Wirtschaft

Österreicher wollen Osram kaufen

Der Chiphersteller AMS überbietet das Angebot von US-Finanzinvestor. Das Berliner Werk ist offenbar nicht gefährdet.

Steht offenbar nicht zur Disposition: das Osram-Werk in Siemensstadt in Berlin

Steht offenbar nicht zur Disposition: das Osram-Werk in Siemensstadt in Berlin

Foto: imago stock&people / imago/Jürgen Heinrich

Berlin . Der österreichische Sensor-und Chiphersteller AMS unternimmt einen neuen Anlauf zur Übernahme des angeschlagenen Münchner Beleuchtungsherstellers Osram. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz kündigte am Sonntagabend ein rund 4,2 Milliarden Euro schweres Angebot für Osram an. Am Frankfurter Aktienmarkt legte die Osram-Aktie um 11,7 Prozent auf 35,71 Euro zu. Die in der Schweiz notierten AMS-Papiere verloren 8,7 Prozent.Man wolle Teile der in Asien angesiedelten Osram-Produktion von Asien nach Regensburg in Deutschland holen, sagte AMS-Vorstandsvorsitzender Alexander Everke am Montag. Die Übernahme soll in der ersten Hälfte 2020 abgeschlossen werden, so Everke weiter.

AMS überbieten US-Finanzinvestoren

AMS überbietet mit 38,50 Euro je Aktie das vorliegende mit dem Osram-Vorstand abgestimmte Angebot der US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle um zehn Prozent. Am Osram-Vorstand um Olaf Berlien hängt es nun, ob AMS zum Zug kommt. Dazu müsste er ein Stillhalteabkommen aufheben, das die Österreicher für einen Blick in die Bücher vereinbart hatten und das ihnen eigentlich für zwölf Monate ein Angebot verbietet.

AMS will bis zum Donnerstag eine Antwort aus München haben. Die Österreicher hatten schon Anfang Juli öffentlich Interesse an Osram bekundet, dann aber vorläufig einen Rückzieher gemacht, wohl weil die Finanzierung nicht stand. Nun wollen aber die Banken HSBC und UBS 4,2 Milliarden Euro finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

Der ehemalige Siemens-Manager Everke warb um Berliens Zustimmung: „Gemeinsam können wir uns mit unseren erstklassigen Mitarbeitern, Produkten und Technologien als ein weltweit führender Anbieter von Sensorlösungen und Photonik etablieren und unseren Kunden erhebliche Vorteile bieten.“ AMS erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. „Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können.“ Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von AMS.

Österreicher wollen neue Arbeitsplätze schaffen

Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von „Front-End-LEDs“ dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle ist auch AMS zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit. „Unser Vorschlag umfasst unter anderem umfassende Zusicherungen, die zur Absicherung der Mitarbeiter und Produktionsstandorte von Osram in Deutschland dienen sollen. Wir verpflichten uns dabei unter anderem, die weitere Berücksichtigung der Eckpunkte der Vereinbarung ,Zukunftskonzept Deutschland’ zu unterstützen, die im Juli 2017 mit der Gewerkschaft IG-Metall und den Arbeitnehmern von Osram abgeschlossen wurde“, sagte AMS-Sprecherin Amy Flécher der Berliner Morgenpost.

Am Osram-Sitz in München würden AMS zufolge „wichtige Funktionen“ erhalten bleiben. Das Digital- und Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll allerdings verkauft werden.

Gute Chancen hat bei einer Übernahme offenbar das Berliner OsramWerk. „Es ist zwar noch viel zu früh, um etwas Konkretes zu sagen, aber das Werk Berlin hat einen Automotive-Schwerpunkt und daran hat AMS Interesse signalisiert“, so die Einschätzung von Osram-Sprecher Torsten Wolf. Die Osramwerke waren 1918 in Friedrichshain als Ausgliederung der Deutschen Gasglühlicht gegründet worden. (mit dpa)