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Relotius-Förderer Matthias Geyer geht in den Vorruhestand

Geyer, dem zuvor gekündigt worden war, einigte sich außergerichtlich mit dem „Spiegel“. Der Bericht der Relotius-Kommission belastete ihn massiv.

Matthias Geyer war lange Vorgesetzter von Claas Relotius - darüber stolperte er am Ende.

Matthias Geyer war lange Vorgesetzter von Claas Relotius - darüber stolperte er am Ende.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Hamburg. Der „Spiegel“ und Matthias Geyer, der langjährige Vorgesetzte von Claas Relotius, haben sich außergerichtlich auf einen Vergleich geeinigt. Das teilte das Arbeitsgericht Hamburg dieser Redaktion auf Anfrage mit. Zuvor hatte der „Spiegel“, wie berichtet, Geyer gekündigt.

Relotius hatte mehr als 50 „Spiegel“-Artikel in Teilen oder komplett gefälschte. Die Aufdeckung des Skandals hatte zu einer breiten Diskussion um die Glaubwürdigkeit im Journalismus geführt.

Nach Angaben von Personen, die mit der Sache vertraut sind, wird der 57 Jahre alte Geyer in den Vorruhestand gehen. Offiziell lehnt der „Spiegel“ nach wie vor jede Stellungnahme zu dem Fall ab. Geyers Anwalt, der Kölner Arbeitsrechtler Andreas Cremer, war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Geyer nach Relotius-Affäre nicht befördert

Geyer kam 1989 zum „Spiegel“. Bis Ende 2018 war er Leiter des Gesellschaftsressorts und damit direkter Vorgesetzter von Relotius. Zum 1. Januar 2019 sollte Geyer vom neuen Chefredakteur Steffen Klusmann zum Blattmacher befördert werden. Diese Beförderung wurde nach Bekanntwerden der Relotius-Affäre zunächst ausgesetzt.

Am 20. März teilte der „Spiegel“ mit, dass Geyer nicht Blattmacher wird und auch die Leitung des Gesellschaftsressorts abgibt. Zuletzt war er beim Nachrichtenmagazin Redakteur für besondere Aufgaben.

Der am 24. Mai veröffentlichte Abschlussbericht der Relotius-Kommission belastete Geyer schwer. Insbesondere wurde ihm vorgeworfen, die Aufklärung der Affäre durch den „Spiegel“-Reporter Juan Moreno behindert zu haben. So brachte Geyer noch eine gefälschte Relotius-Story ins Blatt, obwohl Moreno ihn schon gut zwei Wochen vorher über Unstimmigkeiten an Stücken des Kollegen informiert hatte.

Offenbar erfolgte die spätere Kündigung des einstigen Ressortleiters vor dem Hintergrund der Erkenntnisse im Abschlussbericht der Relotius-Kommission.