Berliner Start-up

Berliner Start-up Sennder will Logistik revolutionieren

Das Unternehmen Sennder vernetzt Händler mit Transportfirmen. Das soll Leerfahrten vermeiden. Das nächste Ziel: eine Milliarde Umsatz.

Eine Milliarde Umsatz im Visier: Sennder-Gründer David Nothacker.

Eine Milliarde Umsatz im Visier: Sennder-Gründer David Nothacker.

Foto: David Heerde

Berlin.. Auf dem WG-Sofa fing alles an. Inzwischen sind es Büroräume auf mehreren Etagen, von denen aus das Logistik-Start-up Sennder europaweit den Güterverkehr managt. Seit dem Sommer sitzt das Unternehmen in der Genthiner Straße in Berlin, mitten im Büro ragt dort eine orangefarbene Lkw-Front aus der Wand.

„Wir bringen große Handelsunternehmen mit Familienunternehmen zusammen“, sagt David Nothacker, einer der Gründer von Sennder. Mehr als 7500 Fahrzeuge vermittelt das junge Unternehmen über eine eigens entwickelte Software direkt an ihre Kunden, ohne selbst einen Fuhrpark zu besitzen. Das „FlixBus-Modell“, so nennt es Nothacker. Das Berliner Fernbusunternehmen fährt mit Bussen, die von Subunternehmen gestellt werden. So ist es auch bei Sennder: Mittelständische Frachtführer übernehmen mit ihren Lkw die Lastfahrten im Auftrag großer Handelsunternehmen.

Sennder wollte zuerst Pakete mit FlixBus-Bussen verschicken

Ursprünglich sah der Plan anders aus: Nothacker wollte Pakete mit Bussen von FlixBus versenden. Das klappte aber nicht, „zu komplex“, begründet es der 31-Jährige heute. Im August 2016 sei Sennder dann mit dem neuen Geschäftsmodell gestartet. Damals holte sich der Unternehmer Julius Köhler und Nicolaus Schefenacker mit ins Boot, die er vor zehn Jahren bei der Unternehmensberatung Roland Berger in München kennengelernt hatte. Anfangs arbeiteten die Gründer noch von ihrer gemeinsamen Wohnung in Berlin aus. Inzwischen hat sich das Büro vergrößert – zusammen in einer WG wohnen die drei aber immer noch.

„Für uns war es wichtig, uns von Anfang an klar im Markt zu positionieren, um schnell zu wachsen“, sagt Nothacker. Deshalb vermittelt das Berliner Logistik-Start-up ausschließlich überregionale Straßentransporte ab einer Strecke von 150 Kilometern und hat sich darüber hinaus auf Komplettladungen spezialisiert. Lkw mit Komplettladungen befördern nur eine Sendung an nur einen Empfänger.

Gütertransporte sollen besser planbar und effizienter werden

Das Problem auf europäischen Straßen: 23 Prozent der Lkw fahren komplett leer, so Nothacker. Warum? Durch suboptimale Routenplanung und Leerfahrten zum nächsten Beladeort. Wenn eine Ladung zum Beispiel von Berlin nach Rom geliefert wird, fährt der Lkw im Anschluss zurück nach Berlin – ohne Ladung.

Sennder will den Prozess nun digitalisieren und so frischen Wind in den traditionellen Logistikmarkt bringen. Durch die Zusammenarbeit mit rund 3000 mittelständischen Frachtführern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Beneluxländern und mit der eigens entwickelten Software werden Gütertransporte effizienter und besser planbar. „Durch den direkten Kontakt zu den Frachtführern können wir mehrere Mittelsmänner ersetzen und transparent Kosten sparen“, sagt Nothacker.

Lkw-Fahrer würden dadurch mehr verdienen, unnötige Leerfahrten könnten umgangen werden, erklärt er. Davon würden auch die etwa 100 Großkunden von Sennder profitieren, zu denen unter anderem große E-Commerce-Anbieter zählen. Familienunternehmen, die digital noch nicht so gut aufgestellt sind, unterstützt das Start-up bei der Digitalisierung ihrer Prozesse. Außerdem soll es in Zukunft Tankkarten für die Frachtführer geben.

Wettbewerb am Markt für Straßenlogistik ist groß

Stolze 100 Millionen Dollar konnte sich das junge Speditionsunternehmen in diesem Jahr schon sichern. Die neuste und bislang größte Finanzierungsrunde über 70 Millionen Dollar wurde im Juli abgeschlossen, angeführt von dem internationalen Risikokapitalgeber Lakestar und den Altinvestoren Scania Growth Capital, Project A, Holtzbrinck Ventures und Next47. Zuvor flossen im April bereits 30 Millionen Dollar des amerikanischen Kapitalgebers Accel in das Unternehmen.

„Scania war der erste Investor, den wir überzeugen konnten“, erzählt Nothacker, der in der italienischen Schweiz aufgewachsen ist. Das sei gar nicht so einfach gewesen, denn Sennder sei später als die Konkurrenz gestartet, weshalb potenzielle Investoren das Geschäftsmodell schon kannten.

Büros in in Madrid, Mailand und Breslau sollen im September eröffnen

Es sei wichtig gewesen, den schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania als Partner zu gewinnen, denn der Markt für Straßenlogistik ist groß – und damit auch der Wettbewerb. Zu den größten Konkurrenten zählen das durch den Berliner Start-up-Investor Rocket Internet mitfinanzierte Instafreight, Cargonexx aus Hamburg und Uber Freight, das zu dem amerikanischen Fahrdienstleister Uber gehört und erst im Juli in den deutschen Markt einstieg.

Mit Blick in die Zukunft zeigen sich die drei Sennder-Gründer aber zuversichtlich – und planen Großes: Eine Milliarde Euro Umsatz wollen sie innerhalb der nächsten vier Jahre machen und neue Logistikmärkte in Europa erschließen. Mit dem Geld aus der neusten Finanzierungsrunde soll das Unternehmen aber erstmal wachsen: Aktuell gibt es rund 150 Mitarbeiter, im Akkord werden gerade neue Mitarbeiter eingestellt. Auch für die drei neuen Büros in Madrid, Mailand und Breslau, die im September eröffnen sollen. Dann ist auch eine Kooperation zwischen Sennder und der italienischen Post geplant.