Dienstleistungskonzern

Dussmann rüstet technisch auf

Der Kauf der Technik-Firma STS erweitert das Geschäft von Dussmann. Was die Investition für den Berliner Konzern bedeutet.

Hat seit August 2017 das Sagen bei dem Berliner Dienstleistungskonzern Dussmann: Wolfgang Häfele.

Hat seit August 2017 das Sagen bei dem Berliner Dienstleistungskonzern Dussmann: Wolfgang Häfele.

Foto: Reto Klar

Berlin. Wolfgang Häfele hat den Dussmann-Konzern durchleuchtet, Defizite erkannt und Entscheidungen getroffen. Seit gut zwei Jahren führt der Schwabe mittlerweile das Berliner Dienstleistungsunternehmen. An einem Vormittag Mitte August sitzt Häfele in seinem Büro an der Friedrichstraße. Hier will er erklären, wo Dussmann jetzt steht und wie sich das Unternehmen künftig aufstellen wird.

Klar ist, dass eine neue, zentrale Rolle der irische Technik-Spezialist STS einnimmt. Seit Juli gehört das Unternehmen mit rund 700 Mitarbeitern und 150 Millionen Euro Jahresumsatz offiziell zur Firma. Für Dussmann stoße STS neue Türen auf, sagt Häfele im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. „Bislang konnten wir nur einen Teil des Budgets eines Kunden abdecken, weil wir aufgrund fehlenden technischen Know-hows gar nicht zum Zug gekommen sind“, so der Dussmann-Vorstandssprecher.

Dussmann erzielte im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro Umsatz

Großunternehmen wie Dussmann und Gegenbauer aus Berlin oder Wisag aus Frankfurt am Main übernehmen für andere Firmen Dienstleistungen wie das Bewachen und Reinigen von Gebäuden. Aber auch Catering oder Landschaftspflege gehören zu den Aufgaben, die Dussmann und Co. für ihre Kunden ausführen. Der Umsatz der Branche ist milliardenschwer. Dussmann selbst erzielte im vergangenen Jahr Erträge in Höhe von 2,3 Milliarden Euro.

Der Kauf von STS, einem Unternehmen, das die Planung und den Bau von technischen Anlagen übernimmt, sei auch eine Antwort auf den Wandel in der Dienstleistungsbranche, erklärt Häfele. Früher, sagt der Sprecher des Vorstands, hätten die Geschäftspartner kleinteilig Aufträge ausgeschrieben. Das sei vorbei. „Heute wird verstärkt sogenanntes integriertes Facility-Management vergeben“, so Häfele. Alles aus einer Hand also. Dussmann könne in dem Wettbewerb um neue Kunden dank STS jetzt noch besser punkten als zuvor, erklärt er. So wie Dussmann hatten sich auch Konkurrenten in den vergangenen Jahren bereits mit Technik-Dienstleistern verstärkt: Gegenbauer erwarb 2016 RGM aus Dortmund. Wisag kaufte schon 2004 die ThyssenKrupp-Tochter HiServ.

Auch die Neu-Erwerbung STS ist ein Familienunternehmen

STS, ein Familienunternehmen aus dem irischen Waterford, eröffnet dem Berliner Dienstleistungskonzern auch gänzlich neue Kundensegmente. Die Iren planen, installieren und nehmen elektrische Anlagen und Gebäude in Betrieb. Zu den Auftraggebern zählen zum Beispiel Pharma-Firmen und Data-Center. Ursprünglich sei geplant gewesen, lediglich miteinander zu kooperieren, verrät Häfele. Doch dann tat sich eine Tür zum Kauf der Firma auf – und Dussmann schlug zu. „Die Kultur stimmt. STS ist ebenso wie Dussmann ein Familienunternehmen“, erklärt der Stuttgarter. Nicht zuletzt bringt STS auch Zugang zu ganz anderen Märkte mit. Häfele gefalle an seiner Neuerwerbung auch der „anglo-amerikanische Stallgeruch“, erklärt er.

