Kühlung

Boom der Klimaanlagen: Warum der Trend so gefährlich ist

Der zweite heiße Sommer in Folge beschert den Herstellern von Klimaanlagen prächtige Geschäfte. Umweltschützer bringt das in Rage.

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Berlin. Der Besitzer der Altbauwohnung in Kreuzberg war früher in der Umweltbewegung aktiv, doch heute wird er manchmal fast schwach. „Es wäre doch wunderbar, wenn es hier auf Knopfdruck kühl werden könnte“, erklärt er seinen aufkeimenden Wunsch nach einer Klimaanlage. Denn hier im oberen Stockwerk staut sich in den Sommermonaten die Hitze.

„Früher waren es ja höchstens ein paar Tage im Jahr, an denen die Temperatur über 25 Grad stieg.“ Heute wird es in den Häuserschluchten oft wochenlang nie richtig kühl. Als Gutverdiener könnte er sich den Aufschlag auf die Stromrechnung von rund 100 Euro im Jahr durchaus leisten. Allein das schlechte Gewissen hält ihn von der Anschaffung ab. Bisher zumindest.

Viele andere private und professionelle Hausbesitzer haben schon nachgegeben: Das Geschäft mit Klimaanlagen boomt in Deutschland. „In den letzten beiden heißen Sommern 2018 und 2019 hatten wir eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage“, sagt Bernhard Schöner, Marketingleiter bei Daikin Airconditioning Germany, der deutschen Tochtergesellschaft des japanischen Weltmarktführers für Raumkühlgeräte.

Für das laufende Jahr erwartet Schöner erneut zweistelliges Wachstum. Die Monate April, Mai und Juni waren das stärkste zweite Quartal in der Firmengeschichte.

Schon der Rekordsommer 2018 hatte der Branche ein Boomjahr beschert. Der Fachverband Gebäude-Klima rechnete mit bundesweit mehr als 200.000 verkauften Klimageräten zum festen Einbau – Kompaktgeräte, wie sie meist in Privathaushalten zum Einsatz kommen, noch nicht eingerechnet. Normalerweise verkauft die Branche pro Jahr 150.000 bis 160.000 solcher Geräte.

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  • Immer mehr Menschen in Deutschland legen sich eine Klimaanlage zu
  • Verantwortlich dafür sind die immer werdenden Temperaturen
  • Die Hersteller sprechen von einem Boom - doch das birgt Gefahren

Kritik: Klimaanlagen verbrauchen viel Strom

Was bei den Herstellern den Umsatz hochtreibt, bereitet Umweltschützern Sorgen. Denn Klimaanlagen schaffen Komfort auf Kosten des Schutzes der Atmosphäre. Das Umweltbundesamt weist auf den hohen Stromverbrauch hin: Ein Gerät, das ein 30 Quadratmeter großes Wohnzimmer kühlen kann, zieht rund 2000 Watt. Das ist so viel wie ein Wasserkocher, der ununterbrochen läuft.

Der Strom kommt im heutigen Deutschland etwa zur Hälfte aus der Verbrennung von Kohlenstoff. Ein wichtiges Ziel der Klimaschützer ist daher auch die Senkung des Gesamtverbrauchs. Dem läuft der Trend zur Klimatisierung direkt entgegen.

Darum macht Hitze tatsächlich dumm

USA verbrauchen allein mit Klimaanlagen so viel Strom wie ganz Afrika

Bislang sind Klimaanlagen in Privathaushalten zwar noch wenig verbreitet – laut Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in jedem 25. Haushalt. Doch die Ökonomen prognostizieren für die Zukunft mit steigenden Temperaturen einen wachsenden Stromverbrauch durch Klimageräte:

  • Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) gibt es weltweit rund 1,6 Milliarden Klimageräte in Privathaushalten – die Hälfte davon in den USA und China.
  • Die Vereinigten Staaten allein verbrauchten mit ihren Klimaanlagen so viel Energie wie ganz Afrika insgesamt.
  • Deutschland mache der IEA zufolge bislang 0,5 Prozent am weltweiten Energieverbrauch für Kühlung aus.

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Umweltbundesamt warnt vor schädlichen Folgen von Kältemitteln

Das Umweltbundesamt warnt zudem vor schädlichen Folgen der Kältemittel in der Mehrzahl der konventionellen Geräte. Das Kältemittel ist ein Gas, das ein Motor mit hohem Druck zu einer Flüssigkeit zusammenpresst. Dabei entsteht Wärme, die ein Lüfter an die Außenluft abgibt. Die Flüssigkeit fließt durch einen Schlauch in die Kühleinheit im Inneren des Raumes. Dort wird sie durch eine Düse innerhalb des geschlossenen Kreislaufs verdampft, wobei sie der Umgebung Wärme entzieht.

Bisher dienten als Kältemittel Varianten der berüchtigten Verbindungen von Fluor mit Kohlenstoffen. Auch das als umweltfreundlich beworbene Kältemittel R32 gehört in diese Substanzklasse: Es durchlöchert zwar nicht mehr die Ozonschicht, wirkt aber immer noch als starkes Treibhausgas. Die Umstellung auf das weniger klimaschädliche Gas Propan kommt nur langsam voran, obwohl die EU mit der „F-Gase-Verordnung“ eine Trendwende bewirken will.

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Empfehlung: Auf Klimatisierung von Privaträumen verzichten

Im Gesamtbild empfiehlt das Umweltbundesamt den Bürgern, nach Möglichkeit auf die Klimatisierung von Privaträumen zu verzichten. „Für ein angenehmes Raumklima sind Außenrollläden oft die effizientere und kostengünstigere Lösung gegenüber Klimaanlagen“, lautet der amtliche Rat. Doch zugleich erkennen die Experten dort auch die steigenden Bedürfnisse nach Komfort an. Kaum ein Gebäude in Deutschland ist an die heißen Sommer angepasst.

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Ein Hemmschuh bei der privaten Verbreitung liegt darin, dass die meisten Deutschen zur Miete wohnen. Die Vermieter haben in der Regel kein Interesse daran, dem Einbau einer festen Klimaanlage mit Außen- und Innenteil zuzustimmen. Dafür wäre ein Durchbruch von Wänden notwendig: Ein Teil einer solchen „Splitanlage“ ist fest im Raum in­stalliert und durch Leitungen für das Kühlmittel mit dem Teil im Außenbereich verbunden. Kompaktgeräte, die Wärme über einen Schlauch durch ein gekipptes Fenster abführen, sind dagegen lauter und wenig energieeffizient.