Start-up

Wenn Besucher auf Dinojagd gehen

Multi-Touch-Tisch oder Virtual-Reality-Brille: Firmen setzen auf interaktive Präsentationen. Entwickelt werden sie in Berlin.

Oliver Elias, Chef der Firma Garamantis, will Firmen helfen, auf Messen spielerisch mit Besuchern in Kontakt zu kommen.

Oliver Elias, Chef der Firma Garamantis, will Firmen helfen, auf Messen spielerisch mit Besuchern in Kontakt zu kommen.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin.  Um zu zu zeigen, wie Unternehmen künftig spielerisch auf eigene Produkte aufmerksam machen können, steht Oliver Elias an einem sogenannten Multi-Touch-Tisch in dem Showroom seiner Firma auf dem Euref-Campus in Schöneberg. Dann hält der Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Garamantis eine rechteckige Pappkarte an eine Kante des Tisches. Nur wenige Sekunden später öffnet sich auf dem Bildschirm ein Fenster und ein Dinosaurier stolziert aus der Ecke in Richtung Screen-Mitte. Mit ein wenig Fingerfertigkeit hat Elias das Urzeit-Vieh in der virtuellen Kamera eingefangen. Die digitale Dino-Jagd ist ein großer Spaß.

Oliver Elias und sein Unternehmen Garamantis haben die Anwendung für den Tag der offenen Tür im Berliner Naturkundemuseum entwickelt. Auch die Hardware liefert das 2014 gegründete Start-up mit. Der von der Firma selbst entworfene Multi-Touch-Tisch wird zum Beispiel mit einem hochauflösenden Kamerasystem geliefert. So kann die Technik auch Objekte erkennen, wie etwa die Dino-Karte des Naturkundemuseums. Mithilfe der virtuellen Technologie gelinge es spielerisch mit Besuchern in Kontakt zu treten, sagt Garamantis-Chef Oliver Elias, der das Unternehmen mit Marcus Dittebrand gegründet hat.

Moderne Installationen sollen Produkte erlebbar machen

Auch immer mehr Firmen entdecken die Vorteile der digitalen Präsentationshelfer. Vor allem bei Messeauftritten sei das Know-how seines Unternehmen gefragt, so Elias. Besonders große Konzerne haben sich längst von altmodischen Werbeformen wie Flyern oder Pappaufstellern verabschiedet. Gefragt sind vielmehr Lösungen, die ein Geschäftsmodell oder ein Produkt erlebbar machen.

Garamantis hat seit der Gründung vor fünf Jahren mehr als 50 dieser Projekte für Unternehmen, Ministerien, Verbände oder Organisationen umgesetzt. Zu den Kunden zählten etwa die Bundesregierung, die Weltraumorganisation ESA oder der Baumaschinenhersteller Liebherr. Die Dienstleistungen der Berliner sind gefragt: Zwischen 2016 und 2018 hat sich der Umsatz der kleinen Firma mehr als verdoppelt.

„Auf Messen ist es für Unternehmen immens wichtig, innerhalb kürzester Zeit den Kern des eigenen Geschäftsmodells vermitteln zu können“, sagt Oliver Elias. Mithilfe der interaktiven Installationen gelinge es, Inhalte einfacher darzustellen. „Die Technologie macht die Präsentation spielerischer und besser verständlich“, glaubt der Garamantis-Chef. Der neuartige Messe-Auftritt hat allerdings seinen Preis: Der Multi-Touch-Tisch inklusive individueller Softwarelösung kostet rund 50.000 Euro. Angesichts der immer noch hohen Messe-Budgets vieler Firmen sei die Summe aber kein großer Posten, beteuert Elias. Garamantis arbeitet an der technischen und inhaltlichen Konzeption im Schnitt vier bis fünf Wochen.

Die Angebote des Unternehmens sind inzwischen weltweit gefragt. Für ein Besucherzentrum der europäischen Weltraumorganisation Esa in der Nähe von Rom entwickelte Garamantis erst kürzlich eine interaktive Anwendung für das dortige Besucherzentrum. Im Duty-Free-Shop des Flughafens Doha (Katar) präsentiert nun ein Garamantis-Bildschirm erwerbbare Produkte. SAP in Peking hat seinen Showroom mithilfe der Berliner umgebaut. Das asiatische Geschäft soll in den kommenden Monaten weiter wachsen. In Singapur hat Garamantis dafür erste Kontakte geknüpft. Eine Eventagentur soll vor Ort nun für weitere Kontakte sorgen.

Ohnehin sind Partnerschaften im dem Geschäftsumfeld für die Berliner wichtig. Zahlreiche Unternehmen arbeiten bei der Konzeption ihrer Messeauftritte mit Agenturen zusammen. Garamantis hat schon vor Jahren Kontakte zu der österreichischen Ars Electronica geknüpft, einer der nach eigenen Angaben bedeutendsten und renommiertesten Medienkunst-Institutionen weltweit.

Neben den Multi-Touch-Präsentationen wird künftig verstärkt auch die Virtual-Reality-Technik (VR) auf Messen eine Rolle spielen, glaubt Oliver Elias. Als Kunden hat der Unternehmen dafür vor allem kleine und mittlere Unternehmen im Visier, die bislang noch häufig analoge Messestände haben. „Da sehe ich den größten Markt“, sagt Elias. Die VR-Technik ermögliche etwa den virtuellen Einbau eines Gerätes in die Anlage eines Kunden. So ließen sich vor Ort mögliche Konfigurationen durchgehen. Garamantis betrachtet die Technologie selbst aber nur als Hilfsmittel: „Wir denken vom Konzept her und versuchen die beste Form der Präsentation zu finden.“

Virtueller Ausflug auf das Gasometer des Euref-Campus

Was das bedeuten kann, zeigt zum Beispiel eine Installation, die Garamantis für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung realisierte: Im Rahmen der Ideen-Expo in Hannover hatte das Berliner Start-up für das Ministerium gewissermaßen ein Erlebniskino geschaffen. Besucher saßen mit VR-Brillen auf dem Kopf um eine Stele herum. Gezeigt wurden drei Sequenzen aus Madagaskar. Über die mittige Säule wurden passend zu den jeweiligen Filmszenen Hitze, Gerüche und Wind simuliert.

Die neueste VR-Installation hat Garamantis für den Euref-Campus entwickelt: Für das Sommerfest konnten Besucher virtuell die Spitze des Gasometers erklimmen. Besonders realitätsnah machte die digitale Tour ein eigens gebautes Gerüst, dass einerseits tatsächlich angefasst werden konnte, sich aber auch digital auf dem animierten Gasometer wiederfand. Die Entwicklung kam gut an: Seit einiger Zeit ist der Showroom von Garamantis fester Bestandteil der Führungen über den Euref-Campus.

Oliver Elias sieht aber längst noch nicht das Ende der digitalen Präsentationsformen gekommen. Künftig dürfte auch verstärkt künstliche Intelligenz eine Rolle spielen, ebenso das sogenannte Brain-Computer-Interface. Durch die spezielle Mensch-Maschine-Schnittstelle können Besucher mithilfe einer Maske, die Gehirnströme misst, zum Beispiel einen Bagger lenken. Die Steuerung erfolgt dann gewissermaßen ganz analog: nur mit den eigenen Gedanken.