Zeltplatz

Camping-Rekord erwartet: Darum ist die Urlaubsart so beliebt

Urlaub auf Rädern ist beliebt. Auf Campingplätzen werden mehr Übernachtungen gezählt. Und auch Wohnmobile werden häufiger verkauft.

Wohnmobile werden immer kleiner. Warum das so ist und welche Reiseländer derzeit besonders beliebt sind, hat Reporterin Johanna Rüdiger einen Camping-Experten gefragt: Alex Kastl vom Wohnmobil-Spezialisten McRent.

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Berlin. Ob an den Stränden von Nord- und Ostsee, in den Alpen, in Mittelgebirgen, an Wäldern, Seen oder auch in Großstädten: Camping wird in Deutschland immer beliebter. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben die Übernachtungszahlen um 70 Prozent zugelegt.

„2019 erwarten wir ein neues Rekordjahr“, berichtet Gunter Riechey, Präsident des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) unserer Redaktion. 2018 übernachteten rund 34,5 Millionen Menschen auf deutschen Campingplätzen. „In diesem Jahr wird die Zahl erneut darüber liegen. Wir sind sehr zufrieden.“

Auf manchen Plätzen geht ohne Reservierung in der Hochsaison in diesem Jahr nichts. Viele Campingplätze sind sehr gut gebucht, berichtet Riechey, der selbst acht Campingplätze rund um die Mecklenburger Seenplatte betreibt. Je nach Ausstattung und Größe gibt es idyllische kleine Plätze bis hin zu großen Anlagen mit Ferienclub-Charakter und Animationsprogramm für Erwachsene, Kinder, aber auch für Hunde.

Camper geben 14 Milliarden Euro in Deutschland aus

Auf manchen etwa 2980 Campingplätzen mit insgesamt etwa 223.640 Stellplätzen sind in einigen Sommerferienwochen keine Abstellflächen mehr frei. Die meisten Urlauber campen in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Alle Länder verbuchten 2018 Zuwächse und die Zahl der Plätze stieg.

„Viele Menschen lieben den Urlaub im Grünen und wollen flexibel mit der Familie unterwegs sein“, begründet Riechey den Zulauf. Aber auch Zelten sei insbesondere bei jüngeren Leuten wieder in. Dafür haben auch modernere Zelte gesorgt, die leicht und schnell aufzubauen sind. Nur die Zahl der Dauercamper gehe zurück und werde durch andere Urlauber ersetzt.

Die meisten nutzen klassische Wohnwagen

Den größten Boom aber erlebt das motorisierte Camping: Etwa 70 bis 80 Prozent der Camper sind mit Caravans – also klassischen Wohnwagen – oder Reisemobilen unterwegs, berichtet Riechey. Die Branche der Caravan- und Reisemobilhersteller freut sich entsprechend über üppige Zuwächse.

In den ersten sieben Monaten wurden 40.854 Reisemobile zugelassen – und damit 14,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der verkauften Caravans kletterte um 9,8 Prozent auf 20.282, so die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

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Urlaub auf Rädern liegt sowohl in Deutschland als auch in Europa im Trend. Neue Rekordabsätze werden erwartet. „Das Wachstum 2019 dürfte in Deutschland bei Caravans bei mindestens fünf Prozent liegen, bei Reisemobilen bei mindestens zehn Prozent“, sagte Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD) unserer Redaktion.

Campingurlaub hat als Wirtschaftsfaktor Gewicht

Dabei legen die Zulassungszahlen in allen Fahrzeugkategorien zu – vom klassischen Campingbus wie dem VW-Bulli bis zum Luxusliner. „Besonders gefragt sind kompakte Fahrzeuge, da sie sich einfacher durch engere Straßen in den Bergen oder Städten fahren lassen und so mit besonders viel Flexibilität und Freiheit bestechen. Zudem sind sie auch für den Alltag geeignet“, sagt der CIVD-Chef.

Allerdings muss man für die Fahrzeuge schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Ein Reisemobil gibt es ab etwa 35.000 Euro – die Preise können auch gerne sechsstellige Summen erreichen. Im Schnitt geben die Käufer etwa 73.000 Euro aus, berichtet Onggowinarso. Caravans gibt es ab etwa 12.000 Euro – im Durchschnitt werden jedoch 20.000 Euro dafür hingelegt.

Camping hat auch als Wirtschaftsfaktor Gewicht. Urlauber mit Reisemobil, Caravan und Zelt bescherten der deutschen Wirtschaft 2018 rund 14 Milliarden Euro Umsatz, 11,5 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.

60er- und 70er-Jahre ist mit den heutigen Super-Camping-Anlagen nicht mehr vergleichbar“, sagt der Tourismusexperte Erwin Pfeiffer vom Automobilclub ADAC: „Das ist heute kein Billigurlaub mehr.“

Neuer Trend auf Zeltplätzen sind Mobilheime

Für Städte und Gemeinden sind Wohnmobilisten attraktive einkommensstarke Gäste. Wer Stellplätze für Wohnmobile ausweist, kann deshalb selber davon profitieren. „Wer ein Wohnmobil für 100.000 Euro fährt, kocht nicht jeden Tag selbst, sondern nutzt auch gerne die Restaurants vor Ort“, sagt Pfeiffer.

Zu den großen deutschen Herstellern zählen die Erwin Hymer Group, die Knaus-Tabbert-Gruppe und die Hobby-Fendt-Gruppe. Hinzu kommen die traditionellen Autobauer wie VW, Mercedes und Ford, die auf Basis ihrer Vans auch Campingbusse im Portfolio haben. Aber auch gebrauchte Reisemobile sind äußerst gefragt. Oft werden sie sehr pfleglich behandelt und gefahren und sind daher recht wertstabil, berichtet der Chef des Caravan-Verbands.

Die Campingplatzbetreiber haben noch weitere Ideen, um neue Kunden zu gewinnen. Und zwar in sogenannten Mobilheimen – also kleinen mobilen Ferienhäuschen. „Wir bräuchten mehr Genehmigungen für Mobilheime. Diese sind europaweit sehr beliebt, doch hierzulande – außer in Schleswig-Holstein – kaum erlaubt“, sagt der Campingverbandspräsident Riechey: „Da haben wir Nachholbedarf.“