Der irische Familienbetrieb wird gemeinsam mit den anderen technisch orientierten Firmen des Berliner Konzerns – dem Aufzugstechnik-Spezialisten Hebo sowie der Kühl- und Klimatechnik-Firma DKA – in dem neuen Geschäftsbereich Dussmann Technical Solutions gebündelt. Die Zentrale des Ablegers ist in Frankfurt am Main. „Berlin ist und bleibt der Firmensitz der Dussmann-Gruppe, aber wir müssen dorthin gehen, wo die Märkte sind“, sagt Wolfgang Häfele. Große Rechenzentren würden vor allem in Frankfurt am Main und Umgebung gebaut. Dort seien auch viele Arzneimittel-Firmen zu Hause. Den DTS-Sitz in die hessische Banken-Metropole zu verlagern sei eine „sinnvolle Arbeitsteilung innerhalb der Dussmann-Gruppe“, so Häfele.

Dussmann schielt auf langfristige Aufträge

Der Dussmann-Vorstandssprecher sagt, sein Unternehmen werde die klassischen Bewachungs-, Catering- und Reinigungsdienste nicht verlassen. „Dieses Geschäft ist und bleibt unsere DNA“, betont Häfele. Die Übernahme technischer Dienstleistungen sei für den Konzern aber wesentlich profitabler. „Aufträge mit technischem Fokus sind weniger personalintensiv“, so der Schwabe. Der Umsatz pro eingesetztem Mitarbeiter sei höher als bei einem Reinigungsauftrag. Generell hofft Häfele, dass der stärkere Technik-Fokus bei Dussmann dem Konzern langfristigere Partnerschaften mit Kunden sichert.

„Für uns ist es wichtig, dass wir uns auch konzeptionell einbringen können. Unser Ansatz ist, innerhalb von Vertragsbeziehungen eigenen Input zu bringen. Wir sind nicht die Schmuddel-Branche, sondern Teil der Wertschöpfung unseres Kunden“, erklärt der Vorstandssprecher. Dumping-Löhnen innerhalb seiner Branche sagt er den Kampf an. Dussmann sei nahezu überall an Tarifverträge gebunden. Es gebe aber Konkurrenten, die „scheren sich um nichts“. „Wir machen da nicht mit“, so Häfele. Gute Arbeitskräfte seien nur gegen gute Bezahlung zu bekommen. Ausgerechnet im deutschen Heimatmarkt war im vergangenen Jahr die Zahl der Beschäftigten des Konzerns jedoch gesunken. Häfele begründete das auch mit Veränderungen im Auftragsbestand.

Berliner haben mit Fraunhofer eigenen Reinigungsroboter entwickelt

Künftig sollen vor allem technische Helfer dem Dussmann-Personal die Arbeit erleichtern. Reinigungsroboter könnten bald verstärkt unangenehmere Tätigkeiten für die menschlichen Reinigungskräfte übernehmen. Doch noch hat die Technik seine Grenzen: Stehen etwa Stühle im Weg, müssen die Roboter schnell aufgeben. Gut hingegen funktionieren die Maschinen in langen Gängen oder auf ebenen Fabrikhallen-Böden.

Dussmann bringt die Weiterentwicklung der Technik auch selbst voran: Noch im Herbst wird der erste Prototyp eines Reinigungsroboters vorgestellt, den Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts gemeinsam mit dem Berliner Unternehmen und weiteren Partnern entwickelt haben. Der neue Reinigungsroboter zeichne sich unter anderem dadurch aus, dass er Türen öffnen könne, sagt Häfele. Zudem sei es möglich, zu saugen sowie trocken und nass zu reinigen. „Es tut sich Revolutionäres am Markt. Für uns ist es wichtig, diese Technik in unseren Wertschöpfungsprozess zu integrieren“, so Häfele.

Drohnen sollen im Überwachungsbereich zum Einsatz kommen

Auch im Überwachungsbereich setzt das Unternehmen auf digitale Helfer. Drohnen sollen künftig zum Beispiel den Außenbereich von Objekten überfliegen. Eine Software soll dann Unregelmäßigkeiten erkennen und dem Personal melden. Ein entsprechender Testlauf werde noch in diesem Jahr starten, kündigt der Dussmann-Vorstand an.

Einen etwaigen Arbeitsplatzabbau durch die neue Technik steht Dussmann laut Häfele nicht bevor. In anderen Branchen hat die zunehmende Automatisierung allerdings durchaus dazu geführt, dass in betroffenen Bereichen weniger Personal gebraucht wurde. Derzeit beschäftigt Dussmann weltweit 66.000 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in Deutschland. In Berlin arbeiten für den Dienstleister rund 6000 Menschen, hier betreibt das Unternehmen auch das Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße.