flaschen, mit denen alle Abfüller etwas anfangen können.

„Bei den Mineralbrunnen gibt es aktuell keine Überlegungen, das Mehrwegpfand zu erhöhen“, sagt deshalb Markus Wolff, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Deutscher Brunnen. Zumindest beim Mineralwasser bleibt die Revolution vorerst aus.

Vor kurzem wurde über ein Pfand für Batterien diskutiert – denn jede zweite landet im Restmüll. Das Umweltministerium debattierte darum, ob Kaffee-Einwegbecher teurer werden soll. Wichtig für Verbraucher ist auch die Frage, wie lange ein alter Pfandbon eigentlich gültig ist.